Emmenbrücke

Päcklidieb klaut 50 Handys und verscherbelt diese im Kosovo

· Online seit 20.01.2024, 07:36 Uhr
Die Staatsanwaltschaft verurteilt einen Kosovaren zu einer bedingten Freiheitsstrafe, weil er zahlreiche neue Handys gestohlen und weiterverkauft hatte. Anderthalb Jahre lang hatte der Spediteur unerkannt bleiben können.
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In der Zeit von Juli 2021 bis Dezember 2022 hat der Dieb insgesamt 50 Pakete mit neuen Handys gestohlen, schreibt die Staatsanwaltschaft Emmen in einer Mitteilung. Der Wert der gestohlenen Handys beläuft sich auf über 26'000 Franken. Diese verkaufte der Dieb dann im Kosovo.

Gestohlen hatte er diese der Firma Comob GmbH aus Emmenbrücke. Der Geschäftsführer zeigt sich gegenüber PilatusToday und Tele 1 schockiert: «Ich konnte es kaum glauben, dass so etwas in der Schweiz passiert – und dann noch in solch einer Dimension», sagt Inhaber Patrick Weber. Dass niemand den Diebstahl damals bemerkte, überrascht ihn.

Sendungen erreichten das Paketzentrum nie

Der Dieb klaute innert anderthalb Jahren immer wieder Handys von Webers Einzelunternehmen. Anfangs blieb der Dieb noch unter dem Radar. Zuerst wurde nur ein Handy gestohlen. «Da denkt man sich: ‹Eins kann mal verloren gehen›», so Weber. Danach nahm die Zahl der Pakete, welche bei den Kunden nicht ankamen, zu. Gleichzeitig stieg der Umsatz der Firma stetig an, weswegen der Geschäftsführer keinen Verdacht schöpfte.

Als dann von 30 Paketen vier nicht beim Kunden ankamen, schöpfte Weber Verdacht. «Diese habe ich der Post zur Nachforschung in Auftrag gegeben und diese anschliessend mehrheitlich entschädigt bekommen», so Weber. Die Post vermutete gemäss Weber, dass es sich um einen Diebstahl handelte: «Die Pakete hätten es nicht einmal bis zum Paketzentrum geschafft.»

Diebstähle bei der Post «extrem selten»

Wie konnte dies nur so lange unerkannt bleiben? Auf Anfrage erklärt die Post, dass diese Verluste in sehr unregelmässigen Abständen gekommen seien. «Da die Verluste nicht regelmässig auftraten, sondern zwischen den Tattagen bisweilen mehrere Monate lagen, erschwerte und verlängerte dies die Ermittlungen», erklärt Nathalie Dérobert, Mediensprecherin der Post, auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1. Dadurch, dass sich verschiedene Mitarbeitende der Post während mehrerer Monate intensiv mit dem Fall auseinandergesetzt hätten, konnte man ein gewisses Muster der Fälle erkennen.

Ein halbes Jahr später, Ende Juni 2023, gelang es dann der Luzerner Polizei, den Dieb zu schnappen. Die Post stellt auch klar, dass der Dieb zu keiner Zeit bei der Post angestellt war. «Es handelt sich um einen Aushilfsfahrer eines externen Frachtführers, der bei Bedarf von diesem eingesetzt wurde», so die Post. Das Unternehmen verfolge eine Nulltoleranz bei Diebstählen und anderen Straftaten. Ein solcher Fall, wie er sich in Emmenbrücke abgespielt hat, seien «extrem selten».

Dieb verurteilt, Geschädigter zieht seine Lehren

Der Schaden wurde dem Geschäftsführer von der Post grösstenteils beglichen. Allerdings nicht die volle Summe. Pakete sind bei der Post für bis zu 500 Franken versichert. Da die Handys teurer als 500 Franken waren, hatte er sie mit der Zusatzleistung «Signature» aufgegeben, so sind sie für bis zu 1500 Franken versichert. Aber: «Gewisse Pakete wurden wohl nicht richtig gescannt, als ich sie aufgegeben habe», meint Weber. Ihm habe die Übersicht gefehlt.

Seitens Post spricht man von einem Missverständnis, bei dem man den Forderungen des Kunden nachgekommen sei. Für beide sei der Fall nun abgeschlossen. Patrick Weber von Comob hat daraus seine Lehren gezogen: «In Zukunft werde ich beim Aufgeben der Pakete penibel darauf achten, dass die Sendungen von der Post korrekt angenommen werden.»

Der 41-jährige Kosovare wurde von der Staatsanwaltschaft Emmen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 120 Tagen verurteilt. Ausserdem muss er Gebühren von 1200 Franken bezahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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veröffentlicht: 20. Januar 2024 07:36
aktualisiert: 20. Januar 2024 07:36
Quelle: PilatusToday

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redaktion@pilatustoday.ch