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Testzentren am Anschlag

«Stimmung wird zunehmend gereizter»

Marcel Jambé, 22. September 2021, 06:52 Uhr
Nachdem die Zertifikatspflicht vom Bundesrat ausgeweitet wurde, werden die kantonalen und privaten Testcenter regelrecht überrannt – die Nachfrage nimmt Tag für Tag zu. So stark, dass fast alle Termine bis Ende Monat ausgebucht sind. Dies sorgt für gehässige Kunden.
Lange Schlangen: Diese Szenen sind schon fast Alltag für die Testzentren in Luzern, so wie hier beim Hirschengraben.
© PilatusToday

Noch schnell vor dem Ausgang oder vor dem Fitness testen lassen – mit diesem Gedanken wird man nicht allein vor dem Testzentrum stehen. Bereits über mehrere Wochen hinaus sind die Termine komplett ausgebucht und ohne Termin ist Geduld angesagt, zum Teil für mehrere Stunden. Das sorgt für eine zunehmend gereizte Stimmung vor Ort, beobachtet auch das Testzentrum «Coronatest24», welches unter anderem am Hirschengraben in Luzern seinen Standort hat. «Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich täglich anhören, was für eine Unverschämtheit diese ‹Testerei› sei und, dass wir keine freien Termine mehr bis in den Oktober hinein hätten», bestätigt Lars Mathys von Coronatest24.

Es gehe so weit, dass gewisse Personen sich einerseits nicht mehr an die Hygieneregeln halten, andererseits sogar ausfällig werden oder Drohungen aussprechen. Aus diesem Grund brauchen sie laut Mathys am Wochenende Sicherheitspersonal. «Zudem denken wir darüber nach, ebenfalls unter der Woche den Sicherheitsdienst auszubauen», so Mathys.

Wartezeiten bis 90 Minuten

Doch auch beim Personal wurde aufgestockt, erklärt Mathys. «Im Moment ist der Standort Luzern, wie auch der Standort Nottwil, voll ausgelastet und wir haben innert Wochenfrist den Personalbestand verdoppelt. Sprich, wir testen über unseren Kapazitätsgrenzen.» Darum empfiehlt er den Leuten, dass sie sich frühzeitig anmelden oder in einen anderen Kanton ausweichen.

Andererseits ist Geduld gefragt: an einem Freitag dauern die Wartezeiten ohne Voranmeldung zwischen 45 bis 90 Minuten. Jedoch betont Mathys, dass man am Standort Hirschengraben nur noch mit Anmeldung erscheinen kann.

Dem «Innerschweizer-Test-Tourismus» entgegenwirken

Das die Testzentren überrannt werden, beobachtet auch der Kanton Luzern wie es auf Anfrage heisst. «Der grosse Ansturm seit letzter Woche führt dazu, dass die Testzentren an die Kapazitätsgrenzen stossen – umso mehr, wenn einige der bisherigen Testanbietern keine Testmöglichkeiten mehr anbieten», erklärt David Dürr, Leiter Dienststelle Gesundheit und Sport.

Zunehmende Gehässigkeiten gegenüber dem Testpersonal würden laut Dürr dazu führen, dass sich mehrere private Anbieter entschliessen, das Testen zu reduzieren oder vollumfänglich einzustellen. Glücklicherweise kämen jetzt aber auch wieder neue private Anbieter hinzu. Der Kanton Luzern sei zudem daran, seine Testkapazitäten zu erhöhen, indem er in den kantonalen Testpoints das Personal aufstocke. Ausserdem gelten seit gestern im kantonalen Testpoint in Schüpfheim längere Öffnungszeiten. «Wir nehmen auch mit Freude zur Kenntnis, dass andere Zentralschweizer Kantone ebenso daran sind, ihre Testkapazitäten zu erhöhen, was einem ‹Innerschweizer-Test-Tourismus› entgegenwirkt», so Dürr.

Man kann also hoffen, dass ab nächstem Monat, falls die Tests kostenpflichtig werden, mit weniger Wartezeit zu rechnen ist. Ansonsten ist es zu empfehlen, sich unter der Woche tagsüber testen zu lassen.

(mja.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. September 2021 06:35
aktualisiert: 22. September 2021 06:52