Stadt Luzern

SP und SVP kritisieren gemeinsam Denkmalpflege für mehr Klimaschutz

13. August 2022, 09:53 Uhr
Eine ungewöhnliche Allianz: Die SP und SVP verfolgen für einmal die gleichen Ziele. Sie wollen von der Luzerner Stadtregierung wissen, wie in der Denkmalpflege mit aktuellen Themen wie dem Klimaschutz umgegangen wird.
In der Stadt Luzern soll der Flussabschnitt von der Spreuerbrücke reussabwärts aufgewertet werden. (Archivbild)
© KEYSTONE/URS FLUEELER

Touristen aus der ganzen Welt reisen an, um die zahlreichen Denkmäler und historischen Bauten in der Stadt Luzern zu bestaunen. Luzern wird als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft. Von der Denkmalpflege und dem Heimatschutz wird es daher in besonderem Mass erhalten. Ziel der Denkmalpflege ist es, das Luzerner Ortsbild zu bewahren und dokumentiert das architektonische Kulturerbe der Stadt, schreibt «20 Minuten». Bäume als grüne Lunge der Stadt gehören jedoch nicht zum historischen Stadtbild.

Die beiden Stadtparlamentarier Mario Stübi (SP) und Patrick Zibung (SVP) finden genau dies problematisch. In einer Interpellation an die Stadtregierung wollen sie die genauen Vorgaben der Denkmalpflege erfahren und sehen Konfliktpotenzial zwischen Denkmalpflege und Klimaschutz. «In der Luzerner Altstadt hat es fast keine Bäume, weil es nicht zum Ortsbild passt. Bäume sind aber ein sehr effizientes Mittel, um das Stadtklima abzukühlen. Der Mensch muss sich und seine Stadt auch anpassen können. Ich denke, es würden sich wenig Leute an mehr Bäumen in der Altstadt stören, oder?», gibt Mario Stübi zu bedenken.

SVP-Stadtparlamentarier Patrick Zibung hofft mehr Flexibilität in der Denkmalpflege für mehr Klimaschutz.

© svp-lu.ch

Solarstrom von schützenswerten Gebäuden?

Besonders die Frage, ob die Denkmalpflege die Installation von Solaranlagen verhindert, treibt die beiden Politiker um. «Die Gebäude in der Stadt Luzern haben massiven Nachholbedarf bei der Installation von Photovoltaikanlagen. Inwiefern sind diese Bestrebungen mit der Praxis der Fachstelle vereinbar?», fragen Stübi und Zibung die Luzerner Stadtregierung.

Die Montage von Solarpenals soll auch in der Stadt Luzern möglich sein.

© KEYSTONE/Valentin Flauraud

Die beiden Politiker fänden es schade, wenn die Denkmalpflege die Montage von Solaranlagen verhindern würde. «Das mag aus fachlicher Perspektive richtig sein, aber ich finde, man muss sich an Solarpanels gewöhnen. Wenn wir nichts verändern dürfen, können wir noch so lange von Klimazielen reden», meint Stübi von der SP gegenüber «20 Minuten».

Historische Gebäude seien sehr ökologisch

Bei der Denkmalpflege Stadt Luzern bedauert man, dass in der aktuellen Diskussion nicht innovative Lösungen für die Energiewende gesucht werden. «Die Denkmalpfleger sind sich der Themen um die Klima- und Energiekrise bewusst und reagieren auch darauf. Aber man darf nicht vergessen, dass nur ein ganz kleiner Prozentsatz aller beheizten Gebäude im Denkmalschutz-Inventar ist», sagt Roman Brunner von der Denkmalpflege Stadt Luzern.

Die Altstadt sei sehr energieeffizient. «Die Gebäude werden seit Jahrhunderten gebraucht und sind dicht aneinander gebaut. Im Winter geben die sich warm wie Pinguine und im Sommer funktioniert die Kühlung gut – im Gegensatz zu vielen modernen Glasbauten. Dass historische Gebäude in der heutigen Gesellschaft als Energieschleudern wahrgenommen werden, greift zu kurz. Alte Gebäude leisten auch in energetischer Sicht sehr viel für die Gesellschaft, weil ihr Lebenszyklus in der Regel viel länger ist», so Brunner.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 13. August 2022 09:37
aktualisiert: 13. August 2022 09:53
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