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«White Claw»

Umstrittenes Trendgetränk kommt von Willisau in die ganze Schweiz

21. Mai 2021, 14:23 Uhr
Das Trendgetränk Hard-Seltzer der Firma «White Claw» hat den Alkohol-Markt in Amerika im Sturm erobert. Die Destillerie Willisau will nun mit dem umstrittenen Getränk auch den Schweizer Markt revolutionieren.
© Keystone

Hard Seltzer ist das Getränk, «White Claw» die Marke dahinter. Die Idee: Ein erfrischendes alkoholisches Getränk mit 4.5 Volumenprozent, wenig Kohlenhydraten und lediglich 95 Kalorien. Ein Trinkgenuss ohne «lästige Bierfahne oder Blähbauch», wie es in der Medienmitteilung der Destillerie Willisau (Diwisa) heisst. Also quasi ein Sprudelwasser, das betrunken macht.

Das Getränk ging in Amerika durch die Decke und sorgte im Jahr 2019 für den sogenannten «White-Claw-Sommer». Auch in der Schweiz gab es einzelne Versuche, auf der Erfolgswelle mit zuschwimmen. Doch der Boom der Konkurrenz (PilatusToday berichtete) blieb aus und «White Claw» war bisher nur in einzelnen Getränkemärkten erhältlich.

Doch jetzt hat sich die Diwisa der Distribution von «White Claw» angenommen und verkündet, dass das Getränk Ende Mai schweizweit in allen Coop-Filialen in den Geschmacksrichtungen Mango, Lime und Cherry Berry erhältlich sein wird. Der Marktführer unter den Hard Seltzern aus den USA will somit auch «in der Schweiz für eine flächendeckende Welle der Erfrischung sorgen».

Kritik an Verharmlosung

«White Claw» wird vom Hersteller als einzigartiges, erfrischendes Produkt angepriesen. Es besteht aus «Blöterliwasser», fermentiertem Alkohol und einem hauch natürlichem Fruchtgeschmack, heisst es in der Mitteilung der Diwisa. Und weiter: «White Claw entspricht dem Bedürfnis von aktiven Menschen mit einem bewussten Ernährungs- und Lebensstil.»

Das Ziel sei es nicht, den Kunden zu suggerieren, dass es sich um ein gesundes Getränk handle, erklärt Jonas Brauen vom Marketing der Diwisa. Und auch der Jugendschutz ist Brauen wichtig: «Wir verzichten bewusst auf eine Zulassung ab 16 Jahren und empfehlen, erst an 18-Jährige zu verkaufen, obwohl wir das gemäss Gesetz nicht machen müssten.»

Wie das Getränk schmeckt? Wir haben Passanten probieren lassen.

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Quelle: PilatusToday

Gefahr für Jugendliche

Anders sieht das Markus Meury, Mediensprecher Sucht Schweiz: «Jugendliche meinen, Alkohol in Form von Hard Seltzer ist weniger ungesund». Doch das stimme überhaupt nicht. Alkohol sei weder gesund noch mache es fit.

Insbesondere junge Frauen seien die neue Zielgruppe der Getränkehersteller. «Die Alkoholindustrie versucht ganz stark, junge und ‹figurbewusste› Frauen zum Trinken zu bewegen. Nicht umsonst hat das Rauschtrinken unter jungen Frauen zugenommen», sagt Markus Meury.

Sucht Schweiz forderte deshalb bereits vor einem Jahr eine Sondersteuer für Hard Seltzer, wie diese bei Alcopops 2004 eingeführt wurde (PilatusToday berichtete). Eine erneute Nachfrage zeigt, dass sich bisher noch nichts getan hat und in den nächsten Jahren auch nicht wird.

Meury bemängelt zudem, dass mit der Vielfältigkeit des Alkohol-Sortiments zunehmend Unklarheiten in Sachen Jugendschutz entstehen und beispielsweise für Verkaufspersonal nicht immer klar ist, welche Altersbegrenzung für welches alkoholische Getränk gilt. «So kann es sein, dass es immer wieder zu Fehlverkäufen kommt», sagt Meury.

(wna)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. Mai 2021 15:08
aktualisiert: 21. Mai 2021 14:23