Kanton Luzern

Über 7000 Kinder leiden unter Armut – ein Kampf fürs ganze Leben

Martina Birrer, 10. März 2022, 17:43 Uhr
Jedes zehnte Kind im Kanton Luzern ist von Armut betroffen. Dies zeigt ein Bericht von LUSTAT Luzerner Statistik. Das Problem: Kinder, welche in Armut aufwachsen, haben auch im späteren Leben noch damit zu kämpfen.
Jedes zehnte Kind im Kanton Luzern ist von Armut betroffen.
© KEYSTONE/Christof Schuerpf

Zum Mittagessen gibt es anstelle von frischem Gemüse mit Pasta eine Tiefkühlpizza. Am Abend streiten sich die Eltern über zu hohe Rechnungen. Unter solchen Situationen leiden Kinder, welche in Armut leben, besonders. Ungesunde Ernährung schlägt sich nämlich negativ auf die körperliche Entwicklung des Kindes aus und der Streit der Eltern belastet ihre Psyche.

Durch solche Belastungen herrscht für Kinder aus ärmeren Verhältnissen eine Chancenungleichheit, sagte Thomas Vollmer vom Bundesamt für Sozialversicherungen im Bericht. «Die Prävention muss früh einsetzen, damit Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien gleichwertige Chancen haben». Dies sei besonders bei den Übergängen zwischen Schule und Beruf wichtig. Denn sonst belastet die Armut im Kindesalter auch noch im späteren Leben.

Jedes zehnte Kind von Armut betroffen

Im Kanton Luzern sind über 7000 Kinder von solchen Problemen betroffen. Das ist fast jedes zehnte (10 Prozent) Kind. Ihre Familien benötigen Sozialleistungen, um über die Runden zu kommen. Werden diese Leistungen gesprochen, sind noch vier Prozent von Armut betroffen.

Auffallend ist, dass vor allem Kinder von alleinerziehenden Eltern unter Armut leiden. Mehr als jeder vierte alleinerziehende Haushalt hat ein Einkommen, welches unter dem Grundbedarf von knapp 1000 Franken pro Person liegt. Dies betrifft am meisten alleinerziehende Mütter. Da die meisten alleinerziehenden Eltern mit einem Pensum von unter 50 Prozent arbeiten, sind sie trotz des Jobs auf Sozialhilfe angewiesen. Deswegen wird im Kanton Luzern jeder fünfte alleinerziehende Haushalt mit Sozialhilfe unterstützt.

Die Sozialhilfe ist ein Teil, welcher als Unterstützung beigetragen wird. Weiter arbeitet die nationale Plattform gegen Armut (NAPA) an Massnahmen, bei denen die Armutsbetroffenen miteinbezogen werden. Thomas Vollmer wird im Bericht der LUSTAT wie folgt zitiert: «Diskutiert wird nicht über armutsbetroffene Menschen, sondern mit ihnen.»

Wie kann man die Armut der Kinder sonst noch stoppen? 

Wie Thomas Vollmer bereits gesagt hat, müsse die Prävention früh beginnen. Deshalb gibt es Pilotprojekte, welche bei den Sozialhilfbeziehenden, zum Beispiel bei den Eltern, ansetzen. So wurden an der Hochschule für soziale Arbeit in Freiburg Armutsbetroffene als Referenten eingesetzt. Diese mussten den Studierenden ihr Erfahrungswissen vermitteln. Gemeinsam wurden dann Vorschläge zur Verbesserung der Berufspraxis entwickelt.

Durch solche Verbesserungsvorschläge kann die Armut schon frühzeitig abgefedert werden und wenn die Eltern nicht in der Armut landen, so werden auch die Kinder nicht damit belastet. Sollte jemand an solchen Pilotprojekten interessiert sein, so könne er sich bei der NAPA melden.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 10. März 2022 17:38
aktualisiert: 10. März 2022 17:43
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