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Nidwaldner Sportschützin

Jetzt spricht Nina Christen über ihre «post-olympische Depression»

15. September 2021, 16:12 Uhr
Sportschützin Nina Christen hat an den Olympischen Spielen in Tokio zwei Medaillen gewonnen. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch die Nidwaldnerin leidet an einer «post-olympischen Depression». Im Interview mit PilatusToday spricht sie offen darüber.
Nach Tokio rannte Nina Christen von einem Empfang zum nächsten.
© Keystone

Zuerst einmal: Wie geht es Ihnen im Moment?

Heute ist ein guter Tag. Allerdings verändert sich das in Phasen. Manchmal habe ich sehr schlechte, dann aber auch wieder sehr gute Tage. Wichtig ist, dass ich genug Geduld mit mir habe und nicht denke, dass ich in zwei Wochen wieder ganz gesund sein muss.

Wie gehen Sie mit der schwierigen Situation um?

Ich habe sehr viele Termine, die ich wahrnehmen muss. Auch sind diese oft unregelmässig verteilt. Ich habe keine Zeit und schlafe manchmal auch schlecht. Es ist ein grosses Loch, das dadurch entsteht.

Ich versuche nun wieder einen strukturierten Ablauf in den Tag zu bringen, wie regelmässige Schlafenszeiten zu haben. Ich probiere zudem, viele Aktivitäten zu unternehmen, die mir Freude bereiten.

Was waren die Schwierigkeiten nach den Olympischen Spielen in Tokio?

Als Olympiasiegerin hat man viele Termine und immer das Gefühl, man sollte alle wahrnehmen – vor allem bei einer Randsportart wie dem Sportschiessen. Ich wollte bei vielen Terminen dabei sein, damit die Leute mich nicht vergessen. Aber das Wichtigste ist, dass ich auf mich schaue und mich wieder erholen kann von Tokio und der fünfjährigen Vorbereitung darauf.

Stimmt es, dass Sie trotz allem optimistisch gestimmt sind für die Zukunft?

Ja, das erste grosse Tief habe ich hinter mir. Ich weiss allerdings nicht genau, was die Zukunft bringen wird. Schön ist, dass ich nicht alleine bin. Ich habe Sportpsychologen, eine gute Familie und Freunde, an die ich mich jederzeit wenden kann.

Grundsätzlich bin ich kein pessimistischer Mensch. Ich sehe nicht nur schwarz, sondern auch das Licht am Ende des Tunnels. Ich arbeite als Sportlerin daran, dass ich wieder aus diesem Tunnel rauskommen werde.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. September 2021 16:10
aktualisiert: 15. September 2021 16:12