Fernunterricht

Wie gut funktioniert Schule übers Internet?

Irene Müller, 29. März 2020, 09:04 Uhr
Wie viel lernen die Kids wirklich zuhause?
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Nach dem Schock ein bisschen Euphorie und viel Unsicherheit – wie sieht zwei Wochen nach dem Schulschluss der Alltag von Schülern, Lehrern und der Schulleitung aus? Wir haben nachgefragt.

Roger Rauber steht ganz verloren im leergefegten Pausenraum. «Ein sehr eigenartiges Gefühl», so der Rektor der Kantonsschule Seetal. «Grad in der Zeit, in der normalerweise Hochbetrieb herrscht, ist es fast etwas surreal, dass dieses Gebäude so leer ist.»

Auch er hat den Grossteil seiner Arbeit ins Homeoffice verlegt. Langweilig wird es ihm auch ohne die Anwesehnheit der Schüler so schnell nicht. Mit der grössten Büez, den ganzen Unterricht ins Web zu transformieren, ist er aber zufrieden.

«Es ist es etwas surreal, dass dieses Gebäude so leer ist.» Rektor Roger Rauber freut sich schon darauf, wenn der normale Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

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«Die Lehrer haben sich sehr motiviert auf die neue Situation eingelassen und echt viel gearbeitet», erzählt Roger Rauber begeistert. «Ich muss sagen, ich bin stolz auf meine Lehrerinnen und Lehrer.»

Dank diesem Einsatz war es möglich, sämtliche Fächer innert kürzester Zeit auf den Fernunterricht umzukrempeln. «Sogar die Sportlehrer haben eine kreative Lösung gefunden und arbeiten mit einem Tagebuch, bei dem die Schüler sportliche Aktivitäten planen können.»

Unterricht aus dem Schlafzimmer

Auch für die Deutschlehrerin Iwana Schlaufer hat sich der Schulalltag komplett verändert. Die Kommunikation mit ihren Schülern läuft hauptsächlich über das Online-Tool Microsoft Teams ab. Die Kinder begrüssen ihre Lehrerin zum Unterrichtsstart, nehmen ihre Aufgaben entgegen und laden sie zur Kontrolle wieder hoch.

«Juhu, Ferien!», hätten im ersten Moment ihre Schüler gerufen, als sie erfuhren, dass die Schule geschlossen werden sollte. «Mir aber war von Anfang an bewusst, dass das nicht Ferien, sondern eine Umstellung der Arbeit bedeutet», so die Gymnasiallehrerin.

Iwana Schlaufer hat ihr Schlafzimmer für den Fernunterricht kurzerhand zu einem Büro umfunktioniert.

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Mittlerweile fehlt auch ihr der direkte Kontakt zu ihren Schützlingen. Ab und zu führe sie zwar Video-Gespräche mit einzelnen Kindern, dabei gehe es aber immer direkt um den Schulstoff. «Im Schulzimmer hingegen bekommt man auch mal mit, wenn ein Schüler Geburtstag hat oder die Katze gestorben ist.»

Auch fachlich sei es schwieriger herauszufinden, wo noch Unklarheiten sind. «Es ist mit mehr Aufwand verbunden, damit man merkt, ob die Schüler es wirklich verstanden haben.»

Mehr Selbstverantwortung durch Corona

Ein positiver Aspekt hat der Fernunterricht aber dennoch: Die Schüler lernen nun Schlag auf Schlag, was es heisst, selbstständig zu arbeiten. «Im Unterricht läuft es immer so ab, dass sofort Fragen kommen, bevor die Schüler selbst anfangen zu denken», so Schlaufer. «Jetzt überlegen sie es sich zweimal, ob sie mir schreiben oder mich anrufen.» Auch seien nun vor allem die jüngeren Schüler gefordert mit den neuen Tools, über die sie ihre Arbeiten erledigen müssen.

Dem kann die Kantischülerin Noelle Lüscher nur beipflichten. «Ich bin nicht so stark in Informatik und arbeite eigentlich lieber auf Papier», so die 12-Jährige. «Am Anfang habe ich alles ausgedruckt, fotografiert und per Mail geschickt.» Da dies aber für sie und die Lehrer umständlich gewesen sei, habe sie nun damit angefangen, direkt mit Word zu arbeiten.

Die 12-jährige Noelle Lüscher vermisst an der Schule vor allem den Kontakt mit ihren Mitschülern.

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Fazit: Schule ist doch nicht so öde

Wenn die Schule auf einmal ihre Tore schliesst, geht doch der Traum eines jeden Schülers in Erfüllung. Oder etwa nicht? «Ich habe mich zuerst gefreut», gibt Noelle zu. «Aber bald kam auch die Unsicherheit, wie es nach den Corona-Ferien weitergeht. Vielleicht kommen dann alle Tests, dann müssen wir viel lernen.»

Am meisten macht ihr aber die Distanz zu ihren Freunden zu schaffen. «Ich sehe meine Kolleginnen nicht mehr, weil ihre Eltern es ihnen verbieten, rauszugehen. Deshalb ist mir manchmal etwas langweilig.»

Von den Schülern bis zum Rektor hoffen alle, dass die Baldegger Kantonsschule bald wieder zum Normalbetrieb zurückkehren kann. «Fernunterricht funktioniert – überraschend gut sogar», lautet Roger Raubers Analyse. «Trotzdem freuen wir uns darauf, wenn wir wieder an die Schule zurückkehren können. Denn eine Schule lebt auch davon, was noch ausserhalb des Unterrichts geschieht.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 26. März 2020 22:50
aktualisiert: 29. März 2020 09:04