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Migros gibt grünes Licht: In der Zentralschweiz kommt es zur Alkohol-Abstimmung

1. Dezember 2021, 19:50 Uhr
Jetzt steht es fest: Die 200’000 Genossenschafterinnen und Genossenschafter der Migros Luzern können nächstes Jahr darüber abstimmen, ob der orange Riese ab 2023 Alkohol verkaufen soll.
Gibt es in den Zentralschweizer Migros-Filialen ab 2023 Alkohol zu kaufen? Darüber dürfen die Genossenschafterinnen jetzt abstimmen. (Archivbild)
© Migros

Soll die Migros künftig alkoholische Getränke verkaufen? Über diese Frage debattierte der Genossenschaftsrat der Migros Luzern am Mittwochabend am Hauptsitz in Dierikon. Das 40-köpfige Gremium, das auch als Kundenparlament bezeichnet wird, hatte konkret darüber zu befinden, ob es nächstes Jahr in der Zentralschweiz zu einer Urabstimmung zur Alkoholfrage kommen soll oder nicht.

Mit einem Stimmenverhältnis von 35:1 hat das höchste Gremium der Migros Luzern nun entschieden, dass die rund 200’000 Genossenschafterinnen und Genossenschafter in der Zentralschweiz 2022 über die Alkoholfrage abstimmen dürfen. Nötig war eine Zweidrittelmehrheit von 24 Stimmen bei 36 anwesenden Mitgliedern. Zur Migros Luzern gehören die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden, Uri, Zug und der südliche Teil des Kantons Schwyz.

Genossenschafterinnen mussten zuerst «Ja» sagen

Hätte das Zentralschweizer Kundenparlament den Verkauf von Alkohol abgelehnt, könnten sich die Genossenschafterinnen und Genossenschafter nicht dazu äussern. Nun aber kommt es zur Abstimmung: Die entsprechende Urabstimmung dürfte voraussichtlich im Mai durchgeführt werden, wobei es bis Juni dauern dürfte, bis das Resultat feststeht.

Der Entscheid der Zentralschweizer Genossenschafterinnen und Genossenschafter wird dann definitiv sein. Wer möchte, kann sich einbringen: Die Mitgliedschaft ist kostenlos, als Genossenschafterin oder Genossenschafter erhält man einen Anteilsschein der Genossenschaft Migros Luzern im Wert von 10 Franken.

Die Geschäftsleitung der Migros Luzern äussert sich übrigens nicht zur Alkoholfrage. Vor der Abstimmung des Zentralschweizer Kundenparlaments hatte aber die sogenannte Verwaltung grünes Licht gegeben. Dieses sechsköpfige Gremium wird von Ex-Migros-Luzern-Chef Felix Meyer präsidiert.

Flickenteppich ist möglich

Anfang November hatte die Delegiertenversammlung des Migros-Genossenschaftsbunds die Weichen gestellt, damit die zehn regionalen Genossenschaften genau diese Frage zur Abstimmung vorlegen können. Damit könnte das Alkohol-Verkaufsverbot von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler fallen. Die 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter sollen diese Frage «ein für alle Mal klären», schreibt die Migros auf ihrer Website.

Die Migros Luzern ist nicht die erste der insgesamt zehn Migros-Genossenschaften, die sich zur Alkoholfrage geäussert haben. So hat der Genossenschaftsrat der Migros Basel Anfang Woche mit 44 Ja-Stimmen, keiner einzigen Nein-Stimme und acht Enthaltungen für den Verkauf von Alkohol gestimmt.

Auch im Tessin, im Wallis und in der Ostschweiz hat sich das Ja durchgesetzt. Entscheidend sind dann aber die Urabstimmungen im nächsten Jahr. Bereits jetzt ist klar, dass es dabei zu Widerstand kommen wird. So hat die Suchtorganisation Blaues Kreuz in der «Schweiz am Wochenende» eine Abstimmungskampagne angekündigt, um die Genossenschafterinnen und Genossenschafter von einem Beibehalt des Alkohol-Verbots zu überzeugen.

Theoretisch könnte es zu einem Flickenteppich kommen: Dass also die Migros in Basel Alkohol verkauft, nicht aber in der Zentralschweiz. Für die Migros wäre eine solche Konstellation Ausdruck davon, wie einzigartig die «direkte und demokratische Mitbestimmung» in der Genossenschaft ist, wie sie schreibt. Die Migros will diesen Freitag über alle Entscheide der jeweiligen regionalen Genossenschaftsräte informieren. Frühestens 2023 könnten dann tatsächlich Wein und Bier in den Regalen der Migros-Filialen stehen.

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 1. Dezember 2021 19:25
aktualisiert: 1. Dezember 2021 19:50