Luzern

Neun Messerstechereien in drei Monaten: Eine Spurensuche

Martina Odermatt, 8. Juli 2020, 14:35 Uhr
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Quelle: Tele 1

In den vergangenen Wochen ist es im Kanton Luzern zu mehreren Messerstechereien gekommen. Wie kann man sich diese Häufung erklären? Eine Spurensuche.

Erneut ist es in der Nacht auf Dienstag zu einer Messerstecherei gekommen. Dieses Mal beim Bahnhof Luzern. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Person mit dem Messer schwer verletzt wurde. Konkret gab es seit Ende März bereits neun Messerstechereien im Kanton Luzern. Drei in Emmenbrücke, eine beim Nordpol in Reussbühl, eine beim KKL, zwei Mal in der Baselstrasse, eine beim Sedel in Luzern und einmal beim Bahnhof Luzern. Zum Vergleich: Im gesamten letzten Jahr kam es zu insgesamt acht schweren Messerstechereien.

«Das wäre Kaffeesatzlesen»

Auch die Luzerner Polizei hat diese Entwicklung registriert. «Wir beobachten das mit einer gewissen Besorgnis», sagt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1. Warum es aktuell zu einer Häufung von Messer-Angriffen kommt, das kann er nicht erklären: «Das wäre wie Kaffeesatzlesen, wenn wir jetzt versuchen würden, das auszuwerten. Fakt ist, dass es zu mehreren Vorfällen gekommen ist.» Allerdings stünden diese Verbrechen nicht in einem direkten Zusammenhang. Vorrang habe nun, herauszufinden, wie es zu diesen Vorfällen und Verletzungen kommen konnte und welches Motiv dahintersteckte.

Ein Messer ist einfacher verfügbar

Der forensische Psychiater Andreas Frei hat ebenfalls bemerkt, dass es vermehrt zu Messerstechereien gekommen ist in der jüngsten Vergangenheit. «Bei einem Messer ist die Schwelle viel niedriger als bei einer Pistole», sagt er. Es stelle sich die Frage der Verfügbarkeit. «Ein Messer ist einfacher verfügbar als eine Pistole.» Für diese benötige man einen Waffenschein. Danach sei es das aber bezüglich Unterschieden bereits gewesen. Egal, ob man Pistole oder Messer auf sich trägt, dann sei beim Träger eine aggressive Haltung vorhanden.

Dieses Jahr kam es bereits zu 9 Messerstechereien.
© PilatusToday

Bestätigung der Männlichkeit durch Gewalt?

Zudem stellt sich Frei auch die Frage der Herkunft der Täter: «Handelt es sich um eine soziokulturelle Subkultur, die einfach vermehrt auf Streit aus ist? Die vermehrt drauf aus ist, die Männlichkeit und Identität gewaltsam bestätigt haben zu wollen? Möglicherweise gibt es hier ethnische Unterschiede.»

Übrigens: Corona sei wohl nicht Schuld an dieser Entwicklung. Es sei zwar denkbar, dass der Lockdown einen Einfluss hat, so Frei. Jedoch sei dieser eher bei älteren Menschen zu spüren, die sich sehr isolieren mussten.

Immerhin: Laut Simon Kopp habe man die Kontrollen, die bereits vor den Ereignissen regelmässig durchgeführt wurden, intensiviert.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. Juli 2020 16:55
aktualisiert: 8. Juli 2020 14:35