Dreitägiger Gerichtsprozess

Zentralschweizer sollen gestohlene Luxusautos aus Italien verhökert haben

6. September 2022, 06:44 Uhr
Fünf Männer müssen sich vor dem Kriminalgericht Luzern verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie gestohlene Luxusautos in der Schweiz weiterverkauft haben. Dabei hätten sie die Herkunft der Autos auf aufwendige Art verschleiert. Am Montag hat der Prozess begonnen.
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Es war ein auffälliges Bild an der Universität in Luzern. Neben den Studenten waren auch 10 Männer im Anzug zwischen 41 bis 60 Jahren dort. Es waren nicht die Dozenten der Universität, es waren die fünf Beschuldigten aus der Schweiz, Spanien, Portugal und der Türkei sowie ihre Verteidiger. Wegen der hohen Anzahl der Beteiligten findet die Verhandlung während drei Tagen an der Universität Luzern statt.

Hehlerei, Geldwäscherei, Betrug und Misswirtschaft

Die Beschuldigten verkauften insgesamt 11 Luxusautos – darunter Mercedes, Audi Q7, BMW X6 oder Porsches – aus Italien in der Schweiz weiter. Das Problem: Die Autos wurden angeblich in Italien gestohlen, teils wurden sie unter Waffengewalt ihren Besitzern weggenommen. Gemäss der Anklageschrift wollten sie dies vertuschen. Ihnen wird unter anderem Hehlerei, Geldwäscherei, Betrug und Misswirtschaft vorgeworfen. Zusätzlich wird mehreren Beschuldigten auch vorgeworfen, drei Firmen finanziell ausgehöhlt und damit deren Konkurs verursacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert Strafen zwischen 15 Monaten und fünf Jahren.

Die Luxuskarossen wurden von einem unbekannten Autohändler namens «Antonio» angeboten. Er erschien beim türkischen Beschuldigten im Geschäft und machte ihm unterschiedliche Angebote, welche preislich lukrativ waren. Zusammen mit dem portugiesischen Angeklagten, welcher als Dolmetscher wirkte, wurden die Autos von Italien in die Schweiz importiert. Hinterfragt, woher die Autos kommen, hat gemäss Aussagen der Angeklagten vor Gericht keiner. «Wir wussten, dass die Autos aus Norditalien kommen und das war genug. Man fragt nicht nach der Quelle, das läuft so in unserem Business», sagt einer der beiden am Montag vor Gericht.

Danach wurden die Autos zum Teil an die weiteren Beschuldigten weiterverkauft, dabei wurden laut der Anklageschrift die Identifikationsnummern, die Verkaufsvereinbarungen, Eigentumsurkunden, Servicehefte und Fahrzeugausweise gefälscht. Damit wollten die mutmasslichen Hehler die Herkunft der Fahrzeuge verschleiern, wie in der 300-seitigen Anklage zu entnehmen ist. Danach wurden die Autos in Luzern, Emmen und Brunnen verkauft.

Gut funktionierendes Team

Die Kaufpreise wurden bar bezahlt und zu den meisten der elf Fahrzeuge wurde nur ein Schlüssel geliefert. Auch dies hinterfragten die fünf mutmasslichen Täter nie. Wiederum sagten sie, dass dies «normal» sei. Sie kooperierten zusammen, tauschten Preise und Handelsdetails untereinander aus, es kann daher von einer Mittäterschaft aller Beschuldigten ausgegangen werden. Die Anklage schreibt von einem «gut ausgebauten und funktionierenden Team».

Keiner Schuld bewusst

Nacheinander wurde jeder des «funktionierenden Teams» vom Kriminalgericht Luzern befragt. Die Befragung war aufwendig und kompliziert, zum Teil dauerte eine Befragung knapp eine Stunde. Bei dem beschuldigten Spanier, welchem nebst Geldwäscherei, Hehlerei und Urkundenfälschung auch noch vier weitere Delikte vorgeworfen werden, dauerte die Befragung mehr als zwei Stunden. Trotz der langen Befragungen wirkten alle Angeklagten sehr ruhig und äusserst konzentriert. Aufmerksam hörten sie den anderen bei den Aussagen zu. Einen Satz, welcher gleich mehrere der fünf Angeklagten sagten, war: «Wir wollten niemals jemandem einen Schaden zuführen.»

Auch einig waren sich die fünf Herren bei einem weiteren Punkt: Sie wissen nicht genau, warum sie sich vor dem Gericht verantworten müssen. Zum einen, weil der Verkauf der Autos vor rund 14 Jahren war und zum anderen, weil sie sich der Schuld nicht bewusst sind. Der türkischstämmige Autohändler, welcher ursprünglich die Autos von dem mysteriösen «Antonio» abkaufte sagte: «Ich wusste nicht, dass ich eine Straftat begehe. Ich war mir nicht bewusst, was ich machte.» Ein weiterer Beschuldigter versteht gleich die ganze Anklageschrift nicht, sie sei ihm «Fremd».

Nach den Befragungen der mutmasslichen Hehler wurde der Gerichtsprozess für Montag beendet. Am Dienstag geht der Prozess mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft weiter, ein Urteil wird am Mittwoch erwartet.

(mbi)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. September 2022 17:46
aktualisiert: 6. September 2022 06:44