Weltfrauentag

Kleine Marke, grosse Wirkung: Luzerner Grafikerin bringt die Helvetia in die Haushalte

8. März 2021, 11:16 Uhr
Manchmal, da kann auch etwas Kleines Grosses bewegen. Das ist auch die Meinung von der Luzerner Grafikerin Fabienne Angehrn. Für die Post hat sie unter anderem die Briefmarke zum 50 Jahr-Jubiläum des Frauenstimm- und Wahlrechts gestaltet: Die Helvetia. Deren Gestaltung war nicht nur einfach.
Über die von der Luzerner Grafikerin Fabienne Angehrn gestaltete Briefmarke wurde auch im Briefmarken-Magazin Lupe berichtet.
© zVg

Die Briefmarke. Ein kleines Etikett, das oft ohne grosse Bedeutung auf ein Couvert geklebt wird. Briefmarke halt. Aber für manche Leute ist eine Briefmarke viel mehr als das. Für die Sammler zum Beispiel. Und natürlich für die Leute, welche die Briefmarke gestaltet haben. Zu dieser Kategorie gehört die Luzernerin Fabienne Angehrn. Wobei sie auch ein bisschen Sammlerin ist, aber dazu später.

Warum die Helvetia nicht nur lacht

Wer dieser Tage einen Brief zur Post bringt oder seinen Briefkasten leert, der dürfte mit der neusten Kreation der Luzerner Grafikerin Fabienne Angehrn Bekanntschaft machen: der Briefmarke fürs Jubiläum «50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht». Mit Speer und Kranz auf dem Kopf steht sie da, die Helvetia, und wirft stolz ihren Umschlag in die Urne. Die Gestaltung dieser Marke war für Angehrn eine Gratwanderung zwischen Aktualität und historischer Korrektheit.

Das Bildnis der Helvetia kenne man vom 1- und 2-Fränkler. «Die Frage war, wie viel Änderung in Haltung, Form und Stil es erträgt, damit die Helvetia erkennbar bleibt, aber trotzdem einen moderneren Auftritt erhält. Ihren Schild musste meine Helvetia zum Beispiel ablegen, sonst hätte sie keine Hand frei gehabt zum Abstimmen. Auch ihr Blick geht direkt geradeaus und nicht wie üblich zur Seite. Sie soll ja hinsehen, wenn sie abstimmt, ansonsten wirkt es passiv oder desinteressiert", so Angehrn. Auch dem Mund hat Angehrn besondere Beachtung geschenkt. «Dass man das Frauenstimm- und Wahlrecht zelebriert, ist ja eigentlich ein festlicher Akt, etwas Schönes. Und trotzdem strahlt die Helvetia nicht komplett, denn sie fragt sich auch, warum es so lange gedauert hat, bis Frauen in der Schweiz abstimmen durften.

So sieht die Briefmarke in Gross aus.
© zVg

Die Helvetia und die Demokratie

Dass sich Fabienne Angehrn für die Helvetia als Motiv entschieden hat, ist etwas atypisch. «Historische Figuren für ein historisches Thema zu verwenden, finde ich etwas zu naheliegend und wenig überraschend. Grafik Design hat doch viel mehr zu bieten», so die Grafikerin. Doch als sie sich der Recherche für das Motiv widmete, stolperte sie über dieses Zitat:

Als Angehrn bewusst wurde, dass Helvetia als Ikone der Schweizer Demokratie gilt, ihr jedoch das Stimm- und Wahlrecht bis 1971 verwehrt blieb, war ihr sofort klar gewesen, dass Helvetia, stellvertretend für alle Schweizer Frauen, ihr Motiv für die Briefmarke sein würde. Denn die Demokratie brauche Frauen. «Damals, heute und morgen.»

Abtauchen in eine fremde Welt

Angehrn hat bereits Erfahrung, mit so einem kleinen Format zu arbeiten. Die Briefmarke zum 50 Jahre Jubiläum des Frauenstimm- und Wahlrechts ist nämlich bereits die dritte Briefmarke, die sie für die Post entwerfen durfte. 2018 gestaltete sie zum ersten Mal eine Briefmarke für die Post, anlässlich des 175-Jahr-Jubiläums der Schweizer Briefmarke. Angehrn tauchte in eine für sie bislang fremde Welt ein. «Plötzlich wollten Briefmarkensammler Autogramme von mir oder sagten, was für eine Freude es sei, mich kennen zu lernen.»

Wenn etwas Kleines, Grosses bewirken kann

Sammler. Sie sind es, die Briefmarken ganz genau unter die Lupe nehmen. Per Definition von Sammlern gehört sogar Angehrn in ihren Kreis. Denn ein Sammler legt seine Briefmarkenkollektion bewusst an, egal ob zu einem bestimmten Thema, mit bestimmten Motiven oder Abarten. „Meine aktuelle Briefmarkensammlung besteht, abgesehen von der geerbten Briefmarkensammlung meines Opas, ausschliesslich aus meinen eigenen Kreationen“, sagt Angehrn mit einem Schmunzeln. Natürlich fallen ihr Briefmarken nun mehr ins Auge als zuvor. Und wenn es die eigene ist, die in den Posteingang reingeflattert kommt, dann «ist das eine Wertschätzung des Absenders der Briefmarke oder mir gegenüber, über die ich mich jedes Mal aufs Neue freue.»

Die Briefmarke. Ein kleines Etikett, das oft ohne grosse Bedeutung auf ein Couvert geklebt wird. Wie kann eine Briefmarke den Anliegen der Frauen Kraft verleihen? «Auch etwas so Kleines kann Grosses bewirken», sagt Angehrn. «Schliesslich zählt bei Abstimmungen auch jede einzelne Stimme. Mit dem Verwenden der Marke setzen Absenderinnen und Absender ein Zeichen für Gleichberechtigung.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 8. März 2021 11:11
aktualisiert: 8. März 2021 11:16
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