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Stadt Luzern

Theater im Krematorium: «Wir werden nicht nackt auf den Gräbern tanzen»

5. August 2021, 15:54 Uhr
Vom 10. bis 22. September verwandelt sich das Areal des alten Krematoriums zu einer Theaterbühne. Die Luzerner Theatergruppe «Fetter Vetter & Oma Hommage» zeigt dort ihr neustes Stück. Damit die Totenruhe nicht gestört wird, gibt es zahlreiche Einschränkungen.
Das alte Krematorium in Luzern wird zur Theaterbühne.
© Keystone

Auf den ersten Blick wirkts makaber: Im alten Krematorium wird ein Theater mit dem Namen «Apocalypse Now (And I feel fine)» aufgeführt. Eine Apokalypse in Mitte von Toten, die ihre letzte Ruhe finden wollen – ist das nicht total respektlos? Nein. Denn: «Wir sind uns bewusst, wo wir sind», betont Autor Christoph Fellmann. «Wir werden natürlich nicht nackt auf den Gräbern tanzen, sondern gehen respektvoll mit dem Ort um.»

Um zu verstehen, wie das Krematorium zur Theaterbühne wurde, braucht es etwas Hintergrundwissen: 2005 wurde in Luzern ein neues Krematorium in Betrieb genommen. Die Stadt suchte für das Gebäude und die Flächen der alten Anlage eine neue Nutzungsmöglichkeit.

Eine Ausschreibung vor zwei Jahren blieb jedoch erfolglos. Jetzt kommt es zu einer Zwischennutzung durch die Theatergruppe «Fetter Vetter & Oma Hommage» in Zusammenarbeit mit dem Kleintheater. Vom 10. bis 22. September wird das Stück aufgeführt. Die Theaterleute nutzen die die Flächen rund um das grosse Wasserbecken mit der Treppe, die zum alten Krematorium hinaufführt.

Respektvoller Umgang

Auf dem Gelände sind Tote begraben. Deshalb wurde das Vorhaben vorgängig von der Stadt Luzern geprüft und die Angehörigen wurden schriftlich über das Vorhaben informiert. «Bis jetzt gab es keine negative Kritik», sagt Cornel Suter von der Stadtgärtnerei Luzern. «Auf den Flächen, bei denen das Theater aufgeführt wird, hat es keine Gräber und es gibt auch zahlreiche Bedingungen, an die sie sich halten müssen.» Etwa sollen die angrenzenden Grabflächen nicht betreten werden und die Zeiten für Proben und Aufführungen sind eingeschränkt. Angehörige können die Gräber jederzeit besuchen.

Damit können die Theaterleute leben. Sie freuen sich, dass sie ihr neues Stück auf dieser besonderen Location aufführen können, sagt Autor Christoph Fellmann. Am 16. August beginnen die Proben.

(gch)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. August 2021 15:34
aktualisiert: 5. August 2021 15:54