Barrierefreiheit

Sitzend tanzen – das geht und wie

Livia Barmettler, 14. August 2022, 20:21 Uhr
Nach dem Amaretto Sour à la Wayra bei ihr zu Hause in Nottwil gehts auf nach Luzern in ihren Lieblingsclub. Der ist zwar nicht barrierefrei – davon lässt sich die 20-jährige Rollstuhlfahrerin aber nicht aufhalten. Im zweiten Teil unserer Serie «Sitzend tanzend» sind wir mit dabei, wenn Wayra den Dancefloor unsicher macht und erleben, wie das Luzerner Partyvolk auf sie reagiert.

Samstagabend, 22.00 Uhr. Langsam, aber sicher wagen sich die Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer auf die Strasse und steuern ihren Lieblingsclub an. Auch wir sind unterwegs Richtung «Schwarzes Schaf» – Wayras Lieblingsclub in Luzern. Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt habe ich noch gewisse Zweifel und einige Fragezeichen, denn meines Wissens ist der Club nicht barrierefrei: Man gelangt nur über eine Treppe in den Club. Wayra geht dennoch regelmässig hin, heute mit uns im Schlepptau.

Was nicht barrierefrei ist, wird barrierefrei gemacht

Wenige Minuten später sind wir dann auch schon auf der Tanzfläche. Fazit: Was nicht barrierefrei ist, wird hier kurzerhand barrierefrei gemacht: «Es sind immer zwei Türsteher zur Stelle, die mich runter- und auch wieder hochtragen, sie sind sehr hilfsbereit, ich schätze das sehr», so Wayra. Diese Hilfe anzunehmen, sei für sie kein Problem, im Gegenteil: «Man fühlt sich fast wie eine Prinzessin», sagt sie und schmunzelt.

Genug geredet, jetzt wollen wir erstmal den Dancefloor unsicher machen. Wayras Moves zeigen, dass der Rollstuhl kein Hindernis ist. «Jedenfalls solange Club und Partyvolk nicht allzu voll sind», sonst werde es dann schon irgendwann etwas mühsam, so Wayra. Auf der anderen Seite sei gerade dann der Rollstuhl auch ein Vorteil: «Du hast trotzdem noch sowas wie deine eigenen vier Wände und kannst auch mal jemandem in die Hacken fahren, wenn er dir zu nahe kommt.»

Rollstuhl sorgt für gwundrige Blicke

An diesem Abend kommt uns niemand zu nahe. Es fällt aber durchaus der eine oder andere gwundrige oder überraschte Blick auf Wayras Rollstuhl. Mit solchen Blicken habe sie kein Problem. «Manchmal sind es aber auch Blicke, die verraten, dass die Menschen gerade nichts Schönes denken. Es passt nicht in deren Bild, dass jemand, der behindert ist, im Ausgang ist.» Wayra kann mittlerweile aber damit umgehen.

«Mit dem Alkohol sinkt die Hemmschwelle»

Auch als wir draussen von Menschen angesprochen werden, reagiert die 20-Jährige gelassen. Die Partygänger sagen zu ihr, sie fänden es mega cool, dass sie hier sei und tanzen gehe. «Auch das passiert sehr oft. Mit dem Alkohol sinkt die Hemmschwelle. Manchmal werden Menschen dann overfriendly. In diesem Falle war es aber total okay», so Wayra.

Im Vögeligärtli ziehen wir dann eine erste kurze Bilanz, wie sie die Party erlebt hat. Dann verabschieden wir uns: Für mich und Kamermann Andy gehts Richtung nach Hause, Wayra zieht noch weiter.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. August 2022 20:21
aktualisiert: 14. August 2022 20:21
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