Kaffee und Wein statt WC

«Wollen Ort beleben»: Luzerner Stadtregierung will einen schöneren Bundesplatz

12. Juli 2022, 17:24 Uhr
Das Toilettenhäuschen am Bundesplatz in Luzern soll zu einem Café umgebaut werden. So sah der Plan bereits 2012 aus. Nun soll das Projekt «Café Fédéral» vorangetrieben werden. Die Stadtregierung unterstützt diesbezüglich eine Initiative.
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Quelle: PilatusToday / David Migliazza

«Es war ein langer Prozess. Seit zehn Jahren besteht die Idee, diesen Ort aufzuwerten und der schützenswerte Bau zu erhalten und anders zu nutzen», sagt Adrian Schmid, Mitglied des Initiativkomitees. Bisher sei das Projekt zwischen verschiedenen Ämtern hin und hergeschoben worden, nun habe man mit der Initiative Druck gemacht.

Die Luzerner Stadtregierung unterstützt die Initiative, die den vom Verkehr geprägten Bundesplatz zum Treffpunkt für die Bevölkerung machen will. Die Initiative «Für den Erhalt des Servicegebäudes und der Lindenbäume am Bundesplatz Luzern» will, dass die Stadt Luzern Massnahmen trifft, um das Areal öffentlich und langfristig nutzen zu können. Die Umsetzung der Initiative bereite jedoch «verschiedene zu lösende Probleme». Das schreibt die Stadtregierung im am Dienstag veröffentlichten Bericht und Antrag.

Trafostation muss unterirdisch werden

Das aus dem Jahr 1932 stammende Dienstgebäude mit öffentlichen Toiletten und einer Trafostation von energie wasser luzern (ewl) diente dem städtischen Strasseninspektorat bis vor kurzem als Depot. Es befindet sich im Eigentum der Stadt Luzern und ist gemäss kantonalem Bauinventar schützenswert.

Das 1933 gebaute, ehemalige Dienstgebäude der städtischen Werke am Luzerner Bundesplatz soll in ein Café umgebaut werden.
© Initiativkomitee

Für das neue Gebäude, in dem das «Café Fédéral» untergebracht werden soll, müsste einerseits die ewl-Trafostation in den Untergrund verschoben werden, andererseits könnte auch ein kantonales Strassenprojekt dem Gebäude in die Quere kommen. Gerade für den unterirdischen Neubau der Trafostation müssten 450'000 Franken investiert werden. Für den Umbau des Servicegebäudes inklusive Einrichtung und Kleininventar für eine gastronomische Nutzung werden rund 1,25 Millionen Franken veranschlagt.

«Positiv eingestellt»

Wenn das kantonale Strassenprojekt nicht ohne den Abriss des Servicegebäudes und die Beseitigung der Grünanlage und der Bäume realisiert werden kann, werden die Investitionen von rund 1,25 Mio. Franken für den Umbau des Gebäudes nicht amortisiert werden können. In diesem Fall will die Stadtregierung in die Bresche springen und die bis dahin nicht amortisierten Kosten der privaten Initianten übernehmen. «Der Stadtregierung ist es Wert, den Ort zu beleben und das Gebäude sowie die Baumgruppe zu erhalten», sagt Adrian Borgula, Umwelt- und Mobilitätsdirektor Stadt Luzern. Deshalb übernehme die Stadtregierung den Investitionsschutz.

Die Luzerner Stadtregierung ist dem Anliegen «positiv eingestellt», wie aus dem Bericht und Antrag hervor geht. «Es ist ein belebtes Quartier, aber es gibt wenig Treffpunkte,» so Adrian Borgula, Umwelt- und Mobilitätsdirektor Stadt Luzern. Umso wichtiger sei ein solcher Ort für den Austausch. Denkmalpflegerische sowie städtebauliche Überlegungen, aber auch ökologische Gründe sprächen für den langfristigen Erhalt und die angestrebte Aufwertung des Servicegebäudes samt der kleinen Grünanlage mit den prägenden Linden an diesem verkehrsorientierten Ort.

Auch der Quartierverein Hirschmatt-Neustadt freut sich, dass endlich Bewegung in die Sache kommt. Der Co-Präsident des Vereins, Markus Schulthess sagt: «Es ist ein jahrelanges Anliegen unseres Vereins, den Bundesplatz sinnvoller zu nutzen als momentan.» Umso wichtiger seien Begegnungs- und Aufenthaltsorte für die städtische Bevölkerung. «Die Initiative ist eine Chance», so Schulthess.

«Weine mit Hindergrundgeschichten»

Im August vergangenen Jahres hatte ein Komitee die Initiative eingereicht. Es hat bereits klare Vorstellungen, wie das allgemein formulierte Begehren umgesetzt werden soll. Im architekturhistorisch wertvollen Gebäude von 1933, das von den städtischen Werken genutzt wurde, solle ein Café, das «Café Fédéral», untergebracht werden. Der Bundesplatz erhalte damit die Chance, sich vom Verkehrsknotenpunkt zu einem neuen Baustein im Luzerner Stadtleben zu wandeln, so das Komitee.

Finanziert werden soll die Umnutzung nach Ansicht des Initiativkomitees von einer Betreibergesellschaft, mit der die Stadt einen Baurechtsvertrag abschliessen solle. Auch zum Angebot haben die Initiantinnen und Initianten schon klare Vorstellungen: «Weine mit Hintergrundgeschichten, Luzerner Bier, eine auf die Gäste abgestimmte Auswahl an Apéro- und Süssgetränken und eine Kaffee- und Teeauswahl, die ihren Namen auch verdient.»

Noch müssen das Stadtparlament sowie die Stadtluzerner Stimmberechtigten über die Initiative befinden. Wird diese angenommen, könnte das «Café Fédéral» frühstens ab 2024 eröffnet werden.

(red./sda)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Juli 2022 11:12
aktualisiert: 12. Juli 2022 17:24
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