«Findom»

Mia (18) zieht Männern das Geld aus der Tasche und sie geniessen es

Mario Trlaja, 17. Januar 2021, 08:55 Uhr
«Gib mir dein Geld...» Findom ist eine Mischung zwischen BDSM und Sugardaddy-Beziehung. (Symbolbild)
© PilatusToday / Getty Images
Sie nennt Männer ihre Zahlsklaven und die Männer nennen sie Herrin oder Göttin. Sie wird so sehr verehrt, dass die Männer ihr Geld für sie ausgeben – einfach so. Mia ist im Internet als «Financial Dominatrix» unterwegs.

«Wer von euch Losern will mein neuer Zahlsklave sein?» So wünscht Mia* ihren Followern auf Twitter guten Morgen. Und die Männer machen mit, überweisen ihr Geld auf Paypal oder als Zalando-Gutschein. Mia ist zufrieden und postet einen Screenshot mit ihrem Kontostand: «So mag es eure Göttin! Und jetzt weiter auffüllen ihr kleinen Versager, bevor ich euch zerquetsche.» Mia spricht wie eine Domina und wird mit Geschenken überhäuft wie ein «Sugarbabe», doch sie trägt weder Lack und Leder, peitscht niemanden im Keller aus und geht auch nicht mit alten Männern essen.

Mia bei einem «Cash and Go» Treffen mit einem Sklaven.

© PilatusToday

Mia macht «Findom». Das steht für «Financial Domination», einer Form von BDSM, bei dem ein unterwürfiger Partner den dominanten Partner mit Geld und Geschenken überhäuft – oft ohne jegliche Gegenleistung oder körperliche Nähe. Und auch Mia zeigt ihre dominante Seite im Internet und nicht in BDSM-Kellern. Die 18-Jährige arbeitet als Dentalassistentin, kommt ursprünglich aus dem Kanton Zürich und trifft ihre «Sklaven» regelmässig auch in Luzern. Ich konnte mit Mia über ihr lukratives Hobby sprechen. Dabei gewährte mir Mia einen Einblick in den Teil ihres Lebens, der normalerweise hinter verschlossen Türen und Handy-Passwörtern stattfindet.

Wie lange machst du schon Findom und wie bist du dazu gekommen?

Findom mache ich seit Sommer 2019. Ich bin generell dominant und über Twitter darauf gekommen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Hashtags mich gefunden haben.

Wer weiss alles Bescheid, dass du Findom machst?

Ein paar Schulkolleginnen, meine beste Freundin und mein Freund wissen Bescheid. Meine beste Freundin begleitet mich immer, wenn ich mich mit Sklaven treffe.

Was meinst du mit treffen? Ich dachte, Findom findet nur im Internet statt?

Es gibt verschiedene Arten von Findom. Manche Männer wollen anonym bleiben und die Beziehung beschränkt sich auf Chatten oder Skypen. Mit anderen treffe ich mich auch. Das nennt man «Cash and Go». Der Sub (BDSM-Slang für devote Partner) bringt mir dann eine abgemachte Summe Geld in bar und zur Belohnung darf er vielleicht meine Schuhe küssen. Das wars auch schon.

Wo lernst du deine Subs kennen? Wie kann man dich kontaktieren?

Die Subs können mich im Internet unter bestimmten Hashtags finden. Es beginnt meistens damit, dass mich die Männer anschreiben und mir dann vielleicht etwas Geld senden dürfen. Das nennt man «Tribut», ein Beweis, dass die Männer zahlungswillig sind und keine Tastenwichser.

Den Begriff «Tastenwichser» liest man auf Findom-Plattformen oft, was ist das?

Tastenwichser möchten sich nur an deinen Bildern und im Chat aufgeilen, wollen aber nichts bezahlen.

 Wie viel Geld nimmst du damit ein?

Das kommt darauf an, was man anbietet. Ich bin vor allem bei Fussfetischisten beliebt. Wenn man viele Subs hat, sehr aktiv ist oder einen grosszügigen Sub findet, kann man nebenbei 300 Franken in der Woche und mehr verdienen.

Wie gross ist dein Respekt vor diesen Männern, die dir freiwillig ihr Geld geben?

Eigentlich habe ich gar keinen Respekt vor ihnen. Sie sind für mich meine Sklavenschweine und ich kümmere mich ein bisschen um sie.

Und wie geht dein Freund mit dem Ganzen um? Du hast gesagt, er weiss Bescheid.

Ja, er weiss davon. Aber zu Eifersucht ist es noch nie gekommen. Ich meine, im Gegensatz zu den Typen ist er ein echter Mann. Er macht sich nur Sorgen, wenn ich mich mit neuen Subs treffe, dass etwas passieren könnte.

Wie ist es mit einer Frau, wie dir zusammen zu sein, die von Wildfremden so vergöttert wird? Muss ein Mann bei dir privat auch alles bezahlen und dich mit Geschenken überhäufen?

Nein, nein. Ich bin nur online eine Findom. Mein Freund muss nicht für alles bezahlen.

Wie geht man damit um, von Männern regelrecht vergöttert zu werden? Pusht das dein Ego im echten Leben? Bist du seitdem selbstbewusster?

Ich hatte zwar schon immer ein hohes Selbstbewusstsein, aber es ist schon ein cooles Gefühl, von Fremden im Internet vergöttert und mit «Herrin» angesprochen zu werden. Es gibt mir auch eine gewisse Bestätigung.

*Name geändert

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 16. Januar 2021 18:25
aktualisiert: 17. Januar 2021 08:55