Barrierefreiheit

«Trotzdem machen»: Mit dem Rollstuhl in den Ausgang

Livia Barmettler, 14. August 2022, 14:15 Uhr
Wayra Huber ist 20 Jahre alt und geht am Wochenende regelmässig feiern. So wie viele in ihrem Alter und doch etwas anders: Wayra sitzt nämlich im Rollstuhl. Warum das für sie kein Hindernis ist und wo sie am liebsten feiert, erzählt sie uns im ersten Teil unserer Serie «Sitzend tanzend» bei sich zuhause in Nottwil, bevor wir uns dann auf den Weg in den Club machen.

Quelle: Tele 1

«Das ist ein ganz spezieller Amaretto, der hat mir ein guter Freund aus Italien mitgebracht», sagt Wayra und mischt ihn zum Orangensaft hinzu. Dann noch ein wenig Zitronensaft – «Ich mach das jeweils so bizli Handgelenk mal Pi» – und fertig ist der Amaretto Sour à la Wayra. Ihr absolutes Lieblingsgetränk – und ein Muss vor jedem Ausgang.

Wir wechseln von der Küche auf den Balkon, wo Wayra uns etwas mehr von sich erzählt. Von ihrer grossen Liebe – dem Basketballsport – ihren Sommerferienplänen, von ihrem Hund und «Arthrogrypose». «Arthro – was?». Wayra schmunzelt. «Die wenigsten kennen diese Behinderung. Arthrogrypose ist eher unbekannt. Vereinfacht gesagt bedeutet es, dass ich zu wenig Muskelfasern in den Beinen habe. Deswegen sitze ich seit nun mehr als sieben Jahren im Rollstuhl.» Anfänglich hätten die wenigen Muskeln noch gereicht, um laufen zu können. «Aber meine unteren Beine haben sich nicht mehr weiterentwickelt und irgendwann konnten sie meinen Körper nicht mehr tragen.»

Sie könne zwar noch aufstehen, oder ein paar Schritte gehen, versuche das aber wann immer möglich zu verhindern. Party machen ginge nur im Rollstuhl. Das aber sehr wohl, und wie. «Ich bin regelmässig im Ausgang. Meistens im Schwarzen Schaf», so die 20-Jährige.

Wayra lässt sich von ihrer Gehbehinderung nichts vorschreiben, im Gegenteil. «Ich habe gelernt, den Rollstuhl zu akzeptieren, viel eher das Positive daran zu erkennen. So schätze ich beispielsweise, dass ich gratis eine Begleitperson mit ins Kino nehmen kann. Oder das Gratisgetränk als Entschuldiung, wenn im Ausgang jemand über mich stolpert». Sie lacht.

«Trotzdem machen», sagt sie gerne und auch öfter in unserem Gespräch, und tut das denn auch. Sei es Basketball spielen, Jetski fahren, oder eben tanzen und feiern – für Letzteres wird es nun auch bald mal Zeit – es ist bereits 22.00 Uhr. Nach einem letzten Feinschliff an Haaren, Make-up und Outfit geht es los Richtung Luzern. Unsere Dancemoves und mehr dann im zweiten Teil der Serie.

Quelle: PilatusToday / Livia Barmettler

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. August 2022 12:51
aktualisiert: 14. August 2022 14:15
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