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Kultur

Luzerner Theater setzt unter Ina Karr auf Ensemblearbeit

18. Mai 2021, 15:50 Uhr
Die neue Luzerner Theaterintendantin Ina Karr startet ihre erste Saison unter dem Motto «Bis zum Innersten». Dies sei eine Sehnsucht, aber auch ein Versprechen, sagte sie am Dienstag bei der Spielplanpräsentation. Sie kündigte ein Theater mit «grosser Sinnlichkeit» an.
Das Luzerner Theater startet im Herbst unter einer neuen Intendanz in die neue Spielzeit. (Archivaufnahme)
© KEYSTONE/URS FLUEELER

Karr stiess vom Staatstheater Mainz an das Haus an der Reuss. Sie löst in Luzern Benedikt von Peter ab, der ans Theater Basel wechselte. Von Peter hatte in Luzern mit seinem «Raumtheater» für Furore gesorgt, etwa in dem er den Theatersaal umbaute.

Karr bekannte sich bei ihrer ersten Spielplanpräsentation zu einer «Luzerner Dramaturgie». Das Mehrspartenhaus mit seinen festen Ensembles solle als Kreativraum genutzt und Inhalte sollen gemeinsam erarbeitet werden, erklärte sie.

Unter dem Motto «Bis zum Innersten» will man in die Tiefe gehen, Grenzen ausloten und Neues zu wagen. Davon zeugen Projekte, wie beispielsweise der stärkere Fokus auf Kinder- und Jugendtheater. Die neue Sparte «Junges Luzerner Theater» will ein Theaterort für Kinder und Jugendliche schaffen, bei dem künstlerische Teilhabe gelebt wird. Gleichzeitig holt sich das Luzerner Theater das UG zurück, die aktuelle Wirkungsstätte des Winkels, der Probe- und Aufführungsort vieler freie Nachwuchskünstler*innen wurde. Die zweite Nebenspielstätte des Luzerner Theaters soll Platz schaffen für Experimentelles und Unfertiges sowie Spartenübergreifendes.

Stärke des Mehrspartenhauses ausspielen

Oper, Schauspiel und Tanz hätten ihre eigenen Arbeitsweisen, sagte Karr. Die Stärke des Mehrspartenhauses sei aber, dass die Sparten in einer kritischen Zusammenarbeit auch voneinander profitieren könnten.

Den drei Ensembles gehören über 30 Frauen und Männer an. Sie sollen sich über die Zeit künstlerisch entwickeln und einen eigenen Geist schaffen, der im Publikum zu spüren sein werde, erklärte Karr.

Auf dem Plan der ersten Spielzeit finden sich deswegen verschiedene Ensemblestücke, so Mozarts «Le nozze di Figaro» und Verdis «Macbeth», Shakespears «King Lear» oder Kleists «Amphitryon». Die Inszenierungen würden aus und für die Ensembles erarbeitet, sagte Schauspieldirektorin Katja Langenbach.

Gemeinsamer Start

Mustergültig verkörpern soll den spartenübergreifenden Geist das Stück, mit dem die Saison eröffnet wird. Es handelt sich um die Oper «Staatstheater» von Mauricio Kagel, an der alle Theaterformen und Sparten beteiligt sein werden, aber mit dem Lucerne Festival Contemporary Orchestra auch ein externer Klangkörper. Regie führen wird Lydia Steier, die mit Lars Gebhardt neu die Opernsparte leitet.

Erstmals wird mit der Intendanz von Karr auch eine «Komponistin in Residence» am Luzerner Theater tätig sein. Es handelt sich um die chinesisch-amerikanische Künstlerin Dun Yun, die bei der Aufführung ihrer Werke «A Cockroach's Tarantella/Zolle» selbst als Erzählerin auf der Bühne stehen wird.

Das Tanzensemble, das neu von Wanda Puvogel geleitet wird, blieb weitgehend dasselbe. Die Ausrichtung der Tanzsparte soll sich aber ändern. Viel Wert gelegt wird darauf, dass Choreografinnen und Choreografen gleichberechtigt in Luzern arbeiten können.

Multimediale Produktionen

Bei den Inszenierungen setzt das Luzerner Theater auch auf die Verbindung mit anderen Künsten, so in «Network» von Lee Hall in einer Produktion von Wojtek Klemm. Die Aufführung soll zum «multimedialen und transdisziplinären Ereignis» werden.

Karr kündigte eine Spielzeit mit «grosser Sinnlichkeit» an. Nach einem Jahr, in dem vieles am Bildschirm stattgefunden habe, solle der Mensch in seiner ganzen Dreidimensionalität auf der Bühne und vor Publikum dargestellt werden, erklärte sie.

Quelle: sda
veröffentlicht: 18. Mai 2021 12:39
aktualisiert: 18. Mai 2021 15:50