Eschenbach

Schimmel und zu wenig Platz: Ukrainische Geflüchtete fordern andere Unterkunft

Chantal Herger, 2. Juni 2022, 18:19 Uhr
Seit sechs Wochen wohnen Anastasiia Somkina und ihre Mutter Larysa in einer Unterkunft in Eschenbach. Diese ist alles andere als gemütlich. Der Kanton ist sich der Situation bewusst, kann auf die Schnelle aber nichts ändern.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

Der Eingang der Flüchtlingsunterkunft in Eschenbach lädt nicht zum Verweilen ein: Braunes Laub, ein Grüngutcontainer und ein Abfalleimer für Zigaretten – angeschrieben auf Ukrainisch –, unter einem Welldach steht ein Gartentisch mit Stühlen, darauf ein einsamer Blumenstrauss. Auch drinnen wird es nicht gemütlicher, das Wort karg trifft es wohl am ehesten: Ein langer, dunkler Gang mit Sofas: Auf der einen Seite stehen Regale gefüllt mit Kleidern, Schuhen und Putzmitteln, auf der anderen Seite sind die Türen zu den einzelnen Zimmern. Es riecht leicht muffig, nach feuchten Kleidern und Schuhen.

Hinter den Türen verbirgt sich ein kleiner Raum, der von den ukrainischen Flüchtlingen als ihren Aufenthaltsraum und zugleich Abstellkammer für jegliche Produkte verwendet wird. Ein Vorhang trennt die dahinterliegenden Schlafplätze. Aktuell bewohnen fast 30 Personen die vier Zimmer: Frauen mit ihren Kindern, drei Männer und ein Hund. Privatsphäre gleich null.

Spielzimmer für Kinder ist am «gemütlichsten»

Den ukrainischen Flüchtlingen steht eine Küche mit acht Kochplatten, aber keine Abwaschmaschine sowie eine Waschmaschine und ein Tumbler zur Verfügung, pro Zimmer gibt es eine Dusche.

Das «gemütlichste» Zimmer ist für die Kinder: schmuddelige Teppiche auf dem Boden, idyllische Ferienbilder an den Wänden, Pflanzen auf und neben zwei Kühlschränken, ein Tisch mit Stühlen, ein Sofa und Sessel, das Spielzeug liegt auf den Regalen. Durch das kleine Fenster dringt kaum Tageslicht.

Quelle: Tele 1

Zu wenig Platz für zu viele Leute

Wir treffen in der Flüchtlingsunterkunft Anastasiia Somkina und ihre Mutter Larysa. Sie stammen aus Odessa, einer Stadt am Schwarzen Meer in der Nähe der moldawischen Grenze. Ende März sind sie in die Schweiz geflüchtet. Seit dem 19. April wohnen die beiden in der Unterkunft in Eschenbach. Mit den Zuständen dort sind die Ukrainerinnen unzufrieden: Bei den Waschbecken hat es in Ecken Schimmel und auch in der Küche zeigt Larysa auf Schimmelresten. Vor den kleinen Fenstern haben sich Dreck und Spinnweben angesetzt.

Добрый день! В очередной раз просим о помощи!! Мы, 12 совершенно не знакомых человек и одна собака, живём в комнате 15...

Posted by Лариса Сёмкина on Tuesday, May 31, 2022

Und vor allem aber bemängeln Mutter und Tochter den knappen Platz. «Es ist kein guter Ort zum Leben, es sind zu viele Leute und auch viele Kinder», erzählt uns die 19-jährige Anastasiia auf Englisch. Sie und ihre Mutter würden gerne in eine Wohnung ziehen, aber der Kanton und die Gemeinde vertrösten sie. «Wir müssen warten.»

Kanton weiss um Situation

Die Gemeinde Eschenbach sagt auf Anfrage, dass man dem Kanton die Militärunterkunft als Notunterkunft gemeldet habe. Dieser hat die Unterkunft seit März gemietet und ist für die Unterbringung und Betreuung verantwortlich. Dazu schreibt die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen DAF:

Auf den Vorwurf der zu engen Platzverhältnisse schreibt das DAF: «Aufgrund der Beschaffenheit der Unterkunft bemühen wir uns, die Unterkunft nicht voll zu belegen. Aktuell sind rund 30 von 40 Plätzen besetzt.»

Ukrainische Flüchtlinge müssen weiter warten

Man sei sich bewusst, dass die Unterkunft in Eschenbach nicht ideal sei. Es sei aber eine «grosse Herausforderung, innert kürzester Zeit genügend Unterbringungsplätze zur Verfügung zu stellen». Die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen arbeite mit Hochdruck daran, weitere Unterbringungsplätze zu finden, um die ukrainischen Flüchtlinge umplatzieren zu können.

Für Anastasiia Somkina und ihre Mutter Larysa bedeutet das, dass sie weiterhin auf eine bessere Unterbringungsmöglichkeit warten müssen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 2. Juni 2022 18:19
aktualisiert: 2. Juni 2022 18:19
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