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Schweizer Fahrende

Obwohl beliebt: In der Zentralschweiz fehlen die Halteplätze

21. Mai 2021, 09:13 Uhr
In der Schweiz gibt es nach wie vor zu wenig Halteplätze für Fahrende aus dem In- und Ausland. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende. Auch in der Zentralschweiz sieht die Stiftung Handlungsbedarf. Und dies obwohl die Region den Fahrenden viel bedeutet.
In der Zentralschweiz fehlen Halteplätze für Jenische und Sinti
© Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Keinen richtig fixen Wohnort und mindestens sechs Monate im Jahr mit dem Wohnwagen durch die Schweiz fahren. So sieht der Lebensstil der Jenischen und Sinti, der sogenannten Fahrenden, aus. Schweizweit gibt es 24 Durchgangsplätze, auf denen die Fahrenden von wenigen Tagen bis zu einem Monat verbringen. Dies ist laut des jüngsten Berichtes der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende zu wenig. So fehlen auch in der Zentralschweiz Plätze, wo die Fahrenden ihre Zeit verbringen können. Vier Durchgangsplätze gibt es insgesamt.

Halteplätze für Fahrende in der Schweiz
© Stiftung Zukunft der Schweizer Fahrenden

Behörden haben andere Prioritäten

Viele Kantone und Gemeinden beschäftigen sich nicht mit Halteplätzen für Fahrende, weil der Aufwand dafür gross ist, erklärt Simon Röthlisberger, Geschäftsführer der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende. Für die Realisierung braucht es freies Bauland. Dieses wird aber häufig anderweitig gebraucht. Für die Entwicklung der Gemeinde zum Beispiel. Dazu kommen Bedenken aus der Bevölkerung. Mit diesen müssen sich die Behörden befassen, so Röthlisberger.

In Luzern gibt es unter anderem in Rothenburg einen Durchgangsplatz für Fahrende. Dieser ist allerdings nur provisorisch bis 2023. Danach wird auf dem Areal das neue Luzerner Sicherheitszentrum gebaut. Der Kanton sucht zurzeit einen alternativen Standort. Wie das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement auf Anfrage schreibt, werden entsprechende Gespräche mit diversen Beteiligten geführt.

Schweizer Fahrende haben Wurzeln in der Zentralschweiz

Dieses Engagement begrüsst Simon Röthlisberger. Er sieht durchaus, dass sich die Zentralschweiz mit dem Thema beschäftigt. Besonders im Kanton Schwyz würden die Behörden versuchen, ein Areal zu finden.

Trotz der Verbundenheit: Was die Fahrenden in der Zentralschweiz immer noch vergeblich suchen, sind Standplätze für den Winter. Dort sind die Betroffenen in der Gemeinde angemeldet, zahlen Steuern und schicken ihre Kinder in die Schule.

Der Bedarf an Plätzen für Schweizer Fahrende ist nicht nur in der Zentralschweiz gross, sondern auch im Rest des Landes. Gemäss der Stiftung Zukunft für die Schweizer Fahrenden fehlen 20 bis 30 Standplätze sowie 50 Durchgangsplätze. Vor allem aus zwei Gründen braucht es mehr: Mit den Halteplätzen für Fahrende kann man verhindern, dass die Betroffenen ihre Wohnwagen illegal auf privatem Land abstellen. Zudem kommt es zwischen Schweizer und ausländischen Fahrenden immer wieder zu Konkurrenzkämpfen um die knappen Plätze. Die Stiftung betont, dass Jenische und Sinti als Minderheit rechtlich geschützt sind. Bund, Kantone und Gemeinden sind daher verpflichtet, genügend Halteplätze zur Verfügung zu stellen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. Mai 2021 09:13
aktualisiert: 21. Mai 2021 09:13