Vorstoss Estermann

Spucken: Kein Problem in der Zentralschweiz

19. Juni 2020, 07:34 Uhr
Die Luzerner Nationalrätin Yvette Estermann will «Spucken» verbieten. Die SVP-Politikerin befürchtet, dass sich Coronaviren auch über unsere Schuhsohlen verbreiten könnten. Ein solches Verbot kennt die Zentralschweiz noch nicht.

Einige Medien berichteten heute (und in der Vergangenheit), dass in der Zentralschweiz der Kanton Obwalden ein Spuckverbot kenne. Dass eine Übertretung gar mit 100 Franken Busse bestraft werde. Spannend: Dies war selbst für die Polizei Obwalden eine Neuheit. Wie der stellvertretende Leiter Kommandoabteilung, Silvan Stucki, gegenüber PilatusToday sagt, gebe es keine explizite Regelung gegen das Spucken.

Spucken als Verunreinigung?

Er weist zwar darauf hin, dass im kantonalen Bussenkatalog eine Übertretung – 1.1: Verunreinigen oder Verunstalten von öffentlichem oder privatem Eigentum – theoretisch so gedeutet werde könnte, dass es auch für das Spucken gelten würde. Es sei ihm jedoch konkret kein einziger Fall bekannt, wo dies tatsächlich so ausgelegt wurde.

Auch die anderen Zentralschweizer Kantonspolizeien geben auf Nachfrage von PilatusToday bekannt, dass es keine kantonale Regelung bezüglich eines Spuckverbots gäbe. Sie verweisen ebenfalls auf das Übertretungsstrafgesetz oder den Tatbestand der Verunreinigung, der allenfalls für das Spucken gelten könnte. Auch hier: Ohne explizites Anwendungsbeispiel.

Kein dringendes Problem

Pascal Bryner, Leiter Dienststelle mobiler Einsatzpolizei bei der Nidwaldner Kantonspolizei, sagt gegenüber dieser Redaktion, dass die Nidwaldner Polizei bei Verunreinigungen vor allem präventiv arbeite. Es werde das Gespräch gesucht und die fehlbaren Personen auf ihr Verhalten hingewiesen, ohne Bussen auszustellen.

Der Tenor bei den Polizeikorps ist denn auch in der gesamten Zentralschweiz ähnlich: Spucken scheint kein dringendes Problem zu sein.

Das will Yvette Estermann

«Wir dürfen uns nicht die Hand geben, müssen einen Abstand von zwei Meter einhalten, die Hände desinfizieren und in Quarantäne bleiben... Aber was ist mit dem Spucken auf den Boden?» – Die Luzerner SVP-Politikerin Yvette Estermann will vom Bundesrat wissen, was er gegen diesen Infektionsherd unternehmen will. «Doch wie schützt man sich vor einem Krankheitserreger, der an den Schuhen klebt?»

«Spucken sollte man verbieten», sagt Estermann auf Anfrage von PilatusToday. Dass dies schwer umzusetzen und zu kontrollieren sei, ist sich Yvette Estermann bewusst. «Man sollte aber schon aus hygienischen Gründen und aus Anstand nicht spucken». Estermann plädiert dafür, dass wieder Spuckbehälter zur Verfügung gestellt werden – solche habe es früher gegeben und die hätten funktioniert.

(kra)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 18. Juni 2020 17:56
aktualisiert: 19. Juni 2020 07:34