Nidwalden

Älplerchilbi Buochs: farbenfroh und reich an Tradition

24. Oktober 2022, 09:41 Uhr
Am Sonntag fand in Buochs die alljährliche und mit viel Tradition verbundene Älplerchilbi statt. «Zäme fürsi gah» ist das diesjährige Motto. Nach einer schwierigen Zeit will man im Dorf den Zusammenhalt stärken.
Alte Tradition: Die Älplerchilbi findet seit 160 Jahren statt.
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Die Älpler in Begleitung der «Älpler-Meitschi» auf dem Weg in die Kirche.

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Die Freude und der Stolz war den 26 Älplern und ihren «Älpler-Meitschi» ins Gesicht geschrieben, als sie unter musikalischer Begleitung des Musikvereins Buochs in die Pfarrkirche hinauf marschierten. Dort startete die traditionelle Älplerchilbi in der farbenfroh geschmückten Kirche mit einer Erntedankandacht.

Der Urspung der Älplerchilbi: das Danken für die Ernte des vergangenen Jahres.

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Der Älpler Benno Frank erklärte das Motto der Chilbi «Zäme fürsi gah» als eine Möglichkeit, nach ein einer schwierigen Zeit wieder zusammenzukommen und gemeinsam vorwärts zu gelangen. «Für das Dorf ist das eine gute Gelegenheit, in unserer digitalen Welt einmal physisch zusammenzukommen. Man steht zusammen auf dem Dorfplatz, trinkt zusammen einen Kaffee und redet zusammen.» Das Motto war unter den Zuschauenden und Teilnehmenden beinahe greifbar. Jung und Alt begrüssten sich mit grosser Freude und es wurde über Geschichten und Anekdoten des Jahres diskutiert.

«Genau darum geht es, dass wir gemeinsam zusammenkommen und weitermachen. Ich bin seit Jahren dabei und kann nicht in Worte fassen, welche Emotionen da aufkommen», meinte ein ehemaliger Älpler, welcher mit seiner ganzen Familie am Fest teilnahm.

Fahnenschwingen, Konzerte und «Butzis»

Nach dem rührenden Gottesdienst strömten von allen Seiten her Menschen auf den Dorfplatz, wo bereits das nächste Highlight des Tages wartete: der Fahnenschwung. Begleitet von einem musikalischen Konzert des Musikvereins versuchten die Fahnenschwinger ihre Fahnen möglichst hoch in die Luft zu werfen.

Die Älpler tragen traditionell einen Stängel Rosmarin im Mund, als Abwehr gegen Krankheiten.

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Ebenfalls unter die Menge mischten sich der «Wildmaa» und die «Wildfrau». In Nidwalden auch «Butzi» genannt. Mit verschmitztem Lächeln auf den Lippen rannten die Kinder ihnen nach und versuchten sie zu necken, bevor der Spiess umgekehrt wurde und sie lachend wieder davonrannten. Doch die «Butzi» sorgen während der Chilbi nicht nur für Recht und Ordnung, sondern mit verschiedensten Schauspielen auch für zahlreiche Lacher im Publikum.

Der Jodelclub mit den gespannt lauschenden Butzi.

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Nach einer stimmigen Einleitung durch den Jodelclub folgte das Highlight des Tages für viele Besucher: Der Älplerspruch. Dieser wurde wie jedes Jahr mitten auf dem Dorfplatz von fünf Akteuren mit viel Witz und Charme vorgetragen und sorgte für viel Freude und Gelächter. «Wir erzählen den Älplern, was im Dorf umher gegangen ist und den Dörflern erzählen wir, was auf der Alp los gewesen ist», meinte Sepp Risi, einer der «Älplersprecher». Die Aufgabe des Sprechers ausüben zu dürfen, sei eine Ehre. «Es macht einfach Freude, diese Stimmung erleben zu dürfen.»

Tratsch aus dem Dorf

Es wurde über alles berichtet, was während des Jahres in allen Bereichen des Dorflebens «gebosget» wurde von Wirtschaft zu Politik bis hin zu persönlichen Dorfgeschichten. Während den Sprüchen flossen sogar einige Tränen der Rührung. «Man kann dieses Gefühl der Verbundenheit nicht beschreiben, man muss es erleben», meint Risi.

Die Älplersprecher veranstalten mit viel Witz und Charme ein beliebtes Volksschauspiel.

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Auch nach den Sprüchen tummelten sich noch überall Dorfbewohner und Besucher, um Kaffee und weitere Köstlichkeiten zu geniessen und das Gefühl der Angehörigkeit zu feiern.

«Es macht einfach Freude», meinte Josef Barmettler, besser bekannt als «Paradeys-Sepp». Er ist der Älplerschreiber und der Einzige, der jedes Jahr dabei ist, die anderen Ämter werden jedes Jahr neu besetzt. Er hält das ehrenvolle Amt nun schon seit 37 Jahren inne und geht seiner Tätigkeit jedes Jahr mit viel Herzblut nach.

Abwechslungsreiches Abendprogramm

«Alle Älpler haben eine Funktion an der Chilbi und jeder muss einen Beitrag leisten», verkündete er stolz. Das habe heute super funktioniert und er sei sehr beeindruckt von den Leistungen, vor allem vom Fahnenschwung. Er erzählte ausführlich von der 160-jährigen Geschichte des Vereins. «Ich hoffe diese Tradition kann nochmals so lange bleiben, sodass wir weiterhin zusammen kommen und feiern können.»

Josef Barmettler, hier in seiner Tracht, übt sein Amt im Älplerverein schon seit 37 Jahren aus.

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Ein weiterer Höhepunkt bildete das Abendprogramm, der sogenannte Älplertanz. Dort konnten Jung und Alt bis spät in die Nacht hinein das Tanzbein schwingen und zusammen feiern, mit der musikalischen Begleitung des Ländlertrios H2O und des Musikvereins Buochs. Auch die Tombola, welche ebenfalls von den Älplern organisiert wurde, fand wieder statt und zog einige Besucherinnen und Besucher mit verlockenden Preisen an.

(lni)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. Oktober 2022 07:09
aktualisiert: 24. Oktober 2022 09:41