Gansabhauet Sursee

Nach Absage: «Wir bedauern diesen Entscheid.»

16. September 2020, 11:48 Uhr
Die Gänse bleiben dieses Jahr am Boden: Wegen Corona wird die Gansabhauet in Sursee abgesagt. (Archivbild)
© KEYSTONE/ALEXANDRA WEY
Die Gansabhauet 2020 in Sursee LU fällt der Coronapandemie zum Opfer. Der Anlass, der traditionell am Martinstag, 11. November viel Volk in die Altstadt lockt, sei mit den Abstands- und Hygieneregeln nicht vereinbar.

Nach über 60 Jahren gibt es dieses Jahr keine Gansabhauet in Sursee. Letztmals, im Jahr 1956, war die Gansabhauet aus Solidarität mit der ungarischen Bevölkerung im Aufstand gegen die sowjetischen Truppen abgesagt worden. Der Grund der Absage heuer ist offensichtlich: Die Corona-Krise. Wie die Stadt Sursee in einer Mitteilung schreibt, kann der Anlass nicht durchgeführt werden.

Die Umsetzung von Abstands- und Hygieneregeln sei nicht möglich.
Michael Blatter, der Stadtarchivar und Mitglied im OK bedauert die Absage der Gansabhauet: «Schön ist, dass es allen Anderen mit diesem Entscheid gleich geht, es wäre ja kein gutes Zeichen, wären alle erleichtert das die Gansabhauet nicht stattfindet». Umso mehr freue er sich auf ein Wiedersehen im 2021.

Absage nach Premiere

Die Absage der Gansabhauet 2020 folgt auf eine Premiere: Mit Aline Theiler aus Pfeffikon LU hat vergangenes Jahr erstmals eine Frau am Traditionsanlass in Sursee erfolgreich eine Gans geköpft.

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Woher kommt der traditionelle Anlass?

Bei der Gansabhauet geht es darum, mit einem einzigen Säbelhieb den Hals einer leblosen, am Hinterkopf aufgehängten Gans zu durchtrennen. Dies ist nicht so einfach, denn die in einen roten Umhang gekleideten Wettstreiterinnen und Wettstreiter sehen hinter ihrer Sonnenmaske nichts. Zudem ist ihr Dragonersäbel stumpf.

Die Ursprünge der Gansabhauet sind bis heute nicht geklärt. Bekannt ist lediglich, dass der Brauch um 1820 aus Sursee verschwand und 43 Jahre später wieder zum Leben erweckt wurde. Beim Anlass müssen Schläger mit einer Sonnenmaske den Hals einer Gans mit einem stumpfen Säbel durchtrennen. Ob dieser Brauch auf die mittelalterlichen Zehntenabgaben an die Klöster Muri, St. Urban und Einsiedeln am Martinstag zurückgeht, ist historisch nicht ausreichend belegt. Übrigens: Ob es nun der oder die Gansabhauet heisst, ist offen. Stadtarchivar von Sursee, Michael Blatter, überlässt es jedem selber, welchen Artikel man vor diese Tradition setzen möchte.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 16. September 2020 09:28
aktualisiert: 16. September 2020 11:48