Hacktivismus

Luzerner Hackerin: «Ich würde gerne alle und alles mal hacken»

Oliver Schneider, 25. Januar 2023, 11:16 Uhr
Mit der Entdeckung der US-amerikanischen «No Fly»-Liste sorgte sie Anfang dieser Woche für Aufsehen. Nun hat die Luzerner Hackerin Maia Arson Crimew über ihre Beweggründe Auskunft gegeben.
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Maia Arson Crimew ist in der Hacking-Community keine Unbekannte. Sie war bereits an mehreren aufsehenerregenden Veröffentlichungen und Cyberangriffen beteiligt. So war sie Teil der Gruppe, die sich 2021 Zugang zum Computer-Netzwerk von Verkada, einer cloud-basierten Firma für Sicherheitskameras, verschaffte. Auch beim Prozessorhersteller Intel griff Crimew bereits Daten ab. In den USA drohen der Hackerin bis zu 20 Jahre Haft.

Was treibt Maia Arson Crimew an? «Am Ende des Tages bin ich Anarchistin und würde mich freuen, würde ich den Hack schaffen, der den Kapitalismus zerstört», sagt die 23-Jährige in einem Interview mit «20 Minuten». Dabei habe sie sich nicht auf ein bestimmtes Ziel eingeschossen. «Irgendwie würde ich gerne alle und alles mal hacken», wird sie weiter zitiert.

«Paranoia bringt gar nichts»

Dass sie ihre Aktivitäten ins Visier der US-Behörden und sogar des Geheimdienstes CIA gerückt haben, findet Crimew «scary». Aber um ihr Leben möglichst normal fortsetzen zu können, müsse sie versuchen, nicht daran zu denken. «Paranoia bringt gar nichts, sondern ist genau das, was sie wollen.»

Ob die USA zurzeit aktiv nach der Hackerin suchen oder eine Auslieferung anstreben, ist nicht bekannt. Die «Zeit» berichtete im Herbst 2021, dass gegen die Luzernerin mit grosser Wahrscheinlichkeit ein internationaler Haftbefehl der internationalen kriminalpolizeiliche Organisation Interpol vorliege. Zwar liefere die Schweiz ihre Staatsbürgerinnen nicht aus, im Ausland sehe das aber anders aus.

In der Schweiz könnten Crimew nach Angaben des auf IT-Recht spezialisierten Rechtsanwalts Martin Steiger für ihre bisherigen Hacking-Aktivitäten viereinhalb Jahre Gefängnis drohen, so die «Zeit». Eine Anklage sei bisher aber nicht erhoben worden.

Liste hat grosses Missbrauchspotenzial

Das Aufsehen um ihren letzten Hack habe sie erstaunt, sagt Crimew. Allerdings verstehe sie die Aufregung auch. Die «No-Fly»-Liste umfasse rund 1,5 Millionen Personeneinträge – inklusive ganzer Namen und Geburtsdaten. «Eine solche Liste von Menschen, welche eine Regierung als schlecht betrachtet, hat in vielen Händen natürlich ein riesen Potenzial für Missbrauch.»

Die Veröffentlichung der Liste sei für die Öffentlichkeit spannend, bestätigt der IT-Sicherheitsexperte Sandro Nafzger gegenüber dem «Blick». Sie ermögliche einen Blick hinter die Kulissen. Gleichzeitig merke man, dass hunderttausende Menschen, darunter auch Normalbürger, auf solchen Listen landen können. «Für diese Menschen hat dies einschneidende Konsequenzen.»

Für die betroffene Airline CommuteAir und die US-Behörden sei der Vorfall peinlich, so Nafzger weiter. Der Hack von Maia Arson Crimew sei aber keine technische Meisterleistung gewesen. «Der ganze Hack ist clever aufgebaut, aber technisch eher einfach», sagt der Sicherheitsexperte weiter. «Für einen Profi ist das keine Zauberei, da es sich hierbei um ein typisches IT-Hygieneproblem handelt, wie wir es tagtäglich sehen.»

Crimew ist nicht nur in der Hackerszene aktiv, sie versuchte 2020 auch ins Luzerner Stadtparlament zu kommen. Dass sie sich offen als Hackerin zu erkennen gab, bereut sie heute ein Stück weit. «Das war eigentlich eine blöde Idee», räumt sie im Interview ein. «Aber es gibt mir die Möglichkeit, mit Medien zu sprechen und meine Aktionen zu erklären.» Zudem mache es sie vertrauenswürdiger. «Schlussendlich habe ich mich dazu entschieden, weil ich hinter dem stehe, was ich mache.»

(osc)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. Januar 2023 10:31
aktualisiert: 25. Januar 2023 11:16