Kein Prämienschock

Obwaldner und Schwyzer zahlen nächstes Jahr keinen Rappen mehr

22. September 2020, 15:09 Uhr
In der Zentralschweiz steigen die Krankenkassenprämien für 2021 nur in Luzern (1,4 Prozent), Nidwalden (1,1 Prozent), Uri und Zug (je 0,8 Prozent).
© Max Tinner
Gute Nachrichten für Versicherte in den meisten Kantonen: Die Krankenkassenprämien im kommenden Jahr steigen nur moderat an. In Obwalden und Schwyz sinken sie sogar minim.

Die mittlere Prämie beläuft sich 2021 auf 316,50 Franken, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag bekanntgab. Das entspricht im Schnitt einem Anstieg von 0,5 Prozent. Wie bereits in den letzten zwei Jahren liege dieser unter dem mehrjährigen Mittel der Prämienanstiege. Seit 2010 haben sich die Prämien durchschnittlich um 3,2 Prozent erhöht.

In manchen Kantonen sinkt die Prämienlast sogar. In den Kantonen Obwalden und Schwyz sinkt die Rechnung minim um 0,1 Prozent. Ähnlich sieht es im Aargau, in Schaffhausen und Neuenburg aus. Am meisten Grund zur Freude haben die Bewohnerinnen und Bewohner der Kantone Appenzell Innerrhoden (-1,6 Prozent) und Zürich (-0,7).

Kanton Luzern mit dem vierthöchsten Prämienanstieg

Doch nicht alle Kantone kommen so gut weg. Am deutlichsten drückt der Prämienanstieg im Tessin, im Jura und im Wallis aufs Portemonnaie. Dort steigen die Prämien um bis zu zwei Prozent an. Der Kanton Luzern liegt mit einem Plus von 1,4 Prozent auf dem vierten Platz. Dicht gefolgt von Nidwalden mit einem Prämienanstieg von 1,1 Prozent. In den Kantonen Uri und Zug steigt die Prämie um 0,8 Prozent.

Reserven übersteigen erstmals 11-Milliarden-Grenze

Die Prämien werden jeweils so berechnet, dass sie die geschätzten Kosten des kommenden Jahres decken können. Profitieren können die Versicherten zudem von einem Ausgleich bisher zu viel erhobenen Prämien von 183 Millionen Franken und einem freiwilligen Reserveabbau der Versicherer von 28 Millionen Franken. Das BAG hat diese Rückvergütungen an die Versicherten genehmigt. «Das entspricht einer Gesamtsumme von 211 Millionen Franken, die an die Versicherten zurückfliesst», heisst es in der Mitteilung. Zum Vergleich: Im laufenden Jahr hat das BAG Reserveabbaupläne von 27 Millionen Franken genehmigt. Ein Jahr zuvor bewilligte es Ausgleichszahlungen von 158 Millionen.

Insgesamt würden die Reserven der Versicherer 2020 die 11-Milliarden-Franken-Grenze übersteigen. Das ist ein neuer Rekord. Grundsätzlich sei dies zwar positiv, schreibt das Bundesamt für Gesundheit. «Der Bundesrat ist jedoch der Ansicht, dass eine Mehrheit der Versicherer noch über zu hohe Reserven verfügt.» Erst letzte Woche hat die Regierung vorgeschlagen, die entsprechende Verordnung anzupassen. Damit sollen für die Krankenversicherer Anreize geschaffen werden, Prämien möglichst kostengerecht zu berechnen und übermässige Reserven abzubauen.

Zuerst Hausarzt oder Gemeinschaftspraxis, dann Spezialist

Der Vorschlag des Bundesrates befindet sich derzeit in der Vernehmlassung. Ebenso eine andere Vorlage, von welcher sich die Regierung eine Senkung der Prämienlast verspricht: Mit dem zweiten Massnahmenpaket des Kostendämpfungsprogramms will die Landesregierung unter anderem erreichen, dass vor einer Konsultation durch einen Spezialisten erst ein Hausarzt oder eine Gemeinschaftspraxis aufgesucht werden muss. Insgesamt erhofft sich der Bundesrat von diesem Paket Kostensenkungen im Gesundheitswesen von knapp einer Milliarde Franken.

(imü)

Quelle: CH Media (chm)
veröffentlicht: 22. September 2020 14:40
aktualisiert: 22. September 2020 15:09