Rechtlich verboten

«Wir suchen hübsche Mädchen»: Luzerner Bordell lockt in Osteuropa Prostituierte an

26.02.2024, 08:14 Uhr
· Online seit 26.02.2024, 07:44 Uhr
In Osteuropa Frauen mit lukrativen Angeboten für Bordelle anwerben: Bei diesem Vorgehen ist die Schweiz im europäischen Vergleich eine der Spitzenreiterinnen. Mindestens ein solches Inserat stammt von einem Luzerner Salon.
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Die Schweiz hat beim Anwerben von Osteuropäerinnen für hiesige Bordelle einen europäischen Spitzenplatz eingenommen. Von 40'000 Inseraten auf osteuropäischen Plattformen stammten 2163 Angebote aus der Schweiz, wie Tamedia aufgrund einer Recherche in Zusammenarbeit mit internationalen Medien schreibt.

Die Praxis sei in der Schweiz eigentlich verboten, schreibt Tamedia. Das Bundesgericht habe bereits 2002 festgehalten, dass es als Menschenhandel gilt, wenn wirtschaftlich schlecht gestellte junge Frauen im Ausland angeworben und für Bordelle in der Schweiz verpflichtet werden.

Mit 7000 Franken pro Woche gelockt

Ein Inserat eines Luzerner Salons habe beispielsweise 7000 Franken pro Woche versprochen für «auffallend hübsche, gepflegte Mädchen» ab 18 Jahren. Sie könnten sich auf Ungarisch, Rumänisch, Tschechisch oder Polnisch bewerben und ein «qualitativ hochwertiges Erotik-Portfolio» einreichen. Ein professionelles Team kümmere sich dann um alles, von der Werbung bis zur Arbeitserlaubnis.

Tamedia konnte durch die Recherchen über 60 Schweizer Einrichtungen und gut zehn Agenturen ausfindig machen, die mit dieser Praktik in Osteuropa Frauen anwerben. Dies unter anderem in den Ländern Ungarn, Rumänien, Polen und Bulgarien. Die Bordelle nutzen so die ärmlichen Verhältnisse der jungen Frauen aus und bieten ihnen eine vermeintlich bessere Lebenssituation in der Schweiz.

Leere Versprechungen

«Wir sind ein Hochpreisland, das finanzielle Gefälle zu den Herkunftsländern ist enorm», sagt Annatina Schultz, Expertin für Menschenhandel gegenüber den Tamedia-Zeitungen. So lasse sich viel Geld verdienen. «Das macht die Schweiz besonders attraktiv für ausbeuterische Machenschaften.» Die Prostitution an sich ist in der Schweiz nicht verboten. Daher auch Jobinserate per se nicht, sagt Schultz gegenüber den Zeitungen weiter.

Leere Versprechungen für Frauen aus ärmeren Ländern hingegen seien rechtlich problematisch: «Wenn Frauen in der Heimat keine Alternative haben, keinen sicheren Job, von dem sie leben können, dann können solche Tätigkeiten ausbeuterisch werden, wenn die Versprechen nicht eingehalten werden und die Betroffenen der Prostitutionstätigkeit nicht autonom und selbstbestimmt nachgehen können.» Die Täter würden dies ausnutzen.

Am meisten solche Inserate stammen aus Deutschland (3507), vor Grossbritannien und Estland. Die Schweiz folgt auf dem vierten Platz.

(sda/van)

veröffentlicht: 26. Februar 2024 07:44
aktualisiert: 26. Februar 2024 08:14
Quelle: PilatusToday

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