Luftfahrt

Ruag will in der Schweiz über 100 Stellen abbauen

13. Oktober 2020, 14:45 Uhr
An allen Schweizer Standorten von RUAG International ist ein Stellenabbau möglich.
© Thomas Delley / KEYSTONE
Mit einem weltweiten Stellenabbau von ungefähr 150 Arbeitsplätzen will RUAG International auf sinkende Einnahmen und hohe Aufwände reagieren. Auch der Standort Emmen könnte betroffen sein.

Die Ruag wurde vergangenes Jahr in einen für die Schweizer Armee zuständigen und einen privatisierten Teil – die Ruag International – aufgeteilt. «Ruag hatte Ende 2019 ursprünglich über 9'000 Mitarbeiter. Nach der Entflechtung hat Ruag International noch rund 6’500 Mitarbeitende», sagt Clemens Gähwiler, Medienverantwortlicher bei Ruag International auf Anfrage von PilatusToday und Tele1. Bereits Mitte 2019 beschloss man einen Stellenabbau. «Aufgrund des hohen Kostendrucks durch die Corona-Krise müssen die geplanten Einsparungen jetzt beschleunigt und ausgeweitet werden», sagt Gähwiler.

Grösster Teil des Stellenabbaus in der Schweiz

Der Zentralschweizer Standort Emmen von Ruag International zählt ungefähr 380 Mitarbeitende – davon sind gut 60 im Bereich der Supportfunktionen tätig, wo der Stellenabbau bis 2021 stattfinden wird, so Gähwiler. «Von den 150 Arbeitsplätzen die weltweit abgebaut werden sollen, werden rund 85 Prozent in der Schweiz verloren gehen.» An welchem der 13 Schweizer Ruag International Standorten wie viele Entlassungen anstehen, sei noch nicht entschieden, so Gähwiler. Gespart werden soll in Support-Funktionen wie IT und Marketing. Man strebe für alle Mitarbeiter eine faire Lösung an und für die Schweiz – als am stärksten betroffenes Land – sei ein Sozialplan vorgesehen.

Die Effekte der Corona-Krise habe man bis jetzt mit Kurzarbeit für 1'700 Mitarbeitende in Europa, dem Abbau von Überzeit und Ferien und einem Einstellungsstopp abfedern können. Auch die Garantie für Bankkredite, welche vom Bund zur Unterstützung der Unternehmen ausgesprochen wurde, helfe die Liquidität zu erhalten, so Gähwiler.

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Sozialpartner prangern Bundesrat an

«Dieser zweite Abbau seit Februar 2020 trifft den Wirtschaftsstandort Schweiz hart», schreiben die Sozialpartner. Allerdings sei nicht nur die Corona-Pandemie schuld. «Dies ist eine direkte Folge des Entscheides des Bundesrates, die Ruag aufzuteilen und zu privatisieren.» Die Sozialpartner verlangen vom Bundesrat und den Arbeitgebern, dass diese die Verantwortung übernehmen und einen Stellenabbau verhindern.

Millionenverluste bei der Luftfahrt

Der Flugzeugstrukturbau machte in den vergangenen sieben Monaten über 30 Prozent weniger Umsatz, wie die Ruag mitteilt. Insbesondere leide der Flugzeugstrukturbau (Aerostructures) sowie Wartung, Reparatur und Betrieb für Geschäftsflugzeuge (MRO International) stark unter den Auswirkungen. Konkret mache Aerostructures zurzeit jeden Monat rund drei Millionen Franken Verlust. «Das Niveau vor der Krise in der Luftfahrt dürfte frühestens 2024/25 wieder erreicht werden», wird CEO Urs Kiener zitiert.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Oktober 2020 17:35
aktualisiert: 13. Oktober 2020 14:45