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Rotlichtmilieu

Notfonds soll Sexarbeiterinnen unterstützen

Marcel Jambé, 30. April 2020, 20:39 Uhr
Aufgrund der Coronakrise dürfen Sexarbeiterinnen wegen den Sicherheitsmassnahmen keine Freier bedienen. Viele von ihnen sind in ihr Heimatland zurückgereist. Wenige sind noch in der Schweiz. Jetzt haben verschiedene Fachstellen einen Notfonds lanciert.
Eine solche Situation sieht man zur Zeit nicht. (Symbolbild)
© Keystone

Wegen der Coronakrise sind momentan viele Menschen zuhause, weil sie ihre Arbeit nicht tätigen können. Auch davon betroffen ist das Sexgewerbe. Viele Sexarbeiterinnen sind zurück in ihr Land gereist, wenige sind noch in der Schweiz. Ihrer Arbeit können sie nicht nachgehen, sie sind auf sich allein gestellt – ohne Einkommen. Wegen fehlenden Einkünften und dem Verlust des Arbeits- und teils Wohnortes drohen vielen Armut, Obdachlosigkeit oder Abhängigkeit.

Sorgen um Zukunft und Familie

Dies beobachtet auch Brigitte Snefstrup, Geschäftsführerin des Vereins LISA. Der Verein betreibt das Beratungsangebot «Hotspot» im Ibach und setzt sich ein für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation von Sexarbeitenden in Luzern. «Der Verein LISA hat vielen der Frauen bei der Organisation der Heimreise geholfen. Sowohl in ihren Heimatländern, als auch hier in der Schweiz ist die Situation schwierig, weil sie keine Arbeit finden», so Snefstrup. Die grosse Unsicherheit würde den Frauen sehr zusetzen. Momentan gehe es vielen von den Arbeiterinnen psychisch sehr schlecht und sie machten sich Sorgen um ihre Zukunft und die Familie.

Spenden für Direkthilfe

Viele der Sexarbeiterinnen, welche nicht in ihr Heimatland reisen konnten, hausen bei Kolleginnen und Stammkunden, da sie von den Etablissements auf die Strasse gestellt worden sind. «Bei Arbeitenden, die zum Verein LISA kommen, versuchen wir die Möglichkeiten der öffentlichen Hand auszuschöpfen. Das heisst zum Beispiel Erwerbsersatz oder Existenzsicherung», erklärt Snefstrup. Problematisch seien in diesem Zusammenhang Personen mit einer Bewilligung als selbständig Erwerbende. Denn ab dem ersten Franken könne die soziale Unterstützung entzogen werden.

Aus diesem Grund haben seit April die FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, XENIA Fachstelle Sexarbeit Bern und das Netzwerk PROKORE zur Verteidigung der Sexarbeitenden in der Schweiz eine nationale Koordinationsstelle geschaffen. Diese hat eine schweizweite Spendenkampagne auf die Beine gestellt, um Sexarbeitende mit Nothilfe zu unterstützen. Unterstützt wird sie vom BAG mit dem Ziel, Sexarbeitende vor den negativen Auswirkungen der Corona-Krise zu schützen.

Weitere Informationen zur Spendenaktion gibts auf der Website der Fachstelle FIZ.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 30. April 2020 20:39
aktualisiert: 30. April 2020 20:39