LUPS

Luzerner Psychiatrie: «Viele Suizidgefährdete suchen derzeit Hilfe»

2. August 2022, 21:07 Uhr
Suizidgedanken sind noch immer ein grosses Tabuthema. Viele Menschen in der Schweiz sind davon betroffen. Pro Jahr kommt es zu rund 33'000 Suizidversuchen. Damit diese Zahl kleiner wird, rief unter anderem die Luzerner Psychiatrie LUPS das Projekt SERO ins Leben. Wir wollten von Martin Fluder vom LUPS wissen, wie gross das Problem von Versuchen, sich selbst das Leben zu nehmen, derzeit ist.
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: Tele 1

Herr Fluder, wie gross ist das Problem der Suizidversuche im Moment?

Das Problem ist unverändert gross. Die in Inanspruchnahme von Hilfe ist derzeit sehr gross in der Luzerner Psychiatrie. Im speziellen die Suizidprävention ist grundsätzlich immer ein grosses Thema in der psychiatrischen Versorgung und der Gesamtbevölkerung.

Wie hat sich die Situation in letzter Zeit verändert?

Wir können nicht sagen, dass Suizide in der Gesellschaft zugenommen haben. In der Tendenz ist es sogar eher abnehmend. Es ist einfach nach wie vor ein grosses Tabuthema. Man redet nicht über Suizidgedanken und das möchten wir verändern mit unserem Projekt.

Hilfe wird eher angenommen als früher. Wieso?

Die in Inanspruchnahme einer psychiatrischen Leistung oder zu uns in eine Klinik zu kommen, wird weniger stigmatisiert als früher. Man getraut sich mehr, über psychische Belastungen zu sprechen. Depressionen oder Burnout sind Themen, die immer mehr in der Öffentlichkeit thematisiert werden.

Warum ist es trotzdem noch ein Tabuthema?

Es ist immer noch schwierig, sich zu outen und zu sagen, dass man eine psychische Erkrankung hat oder Suizidgedanken. Wie erfahren in unserem Alltag immer wieder, dass es schwierig ist, darüber zu reden, weil Betroffene ihre Freunde oder Angehörige nicht damit belasten möchten oder auch ihren Arbeitsplatz nicht verlieren möchten.

Was fehlt, damit sich diese Problematik verändern würde?

Öffentlichkeitsarbeit, unser Projekt hilft sicher. Das ist unser Ziel. Dass man über Suizidalität redet, dass man über psychische Erschütterung redet und dass man keine Angst haben muss, darüber zu reden. Es kann einem geholfen werden, man kommt da wieder raus. Das finde ich auch immer eine wichtige Botschaft.

Worauf liegt aktuell der Fokus?

Im ersten Jahr haben wir den Fokus auf Fachpersonen in der Gesundheitsversorgung gelegt. Wir haben die Methode der Einschätzung der Suizidalität bekannt gemacht. Wir haben das mit Informationsanlässen gemacht. Wir haben dies in drei Etappen mit drei Regionen gemacht. Neben dieser Methode haben wir auch über den Sicherheitsplan informiert, mit dem Ziel, dass dieser überall angewendet wird, möglicherweise in einer Hausarztpraxis sogar. Wir haben auch die ENSA-Kurse (Erste-Hilfe-Kurse für psychische Gesundheit) bekannt gemacht.

Was sind die nächsten Schritte?

Derzeit lancieren wir eine App. Ende Jahr sollte diese heruntergeladen werden können. Im neuen Jahr werden wir die App dann lancieren. Intern in der Luzerner Psychiatrie, aber natürlich auch nach aussen, damit Betroffene diese nutzen können.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 28. Juli 2022 06:17
aktualisiert: 2. August 2022 21:07
Anzeige