Wahlen Luzern

Wahlkampf ohne Wahlkampf

Raffaele Keller, 26. März 2020, 12:12 Uhr
Martin Merki (links) und Beat Züsli befinden sich in einem aussergewöhnlichen Wahlkampf. (Archivbild, 1. Mai 2016)
© Keystone
Trotz Corona finden Wahlen und Abstimmungen in den Gemeinden des Kantons Luzern statt. Besonders spannend wird es in der Stadt Luzern, wo die Entscheidung um den «Stapi» ansteht. Wir haben die Kandidaten getroffen.

Zur Wahl für den Stadtpräsidenten stehen der bisherige «Stapi» Beat Züsli, SP, und sein Herausforderer Martin Merki von der FDP.

In dieser speziellen Zeit, in der viele Menschen besondere Leistungen zum Wohl aller erbringen, geht die Arbeit von Politikern gerne vergessen. Aber auch für den amtierenden Stadtpräsidenten ist das Coronavirus das dominierende Thema: «Seit gut zwei Wochen ist der Wahlkampf für mich völlig in den Hintergrund getreten. Ich bin vor allem in meiner Funktion als Stadtrat und Stadtpräsident gefordert.»

Unser Reporter hat die beiden Kandidaten zum aussergewöhnlichen Gespräch getroffen – Technik sei Dank.

Frage: Wird die Corona-Krise die Meinungen der Leute im Bezug auf die Wahl beeinflussen?

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Quelle: PilatusToday

Da die aktuelle Krise noch nicht sehr alt sei, geht Martin Merki nicht davon aus, dass sie die Wahlen besonders beeinflusse. Prägungen und Meinungsbildung seien bereits vorgängig ausgeprägt gewesen und hätten sich in dieser kurzen Zeit kaum drastisch verändert. Beat Züsli ist mit ihm grundsätzlich einig, weist aber auf mögliche Auswirkungen bei der Wahlbeteiligung hin, da das Virus doch eine gewisse Einschränkung darstelle.

Frage: Haben Sie Respekt davor, während der Corona-Krise Stadtpräsident zu sein?

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Quelle: PilatusToday

Martin Merki hätte keine Angst davor, in einer Krisenzeit und darüber hinaus Stadtpräsident zu sein: «Es sind neue Themen dazugekommen. Mit der Corona-Krise ist es eine aktuelle Herausforderung, die die grundsätzlichen Themen wieder sehr viel stärker in den Fokus gerückt haben.» Beat Züsli betont, dass ihm diese besondere Situation wiederum einen anderen «Blick» auf die Stadt ermöglichte – und auch so sei es eine «faszinierende» Aufgabe.

Frage: Welche Spuren wird die Krise hinterlassen?

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Quelle: PilatusToday

Wer auch immer am Sonntag (oder einige Tage bis Wochen später; wir berichteten) zum «Stapi» gewählt wird, Veränderungen bringt das Coronavirus auf alle Fälle. «Die ganze Digitalisierung wird einen Schub erhalten. Aber ich hoffe natürlich nicht – zugunsten unserer Wirtschaft –, dass die Leute auch danach nur noch auf digitalem Weg einkaufen werden», sagt etwa der amtierende Stadtpräsident. Es sei eine Chance und eine Gefahr zugleich.

Martin Merki gewinnt der Coronavirus-Situation Positives ab: «Ich hoffe, dass wir die Dienstleistungen und Strukturen in der Stadt Luzern, wenn auch ein reduzierter Form, aufrecht erhalten und für die Bevölkerung da sein können.» Der Wert von Nachbarschaftshilfe und der Organisation der Bevölkerung, gerade die dezentrale Struktur, werde uns nun wieder ins Bewusstsein gerückt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 26. März 2020 12:17
aktualisiert: 26. März 2020 12:12