Wegen Ukraine-Krieg

Ist die Motivation fürs Militär gestiegen? Augenschein am Orientierungstag in Oberdorf

4. Mai 2022, 10:11 Uhr
In der Kaserne Oberdorf bei Stans werden aktuell angehende Rekruten über die Möglichkeiten des Militärdienstes informiert. Ein allgegenwärtiges Thema dabei: Der Krieg in der Ukraine. Doch was bringt es, das Thema an den Orientierungstagen zu diskutieren? Werden die jungen Männer und Frauen damit ins Militär gelockt? Wir wollten es wissen.
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Quelle: Tele 1

Die Antwort: Ein klares Nein! «Natürlich führt der Ukraine-Krieg dazu, dass sich die Leute viel mehr Gedanken zum Thema Sicherheit machen. Und sie kommen auch mit einer anderen Einstellung an die Orientierungstage. Wir versuchen zwar, offene Fragen zu beantworten. Den Rattenfänger spielen wir aber nicht», betont Ronald Rickenbacher, Leiter Amt für Militär und Bevölkerungsschutz Nidwalden.

Der Kanton habe es gar nicht nötig, junge Männer und auch Frauen ins Militär zu locken. Denn, im schweizweiten Vergleich sei die Motivation im Kanton Nidwalden gross, ins Militär einzurücken. Dies lässt auch die Tauglichkeitsquote erahnen: So waren im vergangenen Jahr im Kanton Nidwalden 82 Prozent der Wehrpflichtigen militärtauglich. Das ist der dritthöchste Wert in der Schweiz. Im Jahr 2020 waren es 83 Prozent.

Einstellung hat sich nicht geändert

Der Krieg in der Ukriane ist zwar ein Thema. An der Einstellung dem Militär gegenüber hat sich bei den über 170 Teilnehmenden der Orientierungstage offenbar aber nicht viel verändert: «Es zeigt, dass das Militär wichtig ist. Aber meine Motivation ist bereits genug gross», sagt beispielsweise der angehende Rekrut Filippo Manfiani aus Stans. Anders sieht es Corsin Berther aus Stans: «Man sieht, dass es immer einen Machthaber gibt, der mehr Land will – auch wenn Europa sicher scheint. Da fühle ich mich verpflichtet, mein Land zu beschützen.»

Insgesamt 17 Frauen wollten sich in Stans über das Militär informieren – so viele wie nie zuvor. Der Krieg scheint dabei kein Grund für die zahlreiche weibliche Teilnahme zu sein. «Der Ukraine-Krieg hatte keine spezielle Auswirkung auf meine Motivation ins Militär zu gehen. Ich bin primär hier, weil ich mit dem Militärdienst anderen Menschen helfen und sie unterstützen kann. Meine Motivation ist diesbezüglich sehr hoch», so Seline Wüersch aus Emmetten.

Zivildienst geniesst Wichtigkeit

Dass die Schweizer Armee junge Menschen mit dem Ukraine-Krieg in den Militärdienst statt in den Zivildienst locken möchte, lassen die Verantwortlichen in Stans also nicht gelten. Man wolle zwar primär auf die uniformierten Dienste Militär und Zivilschutz aufmerksam machen. Doch der Zivildienst werde durchaus als Option angeboten: «Wir wollen den Leuten aufzeigen, dass sie einen Dienst an die Bevölkerung leisten sollen», so Ronald Rickenbacher weiter. Da spiele es keine Rolle ob Militärdienst, Zivilschutz oder Zivildienst.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. Mai 2022 10:10
aktualisiert: 4. Mai 2022 10:11
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