Lösung für Stauproblem

«Von Tempo 60 auf einer Autobahn halte ich nichts»

13. Juli 2022, 08:56 Uhr
Der Bund prüft momentan radikale Massnahmen zur Lockerung der zahlreichen Staus auf den Schweizer Strassen – darunter auch Tempo 60 auf Autobahnen. Jetzt melden sich Verkehrsteilnehmer und das Bundesamt für Strassen zu Wort.
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Quelle: Tele 1

Wer kennt es nicht: Man hat Feierabend und möchte zwischen 17.00 Uhr und 19.00 Uhr noch irgendwo mit dem Auto hin. Man schaut auf Google-Maps, wie lange der Weg ist und rechnet 15 bis 30 Minuten zusätzlich ein. Der Feierabendverkehr wartet bestimmt schon. Der Stau am Abend wie auch am Morgen ist für viele ein ständiger und nerviger Begleiter. Vor allem dann, wenn die Autobahn nicht zu vermeiden ist.

Lösungen, um die Staus zu beheben, sind jedoch begrenzt. Immer wie mehr Autos sind auf den Schweizer Strassen unterwegs. Deshalb die Überlegung von Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga: Die bereits bestehenden Geschwindigkeitsharmonisierungs- und Gefahren-Anlagen (GHG) nicht auf 80 Stundenkilometer zu limitieren, sondern auf 60.

Autofahrer sind gespalten

Eine gute Idee findet es etwa Roberto Schweizer, wie er uns bei der Autobahnraststätte in  Neuenkirch verrät: «Wenn man durch diese Lösung Stau vermeiden kann, dann sollte man dies ausprobieren. Es funktionierte bereits bei der Drosslung auf 80 Stundenkilometer.»

Völliger Schwachsinn findet es Franz Spengler: «Von Tempo 60 auf einer Autobahn halte ich nichts. Schlussendlich haben wir den Stau an einem anderen Ort.» Gemeint sind die Landstrassen. «Ich würde bestimmt auf die Landstrassen ausweichen, denn dort habe ich zum Teil sogar Tempo 80 und bin schneller.»

Genau dies sei das Problem, sagt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Bundesamtes für Strassen ASTRA: «Unser Ziel ist es, die Leute auf der Autobahn zu halten. Aktuell haben wir das Problem, dass die Leute wegen des fast stillstehenden Verkehrs auf der Autobahn auf die Landstrassen ausweichen. Mit einer GHG welche auf 60 gedrosselt ist, würde der Verkehr immerhin flüssig bleiben.»

ASTRA prüft Tempo 60

Ob dies tatsächlich der Fall sein wird, müsse geprüft werden. Aktuell würden theoretische Untersuchungen am Computer laufen. «Man probiert verschiedene Strecken aus und simuliert die Abschnitte», so Thomas Rohrbach. Es würden jedoch noch keine Ergebnisse vorliegen. Dies könne noch bis zu einem Jahr dauern.

Welches Tempo schlussendlich zielführend für weniger Stau und Auffahrunfälle ist, sei noch nicht klar. «Die Massnahme mit der Reduktion auf 80 Stundenkilometer hat sich bereits bewährt, so zum Beispiel auf der A14 zwischen Zug und Luzern. Dort hatten wir zum Teil 60 Prozent weniger Stau und massiv weniger Auffahrunfälle.» Wie dies mit Tempo 60 aussehen wird, sollen die Ergebnisse des ASTRA zeigen. Es könne durchaus sein, dass Tempo 70 oder Tempo 90 in Frage kommt.

(mbi)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Juli 2022 18:25
aktualisiert: 13. Juli 2022 08:56
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