Streit im Gotteshaus

Mönch verklagt Kloster Engelberg auf mehr als 300'000 Franken Schadenersatz

22.02.2024, 18:46 Uhr
· Online seit 22.02.2024, 18:15 Uhr
Hinter verschlossenen Türen des Klosters Engelberg läuft nicht alles harmonisch. Ein Mönch fühlte sich gemobbt, wurde vor die Türe gesetzt und verklagt nun das Kloster auf mehr als 300'000 Franken Schadenersatz.
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Der 59-jährige Bruder Samuel Camenzind hat vor wenigen Tagen seinen Rücktritt aus dem Kloster Engelberg bekanntgegeben, wie die «Luzerner Zeitung» schreibt. Dies aber nicht aufgrund einer Frührente, sondern wegen eines langwierigen Konflikts mit seinen Mitbrüdern. Zwischenmenschlich habe das Zusammenleben im Kloster nicht immer harmonisch funktioniert, erzählt Camenzind im Gespräch mit der Luzerner Zeitung.

Lage schon länger «besorgniserregend» und «kritisch»

Er sei jahrelang gemobbt worden. Man habe ihm unter anderem Simulation vorgeworfen, weil er laktoseintolerant ist und daher nicht zum gemeinsamen Essen erschien. Er wäre zudem im Kloster als Bösewicht bezeichnet worden. Er habe dann mit Meditation versucht, das Ganze zu verarbeiten. Dies habe nicht funktioniert und darum habe er bereits im Sommer 2021 Strafanzeige gegen zwei Mitbrüder wegen Verleumdung und übler Nachrede eingereicht. Diese Anzeige hat Camenzind laut eigenen Aussagen wegen des Druckes seines Abtes dann aber wieder zurückgezogen.

Danach gab es eine Visitation von Kirchenmitgliedern von anderen Klostern. Der neunseitige Bericht verhiess schon 2021 nichts Gutes. Es war von einer «besorgniserregenden Krise» zu lesen. Die Lage sei «dramatisch» und «kritisch». Viele Mitbrüder seien nicht bereit, ihr Verhalten zu hinterfragen, stand im Bericht weiter.

Kloster wird auf Schadenersatz verklagt

Bis heute verschlechterte sich der psychische und physische Zustand von Bruder Camenzind laufend. im vergangenen Mai dann das endgültige Zerwürfnis: Der Abt des Klosters wies in weg und erteilte ihm Hausverbot. Nun wohnt Camenzind in einer kleinen Wohnung in Morschach. Existenzängste plagen ihn seither, sagt er gegenüber der «Luzerner Zeitung» weiter. Das Kloster habe ihm zwar eine Einmalzahlung von 137’500 Franken angeboten. Diese setzt sich aus 86’000 Franken für die Altersvorsorge zusammen und dem noch nicht zurückgezahlten Teil seines Vermögens, welches Camenzind bei seinem Eintritt ins Kloster mitbrachte, schreibt die Zeitung.

Für Camenzind war dieses Angebot aber ungenügend, daher verklagt er nun das Kloster Engelberg. Er hat beim Kantonsgericht Obwalden eine Zivilklage eingereicht. Er verlangt 326’000 Franken Schadenersatz für Vorsorgelücken in der AHV und der zweiten Säule. Er will damit vor allem klären, wie hoch der Betrag der Altersvorsorge für ein ausgetretenes Mitglied des Klosters sein muss.

Was sagt das Kloster Engelberg dazu?

Das Kloster selbst, also Abt Christian Meyer, lässt sich von Anwalt Reto Fanger vertreten. Er teilt auf Anfrage von CH Media mit: «Sämtliche von der Gegenpartei gemachten Aussagen werden vollumfänglich bestritten.» Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes, auch der Gegenpartei, des Datenschutzes und des Berufsgeheimnisses könne zu den einzelnen Aussagen keine Stellung bezogen werden.

(red.)

veröffentlicht: 22. Februar 2024 18:15
aktualisiert: 22. Februar 2024 18:46
Quelle: PilatusToday

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