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Kriminalgericht

Versuchte vorsätzliche Tötung – eifersüchtiger Ehemann kassiert fünfeinhalb Jahre

6. Juli 2021, 10:06 Uhr
Die Beziehung war zerbrochen. Bei einer Aussprache eines portugiesischen Ehepaares verletzte der Mann seine Frau mit einem Klappmesser. Dafür muss er mehrere Jahre ins Gefängnis.
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Nach fast zehn Jahren ist die Liebe eines portugiesischen Ehepaares im Mai 2016 endgültig erloschen. Die Frau hatte einen neuen Partner gefunden und die gemeinsame Wohnung verlassen. Laut Anklageschrift der Luzerner Staatsanwaltschaft, die der "Luzerner Zeitung" vorliegt, ist es im Verlaufe der Ehe wiederholt zu häuslicher Gewalt von Seiten des Ehemannes gekommen.

Zwei Wochen nach der Trennung haben sich das Paar und die Schwester der Frau zu einer Aussprache im ehemaligen gemeinsamen Haushalt des Ehepaares verabredet. Das Treffen endete blutig. Anstelle eines vernünftigen Gesprächs ging es am Küchentisch um eine Parkbusse, die eine Freundin der Ehefrau beim Wohnort des neuen Partners kassiert hatte. Der eifersüchtige Ehemann warf laut Anklage in der Folge seine Frau vom Stuhl, griff zu einem Klappmesser und fügte ihr damit mehrere Verletzungen zu. Danach verletzte er sich mit dem Messer selber, er wollte sich das Leben nehmen.

Anklage forderte siebeneinhalb Jahre

Bei der Verhandlung am Luzerner Kriminalgericht vom 22. Juni konnte sich der Mann nicht an Details erinnern. Er war sich keiner Schuld bewusst. Man beschuldige ihn zwar, aber er wisse nichts, liess er via Übersetzerin ausrichten. Der Staatsanwalt beantragte unter anderem für versuchte vorsätzliche Tötung eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren. Die Vehemenz, mit der der Beschuldigte vorgegangen sei, beweise, dass er die Frau habe umbringen wollen.

Der Verteidiger betonte, dass sein Mandant seiner Frau zwar Leid zugefügt habe, dass aber nicht klar erwiesen sei, wie sich die Geschichte abgespielt habe. Der Beschuldigte habe die Frau nicht töten wollen. Er beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit Probezeit von zwei Jahren.

Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte den Portugiesen für versuchte vorsätzliche Tötung, Drohung, versuchte Nötigung und Freiheitsberaubung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren, unter Anrechnung von 100 Tagen bereits erstandenem Freiheitsentzug. Das Urteil liegt im Dispositiv vor und ist nicht rechtskräftig.

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 6. Juli 2021 10:06
aktualisiert: 6. Juli 2021 10:06