Prozess

Sohn vor Angriff auf Vater aus dem Haus geworfen

20. Januar 2021, 12:15 Uhr
Wegen eines Angriffs auf seinen Vater musste sich ein Mann vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten - ihm droht wegen einer psychischen Erkrankung eine stationäre Massnahme. (Archivbild)
© KEYSTONE/URS FLUEELER
Mit der Faust, einem Brotmesser und einer Scherbe ist ein heute 22-jähriger Mann 2018 auf seinen Vater losgegangen. Dafür stand er am Mittwoch vor Luzerner Kriminalgericht. Vor der Tat hatte er Drogen konsumiert und war aus dem Haus geworfen worden. Wegen Schizophrenie soll er für den Angriff nicht bestraft werden.

Aus dem nichts heraus sei der Angriff an jenem Nachmittag im Juni passiert, schilderte der Beschuldigte die Tat. Sein Vater trank bei sich zu Hause gerade einen Kaffee, als ihn die Faust seines Sohnes im Gesicht traf. Es kam zu einem Gerangel, die Mutter konnte die beiden Kontrahenten vorerst voneinander trennen.

Der Beschuldigte packte darauf in der Küche ein Brotmesser und richtete es gegen die Brust seines Vaters. Mit Hilfe des jüngeren Bruders gelang es der Mutter, ihm das Messer abzunehmen. Darauf ergriff er eine Scherbe des zerbrochenen Kaffeegeschirrs und ging mit ihr auf den Vater los. Dieser erlitt eine Rissquetschwunde am Kinn. Am Ende konnten die Anwesenden den Angreifer aus dem Haus drängen. Dort verweilte er, bis die Polizei eintraf.

Vom Vorfall gibt es ein Video, da der Vater zu Hause Überwachungskameras installiert hatte. Darauf sei zu sehen, dass der Beschuldigte schon vor dem Angriff aufgebracht gewesen sei, schilderte der Richter. Er habe sich mit seltsamem Blick in der Wohnung hin und her bewegt und immer wieder die Fäuste geballt.

«Ziemlich paranormal»

Als es zum Angriff kam, habe er Angst gehabt und sich wie von oben gesehen, sagte der Beschuldigte bei der Befragung. «Wenn ich mich daran zurückerinnere, kommt es mir ziemlich paranormal rein.» Er könne nicht sagen, ob jener Herr, der den Angriff ausführte, den Vater wirklich habe töten wollen.

Der Staatsanwalt, der ihm eine versuchte vorsätzliche Tötung anlastet, sagte, die Tat sei nicht aus dem Nichts heraus passiert. Der Beschuldigte habe seit mehreren Jahren Drogen konsumiert. Deswegen, und weil er seit dem Abbruch seiner Automechatronikerlehre nur temporär arbeitete, habe ihn der Vater in den Wochen vor dem Vorfall auf die Strasse gestellt.

Ein Gutachter stellte beim Beschuldigten eine paranoide Schizophrenie und eine Schuldunfähigkeit fest. Von einer Strafe soll deswegen abgesehen werden. «Ich schäme mich schon ein bisschen für meine Diagnose», sagte der Mann. Er befindet sich seit einem Jahr in einer geschlossenen Klinik im vorzeitigen Massnahmenvollzug.

Weitere Drogen konsumiert

Vor Gericht sagte der Beschuldigte, er habe in den Wochen vor dem Rauswurf das Halluzinogen DMT konsumiert. «Danach ging mein Leben den Bach hinunter.» Er sei aggressiver und unsympathischer geworden. Am Abend vor der Tat habe er zudem LSD konsumiert.

Er bereue die Tat, sein Vater habe ihm verziehen. Angstzustände habe er keine mehr. Er nehme Medikamente, um nicht mehr psychotisch zu sein. Die Therapie tue ihm gut. Mit Blick auf die geforderte fünfjährige stationäre Massnahme, sagte er, dies sei eine lange Zeit, man möge ihm jenes Jahr anrechnen, das er bereits in der Klinik verbracht habe.

Auch sein Verteidiger hatte nichts gegen eine stationäre Massnahme einzuwenden. Allerdings forderte er einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten Tötung. «Hätte er den Vater tatsächlich töten wollen, hätte man ihn, einen jungen starken Mann, sicherlich nicht aufhalten können», sagte er und plädierte auf einfache Körperverletzung.

Der Staatsanwalt dagegen sagte, das Vorgehen spreche dafür, dass er einen Vorsatz gebildet habe. Sein jüngerer Bruder habe zudem während des Gerangels gesagt: «Nicht meinen Papi töten».

Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich eröffnet.

Quelle: sda
veröffentlicht: 20. Januar 2021 12:15
aktualisiert: 20. Januar 2021 12:15