Beckenried

Lehrerin soll seit Jahren Schüler schlagen und erniedrigen

Matthias Oetterli, 7. Juli 2020, 19:02 Uhr
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Quelle: Tele 1

«Knien oder stehen» - militärisch hallt es durch das Schulzimmer der 5. Klasse in Beckenried. Seit Jahren setzt Lehrerin Rita K.* ihre Schülerinnen und Schüler mit fragwürdigen Methoden unter Druck. Das berichten mehrere Eltern gegenüber PilatusToday und Tele 1. Dabei soll es auch zu körperlichen Übergriffen gekommen sein.


Rita K. ist seit 15 Jahren an der Schule Beckenried als Lehrerin tätig. In diesen Jahren sollen viele Kinder massiv unter den schulischen Methoden gelitten haben, berichten die Eltern. «Mein Sohn kam nach Hause und erzählte, dass die Lehrerin ihm gesagt habe, er sei dumm.»

Eine andere Mutter schildert, wie die Lehrerin einzelne Kinder vor der ganzen Klasse vorführt: «Die Lehrerin sagte, aus dir wird höchstens ein Verkäufer. Zu mehr reicht es dir nicht. Du bist ein typischer Niveau B-Schüler.» Sie mache die Kinder fertig. «Unser Sohn hat aufgrund des psychischen Drucks Haarausfall bekommen.» Ein anderes Kind bekam einen Hautausschlag. «Inzwischen ist das Ekzem weg. Wir mussten aber enorm mit ihm am Selbstwertgefühl arbeiten.»

«Mein Sohn kassierte vor der ganzen Klasse eine Ohrfeige»

Es ist aber nicht nur der psychische Druck, der auf den Kindern lastet. Auch körperliche Züchtigungen gehören zum Alltag bei Rita K. Wer mit dem Stuhl «gagelt», muss den Stuhl abgeben und dann knien oder stehen. «Mein Kind kam am ersten Schultag nach Hause und erzählte, dass ein Kind knien musste». Die «gagelnden» Kinder mussten danach bis zu zwei Lektionen am Boden knien oder stehen.

In mehreren Fällen soll es sogar zu körperlichen Übergriffen gekommen sein. «Mein Sohn kassierte vor der ganzen Klasse eine Ohrfeige», erzählt eine Mutter. Er sollte für eine Schulaufführung eine Velohose anziehen, weigerte sich aber. «Er sagte der Lehrerin, dass er nur Sporthosen anzieht. Daraufhin schlug sie ihn.» Der Vorfall liegt rund fünf Jahre zurück.

Ein Jahr später ist es laut einer anderen Mutter zu einem weiteren Vorfall gekommen: «Meine Tochter kam an meinem Geburtstag nach Hause und sagte, dass die Lehrerin ihr eine Ohrfeige gegeben hat.» Andere Mütter erzählen, dass ihre Kinder beobachtet haben, wie die Lehrerin in mehreren Fällen Kinder an den Ohren oder Haaren gezerrt hat. Auch habe Rita K. schon Schülern mit dem Lineal auf die Finger geschlagen. «Das sei normal bei dieser Lehrerin. Das wisse man, hat mir meine Tochter erzählt.»

«Man kann nichts sagen, weil es dann 1:1 retourkommt»

Das Problem mit Rita K. ist seit Jahren in Beckenried bekannt. Viele Eltern getrauten sich jedoch nicht etwas dagegen zu unternehmen – aus Angst vor Repressalien. «Man kann nichts sagen, weil es dann 1:1 retourkommt.» Viele Familien haben ausserdem mehrere Kinder in der Schule und damit Angst, dass auch die anderen Kinder dann darunter leiden könnten. In einzelnen Fällen wurde die Schulsozialarbeit informiert. Passiert sei jedoch nie etwas.

Die Lehrerin war für PilatusToday und Tele 1 nicht erreichbar. Mehrere Anfragen blieben unbeantwortet. Wie viel die Schulleitung wusste, ist unklar. Sicher ist, dass die Schulleitung seit dem vergangenen November Kenntnis von den psychischen Belastungen und der Strafe mit dem Knien hatte. Seit Mitte Februar wusste der Schulleiter ausserdem auch von einem Vorfall mit der Ohrfeige. Eine Mutter hatte den Vorfall in einem Telefongespräch mit dem Schulleiter erwähnt. «Ich sagte ihm, dass Rita K. auch schon die Hand ausgerutscht sei. Er wollte gar nicht wissen, was genau passiert ist.» Im Gegenteil: Er habe das Gespräch danach sehr schnell beendet.

Bis zu drei Jahre Gefängnis möglich

Das beschriebene Verhalten von Rita K. hat durchaus auch strafrechtliche Relevanz. Eine Ohrfeige gilt als einfache Körperverletzung. Aber auch die Demütigungen könnten rechtliche Folgen haben. Im Strafgesetzbuch heisst es: «Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt, wird […] mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.»

Auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1 sagte der zuständige Gemeinderat und Schulkommissionspräsident Rolf Amstad, dass ein internes Verfahren eingeleitet worden sei. Dieses sei für solche Fälle vorgesehen. Die Schulkommission werde nun die Vorwürfe untersuchen und dann entscheiden, ob der Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben werden soll.

Fraglich ist, ob im vorliegenden Fall die Strafbehörden sogar von sich aus aktiv werden müssten, wenn sie von den Vorfällen erfahren, da die Kinder in der Obhut der Lehrerin sind. Eine Anzeigepflicht für die Schulleitung gibt es in diesem Fall im Kanton Nidwalden zwar nicht. Aber sie wäre berechtigt eine Anzeige zu machen. Ausserdem heisst es im Leitfaden des Schweizer Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer: «Sind Schülerinnen oder Schüler durch strafrechtlich relevante Vorkommnisse betroffen, so ist eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten und/oder eine Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zu machen.»

* Name verändert, aber der Redaktion bekannt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. Juli 2020 12:01
aktualisiert: 7. Juli 2020 19:02