Wegen Fäkalbakterien

«Noch nie erlebt»: Mieterverband hat kein Verständnis für Wasser-Situation in Honau

18. Juli 2022, 20:08 Uhr
Kein erfrischender Schluck aus dem Wasserhahn und vor dem Zähneputzen, das Wasser abkochen: Das ist momentan der Alltag von Mieterinnen und Mietern einer Überbauung in Honau. Selbst der Mieterverband Luzern hat so etwas noch nie erlebt.
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So haben sich die Mieterinnen und Mieter der Hirschmatt-Überbauung in Honau das Leben in ihren neuen Wohnungen nicht vorgestellt. «Seit dem Erstbezug Anfang Dezember stimmt mit dem Wasser etwas nicht. Es riecht seltsam und die Kalkablagerungen weisen Verfärbungen auf», erzählt eine Mieterin gegenüber «20 Minuten». Nachdem im Januar die Verwaltung informiert wurde, kam zunächst der Brunnenmeister vorbei, später habe die Verwaltung noch einen Wassertest machen lassen. Das Resultat: Alles sei in Ordnung.

Da einige Personen dennoch gesundheitliche Beschwerden hatten, gab man im Mai einen weiteren Wassertest in Auftrag. Das Resultat diesmal: Es hat Bakterien und gesundheitsschädigende Stoffe im Wasser. Gemäss des Berichts wurden unter anderem Bakterien des Typs Enterokokken nachgewiesen – ein Milchsäurebakterium, welches nicht im Trinkwasser vorkommen darf.

Vor dem Zähneputzen heisst es Wasserkochen

Das Bakterium könne auf eine fäkale Verunreinigung des Wassers hindeuten und gesundheitliche Beschwerden und Infektionen auslösen. Empfohlen wird dann, das Kaltwasser nicht mehr als Trinkwasser zu benutzen. Selbst für das Zähneputzen und Duschen mit offenen Wunden oder Erkrankungen des Immunsystems sollte man abgekochtes Wasser benutzen.

Die Verwaltung bestätigt, dass Spuren von Bakterien in den acht Mehrfamilienhäusern festgestellt wurden. «Die Ursache für die gemessenen Werte kann nicht identifiziert werden und ist Bestandteil der aktuellen Abklärungen», sagt Immobilienbewirtschafter Markus Schilter gegenüber «20 Minuten». Zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner habe man sich zu einer vorsorglichen Warnung mittels Flugblatt entschieden.

Noch keine Mietreduktion

Die Wasserqualität soll nun erneut durch ein unabhängiges eidgenössisch anerkanntes Labor an verschiedenen Stellen der Überbauung überprüft werden. Ob es eine Mietzinsreduktion oder Schadenersatz für die Mieter gibt, werde erst nach dem Vorliegen von diesen Ergebnissen geprüft. «Jedenfalls werden wir uns an den mietrechtlichen Schranken und an den bisherigen Rechtsprechungen orientieren», so Schilter.

Gegenüber PilatusToday und Tele 1 sagt der Co-Geschäftsleiter des Mieterverbandes Luzern, Daniel Gähwiler, dass er eine solche Situation über einen solch langen Zeitraum noch nie erlebt habe. Was die Mieterinnen und Mieter selber zu ihrer Wasser-Situation sagen, erfahrt ihr im Video.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 18. Juli 2022 07:23
aktualisiert: 18. Juli 2022 20:08
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