Strommangellage

So schlecht ist der Kanton Luzern auf einen Stromausfall vorbereitet

Marcel Jambé, 23. August 2022, 09:11 Uhr
Viele Menschen in der Schweiz bereiten sich auf einen möglichen Stromengpass vor. Die Verkäufe von Generatoren, Wasserfilter, Brennholz oder Kerzen sind massiv in die Höhe geschossen. Auch die Kantone machen ihre Hausaufgaben. Ein Zwischenstand in Luzern zeigt: Es gibt noch viel zu tun.
Viele Menschen in der Schweiz bereiten sich auf einen möglichen Stromengpass vor. Auch die Kantone machen ihre Hausaufgaben. Ein Zwischenstand in Luzern zeigt, es gibt noch viel zu tun.
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Bereits im Dezember 2018 wurde der Kantonale Führungsstab beauftragt, eine Gefährdungs- und Risikoanalyse für den Kanton Luzern durchzuführen. In dieser Analyse sollen alle relevanten Massnahmen bei einem Stromausfall aufgelistet werden, die der Kanton zu bewältigen hat.

Lebensmittelproduzenten und -Händler sind auf sich gestellt

Insgesamt wurden elf Punkte dazu erarbeitet, von denen bis jetzt zwei erledigt wurden. Der Kanton Luzern hat beispielsweise eine Übersicht zur Landwirtschaft erstellt. Diese zeigt auf, wie viele und welche Bauern ihre Betriebe dank Notstromversorgung aufrechterhalten können. Die Antwort ist ernüchternd: Aushelfen kann der Kanton nicht. Die Bauern sollen selbst für ihren Strom sorgen. Dasselbe gilt auch für die Migros, Coop und alle anderen Lebensmittelhändler und -produzenten. «So, wie man auf einen Cyberanschlag vorbereitet ist, sollte man auch auf einen möglichen Stromausfall vorbereitet sein», so Walter Häller vom Kantonalen Führungsstab Luzern.

Tunnels bei Blackout gesperrt

Der zweite Punkt, den der Kantonale Führungsstab als erfüllt betrachtet, ist die Frage der Verkehrsinfrastruktur. Konkret, wie lange diese bei einem Stromausfall in Betrieb bleiben könnte. Klar ist, bei einem Totalausfall der Stromversorgung würden sämtliche Tunnels gesperrt werden. «Das hat in erster Linie nicht mit der Lichtsignalisation zu tun, sondern weil die Lüftung im Tunnel während dieser Zeit nicht funktionieren würde», erklärt Häller. Noch nicht klar ist hingegen, was ein Stromausfall für den übrigen Strassenverkehr bedeuten würde. Insbesondere, ob Ampeln noch funktionieren würden. Ziemlich sicher dürften sie an nicht stark befahrenen Strassen ausfallen. Man sei noch im Austausch mit dem Bundesamt für Strassen Astra, um konkrete Lösungen zu erarbeiten, heisst es auf Anfrage bei der zuständigen Behörde.

Noch viele Fragen zu klären

Auf neun als relevant erklärte Fragen gibt es also noch keine Antworten: Wo tanken, wenn auch Tankstellen den Strom vorübergehen abschalten müssen? Was ist, wenn im Altersheim die Lichter ausgehen oder wie lange reicht der Notstrom bei den kantonalen Verwaltungsgebäuden?

Auf diese und weitere Fragen hat der Kanton Luzern noch keine konkreten Antworten. Obwohl diese zum Teil schon vorliegen müssten. «Für die Umsetzung der Massnahmen benötigen die entsprechenden Bereiche finanzielle und personelle Ressourcen, welche aufgrund der Corona-Pandemie in den vergangenen drei Jahren nicht oder nur teilweise zur Verfügung standen», erklärt Häller vom Kantonalen Führungsstab. Die aktuelle Situation haben den Kanton Luzern dazu veranlasst, eine Task Force einzusetzen, die sich auf mögliche Mangel- oder Krisensituationen vorbereitet. Diese habe bereits damit begonnen, sich auf einen möglichen Stromausfall vorzubereiten. Ausserdem wurde eine weitere Stelle bewilligt, um die offen Fragen zu beantworten.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 23. August 2022 06:03
aktualisiert: 23. August 2022 09:11