Verbindliche Regeln

Luzerner Regierung will Kita-Praktikanten besser schützen

6. September 2022, 15:20 Uhr
Wer ein Praktikum in einer Luzerner Kindertagesstätte macht, soll bessere Arbeitsbedingungen erhalten. Die Kantonsregierung lässt einen Normalarbeitsvertrag ausarbeiten. Dieser soll für die ganze Branche verbindlich sein und Ausbeutung verhindern.

Quelle: PilatusToday / David Migliazza

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Seit 2017 hat eine Kommission im Kanton Luzern dreimal die Arbeitsbedingungen in Kitas überprüft. Dabei nahm sie vor allem die Löhne und die Praktikabedingungen unter die Lupe. Nach der letzten Kontrolle 2020 kam sie zum Schluss, dass die Ergebnisse noch nicht zufriedenstellend seien.

Das schreibt die Luzerner Kantonsregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage von Kantonsparlamentarier Urban Sager (SP). Man habe deshalb die Kommission beauftragt, einen Normalarbeitsvertrag für Kitas zu unterbreiten.

Verbesserungswürdig seien insbesondere die Praktikaverhältnisse. Bei einem Praktikum sollte der Ausbildungscharakter an erster Stelle stehen und nicht das betriebswirtschaftliche Interesse, hält die Luzerner Kantonsregierung fest. Der Normalarbeitsvertrag solle denn auch verhindern, dass Praktika über längere Zeit in verschiedenen Betrieben und ohne Aussicht auf eine Lehrstelle absolviert werden. Laut Fabian Haindl, CEO der small foot AG, sind Praktika ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung: «Heute kommt man sehr jung aus der Schule und man muss sich der Verantwortung bewusst sein, die der Job mit sich bringt. Ein Praktikum gibt vielen jungen Menschen die Gelegenheit herauszufinden, ob das auch wirklich der richtige Beruf für sie ist.»

Ein Normalarbeitsvertrag wäre für die ganze Branche verbindlich. Allenfalls sei darin ein Mindestlohn für Praktikantinnen und Praktikanten festzulegen und die Dauer der Praktika zu begrenzen, erklärte die Regierung. Fabian Haindl unterstützt das Vorhaben der Regierung, aber: «Man muss unbedingt die Kita-Betreiber miteinbeziehen und schauen, welche finanziellen Konsequenzen es für eine Institution hat. Denn schlussendlich werden die Kosten wieder auf die die Familien abgewälzt. Es ist entscheidend, dass man sich überlegt, wie man das auffangen kann.» Denn: Schon jetzt sei die Kinderbetreuung teilweise 70 Prozent teurer als im europäischen Schnitt und belaste die Familie stark.

Quelle: sda
veröffentlicht: 6. September 2022 06:54
aktualisiert: 6. September 2022 15:20