Impfwoche

Werden auch Luzerner Impf-Konzerte sabotiert? – Bund prüft Mehrfachbestellungen

11. November 2021, 18:13 Uhr
Am Samstag treten Kunz, Stress und Dabu auf dem Inseli in Luzern auf. Das Konzert findet im Rahmen der nationalen Impfwoche statt. Vergangene Impfkonzerte wurden von Corona-Massnahmen-Gegnern sabotiert – nun rufen sie auf Telegram auch in Luzern dazu auf, dem Konzert fernzubleiben.

«Geile Idee vor leerem Publikum», schreibt ein User auf Telegram in einem Post, in dem dazu aufgerufen wird, Tickets für das Impfkonzert in Luzern zu kaufen, ohne hinzugehen. Statt ans Konzert von Kunz, Stress, Dabu, Anna Rossinelli und Danitsa auf dem Inseli sollen sich die Leute am Samstag an einem alternativen Ort zu einem «anderen» Konzert treffen. Die Luzerner Polizei hat Kenntnis von Aufrufen zu verschiedenen Störaktionen aus den sozialen Medien und Messenger-Diensten. Sie gibt aber keine Auskunft darüber, inwiefern und ob sich die Polizei darauf vorbereitet.

Mit diesem Post wird dazu aufgerufen, das Konzert in Luzern zu sabotieren.

© Screenshot Telegram

«Es tut uns leid»

Dass viele Personen dem offiziellen, ausverkauften Konzert in Luzern fernbleiben, lassen Erfahrungen aus den vergangenen Impfkonzerten befürchten. Vergangene Auftritte im Rahmen der «Back on Tour» in Lausanne und Sion wurden von Impf-Gegnerinnen und -Gegnern mit oben erwähnter Masche sabotiert: Indem Tickets bestellt wurden, ohne überhaupt ans Konzert zu gehen. Am Stress-Konzert in Lausanne waren nur rund 100 statt 500 Besuchende. «Wir bedauern sehr, dass in Lausanne nur ein Bruchteil der Personen erschienen ist, die im Vorfeld die kostenlosen Tickets reserviert haben», schreibt Michael Beer, Projektleiter der Impfoffensive des Bundes, auf Anfrage.

«Es tut uns für alle Menschen leid, die einen stimmungsvollen und unbeschwerten Konzertabend geniessen wollten und auch für die Künstlerinnen und Künstler.» Die Gründe, warum viele Personen nicht an den Konzerten auftauchten, sei nicht klar. «Wir können nicht ausschliessen, dass massnahmenkritische Menschen die Tickets mit der Absicht, nicht aufzutauchen, reserviert haben.» Verschiedene Aufrufe in den sozialen Medien und Messenger-Plattformen seien dem Bund bekannt.

Mehrfachbestellungen und Fantasienamen werden geprüft

Die Möglichkeit, dass Menschen Tickets missbräuchlich bestellen, sei im Voraus beim Bund diskutiert worden. Aufgrund der behördlichen Vorgaben für Konzerte ohne Zertifikats- und Maskenpflicht sei aber ein Ticketsystem nötig gewesen. «Sonst wären viele Menschen aufgetaucht, die kein Ticket bekommen hätten. Das wollten wir verhindern», schreibt Beer weiter.

Aufgrund der möglichen Missbräuche an den vergangenen Konzerten sei im Hinblick auf die Konzerte in Luzern und St. Gallen mit dem Ticketpartner geprüft worden, ob es Hinweise auf Mehrfachbestellungen oder Fantasienamen gibt. «Personen, die für alle Konzerte eine oder mehrere Karten bestellt haben, wurden gebeten, ihre Wunsch-Location mitzuteilen, um die übrigen Tickets für andere Personen wieder freizugeben.» Auch im Ticketportal ist vermerkt, dass pro Person nur zwei Tickets bestellt werden können, Mehrfachbestellungen würden umgehend storniert.

Mehrfachkäufe werden umgehend storniert.

© Screenshot

War es eine falsche Entscheidung, Gratis-Tickets herauszugeben?

Obwohl kostenlose Tickets einen Missbrauch vereinfachen, seien sie die richtige Entscheidung gewesen, sagt Oliver Rosa, Managing Partner bei Gadget abc, welche für die Organisation der Konzertreihe verantwortlich ist gegenüber «zentralplus». Die Konzertreihe sei ein inklusives und niederschwelliges Angebot. Deshalb sei es richtig, dass die Tickets kostenlos waren und keine Zertifikatspflicht gilt.

Massnahmen-Gegner bestreiten Missbrauch

Der Co-Präsident der Massnahmen-Gegner-Bewegung, Nicolas A. Rimoldi, verneinte auf Anfrage von Keystone-SDA, etwas mit einer Boykott-Aktion zu tun zu haben. Sie seien keine Impfgegner, sondern wehrten sich gegen einen Impfzwang. Er könne sich jedoch vorstellen, dass gewisse Personen, die ein Ticket bestellt haben, später realisiert hätten, dass sie solche mit «massiver Steuergeldverschwendung» finanzierte Konzerte nicht unterstützen wollten.

Auch Künstlerinnen enttäuscht

Die Künstlerinnen und Künstler der Impftour reagierten enttäuscht: Die Walliser Sängerin Stefanie Heinzmann zum Beispiel wählte am Mittwochabend deutliche Worte: «Dass es eine solche Boshaftigkeit gibt, eine Impfkampagne zu sabotieren, hätte ich nie gedacht. [...] Das finde ich wahnsinnig schade», sagte sie gegenüber dem «Walliser Boten».

Der Rapper Stress kritisierte gegenüber dem «Blick», dass diese Leute von Freiheitsentzug sprächen, gleichzeitig aber anderen die Freiheit wegnähmen. «Das ist lächerlich». Kurz vor den Festtagen gehe es doch auch darum, «seine Liebsten zu schützen». Darüber müsse man sich Gedanken machen «und einen Dialog führen, wie wir aus der Pandemie kommen».

Auch Dabu Bucher von Dabu Fantastic zeigte sich gegenüber dem «Blick» genervt, «dass sie uns hindern, die Menschen zu informieren». Die Organisatoren wollten ein bisschen Normalität zu den Menschen bringen. «Dass das nun von anderen Menschen sabotiert wird, ist total schade.» Er hoffe, dass zu den nächsten Konzerten alle Personen kommen können, die wollen.

(abl/sda)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 11. November 2021 17:58
aktualisiert: 11. November 2021 18:13
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