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Wildfleisch

Warum Schweizer Zuchtwild ein Nischenprodukt bleibt

Marcel Jambé, 8. Oktober 2021, 15:43 Uhr
Es ist wieder Wildzeit. Die Nachfrage nach Wildfleisch ist in der Schweiz jedoch grösser als das inländische Angebot. Dies führt dazu, dass über die Hälfte des Fleischs aus dem Ausland kommt. Inländische Alternativen sind zu teuer.
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Quelle: Tele 1

Im vergangenen Jahr kam über 60 Prozent des konsumierten Wildfleischs aus dem Ausland. Grund für den hohen Import ist unter anderem, dass es in der Schweiz schlicht zu wenig Wildfleisch gibt, um alle einheimischen Gastrobetriebe einzudecken. Die Wildjagd in der Schweiz reicht nicht aus, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Nischenprodukt Schweizer Zucht-Wild

Die Lösung wäre, das Defizit mit inländischen Zuchtfarmen abzudecken – könnte man meinen. Doch die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea winkt ab. Sie verweist auf die Zahlen des Bundesamts für Statistik. Gemäss diesen gab es in der Schweiz im vergangenen Jahr 321 Landwirtschaftsbetriebe mit 13'221 Rot- oder Damhirschen. Diese erzeugten insgesamt 248 Tonnen Wildfleisch. Das macht gerade mal knapp 13 Prozent des Schweizer Wildfleischs aus, welches verzehrt wird.

Aufwand grösser als Ertrag

Immerhin: Die Tendenz bei Zuchtfarmen ist leicht steigend in der Schweiz. Eine dieser Zuchtfarmen steht im luzernischen Hellbühl. Auf dem Hof von Barbara Lang werden jährlich einige Hundert Kilogramm Hirschfleisch an Restaurants und Metzgereien verkauft. Der Ertrag stehe aber in keinem Verhältnis zum Aufwand, so die Bäuerin:

Die Anforderungen für eine Damhirschzucht seien sehr hoch. Laut Barbara Lang müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ausbruchsicheres Gehege (2 Meter hoch, baubewilligungspflichtig), löst sehr hohe Investitions- und Unterhaltskosten aus
  • Ausbildung bzw. Sachkundenachweis mit Praktika auf einer anderen Damhirschfarm
  • Wildtierhalterbewilligung ausgestellt vom Veterinäramt (muss alle fünf Jahre erneuert werden)
  • Schiessnachweis zum Erlegen der Damhirsche (muss jährlich erneuert werden)

Zudem müssten jedes Jahr vor der Jagd die lebendigen Tiere durch den Amtstierarzt kontrolliert werden. Nach dem Abschuss komme der Tierarzt erneut für die sogenannte Fleischschau. Dies alles schrecke viele Bauern ab, Damhirsche zu züchten, erklärt Lang.

Wieso Barbara Lang trotzdem all diesen Aufwand auf sich nimmt, um Wildfleisch zu verkaufen, erzählt sie im Video oben.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 8. Oktober 2021 12:48
aktualisiert: 8. Oktober 2021 15:43