Filmfestival Venedig

Luzerner Filmemacher: «Für den Schiedsrichter interessiert sich niemand»

1. September 2020, 14:28 Uhr
«Das Spiel» nennt sich das neuste Kunstwerk des Luzerner Filmemachers Roman Hodel. In seinem Dokumentarfilm begleitet er den Schiedsrichter Fedayi San während eines Fussballmatchs. Mit diesem Projekt hat er es an eines der grössten Filmfestivals geschafft. Wir haben vor seiner Reise nach Italien mit ihm geredet.

Mit dem Schweizer Schiedsrichter Fedayi San erlebte Hodel die Höhen und Tiefen eines Fussballspiels. Er erfuhr, was es bedeutet sich auf dem Feld Respekt zu verschaffen und die Energie eines ganzen Stadions zu dirigieren. Gedreht wurde im Stade de Suisse bei einem Super-League-Spiel zwischen BSC Young Boys und dem FC Lugano.

Roman Hodel, der 2014 die Hochschule Luzern - Design & Kunst abgeschlossen hat, wird gemeinsam mit der Produzentin Franziska Sonder, dem Protagonisten Fedayi San sowie Crew-Mitgliedern seinen 17-minütigen Kurzfilm in Venedig vorstellen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, den Schiedsrichter Fedayi San zu begleiten?

Die ursprüngliche Idee war es, einen Film über einen Schiedsrichter zu machen. Diese 23. Person auf dem Feld hat mich sehr interessiert. Wir wissen alles über die Spieler, aber für den Schiedsrichter als Menschen interessiert sich niemand.

Als ich herausfand, dass es möglich ist den Ton auf dem Feld mittels professionellen Ansteckmikrophonen aufzunehmen, konnte ich so den Spielern und dem Schiedsrichter auf dem Feld zuhören. Was ich da alles hörte, überraschte mich. Als ich Fedayi kennenlernte, war auf Anhieb klar, dass ich diesen Film unbedingt machen möchte.

Wie lange hat die ganze Produktion des Films gedauert?

Die Produktion des Filmes hat drei Jahre gedauert. Dieser Zeitraum ist für einen Kurzfilm von 17 Minuten eher lang. Dies, weil zu Beginn der Dreharbeiten viel Aufklärungsarbeit mit den Fussballclubs nötig war. Auch wenn wir mit YB einen sehr wohlwollenden und kooperativen Partner gefunden hatten, versuchten wir ursprünglich mit einem anderen Club bzw. Stadion zu drehen, wodurch wir sehr viel Zeit und Nerven verloren haben.

Was waren die grössten Herausforderungen bei den Dreharbeiten?

Im Film «Das Spiel» begleiten wir neben Fedayi San auch andere Protagonisten. Dies sind zum Beispiel Kommentatoren, Stewards (Security), Fedayi San’s Vater oder das Publikum. Um alle während der beschränkten Zeit eines Fussballspiels filmen zu können, bedurfte es genauer Planung. Bis zu 16 Crewmitglieder und acht Kameras waren gleichzeitig im Einsatz.

Wie fühlt es sich an, an einem der grössten Filmfestivals der Welt seinen Film vorzustellen?

Venedig ist das älteste und eines der wichtigsten Festivals der Welt. Da dabei sein zu dürfen, ist ein Traum jedes Filmemachers. Dementsprechend sind wir sehr glücklich, dass «Das Spiel» dort seine Weltpremiere feiern darf. Sehr viele Menschen haben dazu beigetragen, dass dieser Film als einer von zwölf Filmen für den Wettbewerb ausgewählt wurde. Dazu kommt noch, dass Venedig das erste Festival seit Corona ist, welches stattfindet. Ich bin sehr froh, dass wir mit der Crew, meiner Familie, Freunden und Fedayi San selber die Premiere feiern dürfen. Seit kurzem haben wir auch noch die Einladung vom Toronto International Filmfestival bekommen, auch das hat uns unglaublich gefreut.

Wie bereitest du dich auf diesen Anlass vor?

Vorfreude und Nervosität vermischen sich. Wir reisen mit 15 Leuten an. Es gab und gibt noch einiges zu tun, Unterkünfte, Akkreditierungen, Tickets, Filmplakat und ja, es gibt sogar ein «Red Carpet Protocol Meeting», bei dem man uns über die Regeln und Gepflogenheiten auf dem roten Teppich informiert.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. September 2020 13:47
aktualisiert: 1. September 2020 14:28