Betrug vorbeugen

Neues System von Zuger Firma erkennt Weinfälschungen

Anita von Rotz, 8. Dezember 2021, 14:23 Uhr
Sie will Weinfälschern keine Plattform geben: Die Zuger Firma Authena hat ein weltweit neues Sicherheitssiegel für Weinflaschen entwickelt. 3'000 Flaschen der Schuler St. Jakobs Kellerei aus Seewen werden nun mit dieser Technologie fälschungssicher gemacht.
Durch das Scannen des Siegels mit dem Smartphone kann die Echtheit des Weines überprüft werden.
© Authena

Bis heute sind Weinfälschungen ein enorm lukratives Geschäft und machen den Grossteil aller Lebensmittelfälschungen aus. Die Möglichkeiten, Weinliebhaber zu täuschen, sind fast unbegrenzt. Spitzenweine, aber auch jüngere Weine sind leicht zu plagiieren und der Etikettenschwindel oder ein betrügerisches Umfüllen originaler Flaschen ist auch mit grossem Aufwand kaum nachzuweisen.

Fälscher kaufen Weinflaschen mit sehr teurem Wein ein, nehmen den Inhalt raus und füllen die Flasche mit verhältnismässig billigem Wein wieder auf. Dann versiegeln sie die Flasche wieder. Dies meistens so gut, dass man von aussen nicht erkennt, dass es eine Fälschung ist. Beim Weinhandel wird dies zu einem immer grösseren Problem, wie verschiedenste Experten berichten.

Physisches und elektronisches Siegel soll Fälschungen unmöglich machen

Diesen Weinfälschungen will die Zuger Firma Authena einen Riegel vorschieben: «Wir haben ein System entwickelt, um den vielfach sehr guten Fälschungen entgegenzuwirken. Weinfälscher gehen nämlich sehr raffiniert vor», sagt der Produktleiter von Authena, Nicola Fantini. Die Firma ist weltweit gegen Produktfälschungen tätig. Das neue und weltweit einzigartige System beinhaltet nicht nur ein physisches Siegel, welches auf der Flasche erkennbar ist, sondern es hat auch eine elektronische Komponente. «Weinflaschen können neu von der Abfüllung bis zur Öffnung der Flasche getrackt werden. Mit dem Smartphone kann ganz einfach durch Scannen kontrolliert werden, ob es sich um den Originalwein handelt.»

Das Siegel kann mit dem Smartphone gescannt werden.

© Authena

Die Schuler St. Jakobs Kellerei in Seewen hat bisher noch nicht mit Fälschungen zu tun gehabt. Dennoch rüstet sie nun auf. Da das Problem immer öfters vorkommt, sind sie vom neuen System überzeugt, sagt Geschäftsführer Nikolas von Haugwitz: «Unsere Kunden sollen die bestmögliche Sicherheit beim Kauf haben.»

Sie setzen das System anfänglich bei 3000 Flaschen ein, um zu schauen, wie es sich auf dem Markt etabliert. Mittelfristig wollen sie dieses System bei allen hochklassigen Weinen anwenden. «Ich glaube, das ist der Anfang einer grossen Aktion, die irgendwann komplett sortimentsumfassend ist.» Von Haugwitz hofft, dass auch andere Weinhändler das System übernehmen werden. «Weil, wenn irgendwann mal Fälschungen in der Region auf dem Markt sind, ist das schädlich für die gesamte Branche.»

Das physische Siegel beugt ebenfalls Fälschungen vor.

© Authena

Für Weinhändler ein Plus

Auch der Zentralschweizer Weinbauverband ist grundsätzlich positiv gegenüber diesem System eingestellt. Präsident Markus Reinhard glaubt jedoch nicht, dass dieses System interessant für die Endkonsumenten ist: «Für Weinhändler oder Detailhändler kann das sicher sehr nützlich sein. Denn es wäre nicht gut, wenn zum Beispiel Coop Weinfälschungen verkaufen würde.» Dass die Endverbraucher an diesem System Gefallen finden, glaubt er eher nicht.

Laut Authena ist dieses System aber auch für den Endkonsumenten gedacht. In der App auf dem Smartphone könne man nicht nur die Echtheit prüfen, sondern durch Scannen des Siegels auch weitere Informationen über den Wein erhalten, heisst es. Die 3000 Flaschen der Schuler St. Jakobs Kellerei mit dem neuartigen Siegel werden im Mai des nächsten Jahres an die Kundschaft ausgeliefert.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 8. Dezember 2021 11:34
aktualisiert: 8. Dezember 2021 14:23
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