Öffentlicher Verkehr

Warum die Bushaltestellen rollstuhlgängiger werden müssen

Marcel Jambé, 17. August 2020, 09:25 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Der Verein «Hindernisfrei Bauen Luzern» hat sich mit einer Aktion bei allen Busfahrern für ihr korrektes Anfahren der hindernisfreien Bushaltestellen bedankt. Ein Selbstversuch zeigt, wie schwierig es ist, sich mit dem Rollstuhl im öV fortzubewegen.

Die rund 800 Busfahrerinnen und Busfahrer im Kanton Luzern müssen bei den neuen, hohen Haltekanten Präzisionsarbeit leisten. Nur wenn sie die Kanten zentimetergenau anfahren, können Personen im Rollstuhl selbständig ein- und aussteigen. Die vbl bietet Trainings an, in welchen sie das Fahrpersonal schult, damit sie möglichst nahe an die Haltestellen ranfahren lernen. So können mobilitätseingeschränkte Personen problemlos in den Bus ein- und aussteigen.

Für Rollstuhlfahrer und Fahrpersonal eine Erleichterung

«Ich habe das Gefühl, dass wir noch nicht auf einem guten Stand sind», sagt Mario Bühlmann, Teamleiter Fahrdienst der Verkehrsbetriebe Luzern vbl. Gemeint sind die Haltekanten für die Busse, von denen noch viele umgebaut werden müssen. «Da sind wir im Austausch mit der Stadt und dem Kanton, dass dies bald erledigt wird.» Trotzdem ist Mario Bühlmann froh, dass wenigstens die Haltekante bei Ebikon Fildern umgebaut wurde. Nicht nur für die Rollstuhlfahrer, sondern auch für die Fahrdienstmitarbeiter ist diese eine Erleichterung.

«Schweiz nicht auf dem neusten Stand»

Oliver Kaufmann ist im Vorstand des Vereins HBLU und seit acht Jahren im Rollstuhl. Er kämpft dafür, dass die Schweiz behindertengerechter wird. «Viele haben den Irrglauben, unser Land sei fortgeschritten. Wenn man dies mit anderen Ländern mit ähnlichem Wohlstand vergleicht, ist die Schweiz jedoch noch nicht auf dem neusten Stand.» Vorzeigeländer wären beispielsweise die USA, Kanada und Japan.

2004 trat das Behindertengleichstellungsgesetz schweizweit in Kraft. Dieses verlangt, dass der öV für Menschen mit einer Behinderung autonom benutzbar ist. Die Frist für die baulichen Anpassungen läuft 2024 aus. Dies ist ein sportliches Ziel, denn allein in der Stadt Luzern gibt es rund 170 Bushaltestellen, von denen erst knapp zehn Prozent umgebaut wurden. Der Rest muss noch bis 2024 umgebaut werden. In Sursee wurde bisher noch keine der 19 Haltestellen auf Stadtgebiet umgebaut, acht sind in Planung oder Vorabklärung.

Der Redaktor Marcel Jambé wagt ein Selbstversuch, indem er sich mit dem Rollstuhl im öffentlichen Verkehr bewegt. Dabei merkte er, dass es gar nicht so einfach ist und, dass der Kanton Luzern definitiv Nachholbedarf hat.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. August 2020 18:25
aktualisiert: 17. August 2020 09:25