Zentralschweiz
Luzern

Luzerner Kriminalgericht wertet tödliche Hammerschläge als Mord

Urteil

Luzerner Kriminalgericht wertet tödliche Hammerschläge als Mord

· Online seit 29.03.2022, 07:31 Uhr
Ein psychisch-kranker Mann, der einen Zimmernachbarn mit einem Hammer erschlagen hat, hat sich des Mordes schuldig gemacht. Zu diesem Schluss ist das Kriminalgericht Luzern gekommen. Es verurteilte den 24-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren.
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Das Gericht blieb damit unter dem Antrag der Staatsanwältin, die wegen Mordes eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren gefordert hatte. Der Verteidiger hatte auf 5 Jahre wegen eventualvorsätzlicher Tötung plädiert.

Einig waren sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, dass der Beschuldigte psychisch krank sei. Sie alle attestierten ihm eine schwer verminderte Schuldfähigkeit. Die Strafe sei zugunsten einer stationären Massnahme aufzuschieben. Gemäss eines Gutachtens leidet der junge Schweizer an einer paranoiden Schizophrenie.

Quelle: Tele 1

Das am Montag publizierte Urteil des Kriminalgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Es liegt erst im Dispositiv vor, das Gericht hat seinen Urteilsspruch somit noch nicht begründet.

Opfer stirbt nach zwei Monaten

Der Beschuldigte lebte 2018 in Luzern in einer Pension für Menschen in Not. Er ging mit einem Hammer in das Zimmer eines Mitbewohners und schlug diesem zwei bis vier Mal auf den Kopf. Das Opfer starb zwei Monate später.

Der Beschuldigte hatte vor Gericht gesagt, er habe vor der Tat Stimmen gehört und gelbe Punkte gesehen. Die Stimmen hätten ihm Angst gemacht, er habe sich vom Opfer aber nicht bedroht gefühlt.

Die Staatsanwältin warf dem Beschuldigten vor, er habe dem Opfer in dessen Zimmer aufgelauert und es vorsätzlich und skrupellos getötet. Er habe die Tat aus Neugier begangen und weil er das Opfer verachtet habe. Sie zitierte aus dem Gutachten, gemäss dem sich der Täter zum Richter über Leben und Tod aufgespielt habe.

Unterschiedliche Bewertung der Tat

Ganz anders bewertete der Pflichtverteidiger die Tat. Sein Mandant habe sich 2018 im Vorfeld einer paranoiden Schizophrenie befunden, sagte er. Es hänge wohl mit dieser Krankheit zusammen, dass es keine nachvollziehbaren Gründe für die Tat gebe. Er sei kein skrupelloser Täter, er habe den Tod des Opfer nur in Kauf genommen.

Der Anwalt des Beschuldigten verwies auch auf dessen schwere Jugend. Die Krankheit habe begonnen, als sein Mandant 16 Jahre alt gewesen sei. Er habe damals auf der Strasse gelebt und kein familiäres Netz gehabt.

Das Kriminalgericht verpflichtete den Beschuldigten zudem dazu, den Hinterbliebenen des Opfers eine Genugtuung von total 30'000 Franken zu zahlen. Zudem muss er Verfahrenskosten in der Höhe von 71'000 Franken übernehmen.

veröffentlicht: 29. März 2022 07:31
aktualisiert: 29. März 2022 07:31
Quelle: sda / PilatusToday

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