Historisches Museum

So geht Corona in die Geschichtsbücher ein

Raffaele Keller, 23. April 2020, 08:08 Uhr
Es sind historisch bedeutsame Zeiten, so viel ist schon klar. Das Coronavirus wird in die Geschichtsbücher eingehen und die Zukunft prägen. Das Historische Museum Luzern sammelt aktuell Material, wie das Coronavirus diese aussergewöhnliche Zeit prägt.
Wer hätte gedacht, dass Toilettenpapier einmal zum Symbol eines ganzen Jahres werden wird?
© Historisches Museum Luzern
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Das Coronavirus ist im Moment omnipräsent. Alle Menschen sind davon betroffen und dementsprechend verändert sich auch der Alltag unserer Gesellschaft. Wie das Coronavirus in Erinnerung bleiben wird, ist indes noch nicht klar. Das Historische Museum Luzern ist deshalb schon jetzt bemüht, Material (Bilder und Gegenstände) zu sichern, um späteren Generationen zeigen zu können, wie das Virus die Gesellschaft prägte.

Auf seiner Webseite und den gängigen Social-Media-Kanälen hat das Historische Museum deshalb einen Aufruf gestartet: Die Bevölkerung soll ihre prägendsten Corona-Bilder einschicken.

Geschichte von heute für die Menschen von morgen

«Vom Hygiene-Tisch vor dem Supermarkt über das handgeschriebene Hilfsangebot für die Nachbarn bis zu selbstgebastelten Sachen zum Zeitvertreib zuhause: Viele dieser Dinge wird es nach der Krise schon bald  nicht mehr geben. Umso wichtiger ist es, sie jetzt fürs Museum aufzuheben! Mit der Corona-Sammlung möchte das Historische Museum die Geschichte von heute für die Menschen von morgen erhalten, bewahren – und zugänglich machen», schreibt das Museum dazu auf seiner Webseite.

Wie Almut Grüner, Direktorin der Kantonalen Museen Luzern, also des Historischen Museums und des Natur Museums Luzern, erzählt, wurden sie ziemlich überrascht von all den Einsendungen. Mittlerweile seien es sicher über 100 Einsendungen, ohne die Fotografien von Professionellen mitzuzählen.

So werden wir uns wohl an Corona erinnern

Einzelne Bilder erzählen ganze Geschichten

Almut Grüner kommt etwas ins Schwärmen, wenn sie die Bilder anschaut und darüber spricht. «Wunderschöne Sachen», seien dabei. Bilder die zeigen, «was die Gesellschaft prägt» in dieser Zeit. Aber genau das, sei ja auch der Sinn des Aufrufs gewesen: «Wir wollen wissen, wie die Corona-Krise das Leben im Alltag veränder hat.» Die Bilder zeigen kleine Details, das «Zwischenmenschliche», das man sonst in unserer Gesellschaft, nicht mehr so wahrnehme.

Der Aufruf dauert gemäss Grüner sicher noch bis am 11. Mai und wahrscheinlich werden auch darüber hinaus noch Bilder und Objekte angenommen.

Physische Ausstellung in 5 Jahren

Danach wird das Historische Museum ab ungefähr Mai (sofern möglich) versuchen, neben den Bildern auch physische 3-D-Objekte für die Sammlung zu besorgen. Zusammen mit Zeitungsartikeln, die nun auch laufend gesammelt werden, und Expertenstimmen – Daniel Koch, BAG-Beauftragter für das Coronavirus, wird als Beispiel genannt – soll bis in fünf Jahren eine Sonderausstellung gestaltet werden.

Der Zeithorizont von fünf Jahren gibt der Ausstellung eine grössere Bedeutung, wie Grüner im Gespräch sagt. So wird es möglich sein, mit grösserer zeitlicher Distanz die Corona-Krise besser einordnen zu können und allfällige Erkenntnisse dieser ausserordentlichen Periode mit einfliessen zu lassen. Ausserdem wird man sehen, wie sich die Gesellschaft aufgrund des Coronavirus verändert hat (oder eben nicht).

Das Ziel sei es, mit dieser Ausstellung in einigen Jahren, die Zeit wieder in Erinnerung zu rufen und damit auch die allenfalls positiven Aspekte (siehe Bildstrecke) der Pandemie zu beleuchten.

Das Historische Museum ist jedoch nicht alleine damit beschäftigt Bilder und Objekte zu sammeln. So hat sich beispielsweise bereits das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemeldet und Interesse bekundet, bei der Sammlung von Objekten zu helfen. Das BAG selbst wird eine «Solidaritätsfahne» zur Ausstellung beitragen, wobei noch unklar ist, was man sich darunter genau vorstellen muss.

Quelle: PilatusToday

Wie weiter?

Die Kantonalen Museen hoffen, dass sie, wie geplant, am 9. Juni ihre Tore wieder öffnen können. Dann sind nämlich gleich mehrere Sonderausstellungen geplant. Im Natur Museum einerseits die Ausstellungen zur «Zauneidechse» und «Wildtieren in der Stadt». Und im Historischen Museum andererseits die Ausstellung «Luzern fotografiert». Grüner sagt lachend, ihnen gehe die Arbeit nicht aus.

Hoffen wir, dass die Krise bald vorbei ist und das Lachen bis dahin erhalten bleibt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. April 2020 17:58
aktualisiert: 23. April 2020 08:08