«Was da ist, ist schnell weg»

Occasion-Autos werden teurer – sind aber dennoch sehr gefragt

Sven Brun, 19. Oktober 2022, 06:44 Uhr
Um 28 Prozent sind die Preise für Occasion-Autos seit Vorpandemiezeiten angestiegen. Aufgrund der weltweiten Lieferengpässe ist auch das Angebot an Gebrauchtwagen stark gesunken. Das scheint die Kundinnen und Kunden jedoch kaum zu stören – Garagisten können ihre Autos rasch verkaufen.
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Im 1. Quartal 2020, also kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie, zahlte man in der Schweiz im Durchschnitt 23'161 Franken für einen Gebrauchtwagen. Im 3. Quartal 2022 kostete ein Occasion-Auto durchschnittlich bereits 29'550 Franken. Dies ist ein Preisanstieg von knapp 28 Prozent. Gleichzeitig ist das Angebot an Gebrauchtwagen um 29 Prozent gesunken. Die Daten stammen von einer Analyse von Comparis.

Occasionspreise erreichen neuen Höchststand.

© Comparis

Roland Michel, Geschäftsleiter der Garage Windlin in Kriens und Kerns meint, dass es zwei Gründe für diese Entwicklungen gäbe. Zum einen hätte die Pandemie dazu geführt, dass Mietwagen-Firmen aufgrund des fehlenden Tourismus ihre Parks nicht erneuert haben. «Zum anderen haben die verlängerten Lieferzeiten von Neuwagen das Interesse an Occasion-Autos erhöht», erklärt er.

Garagisten verzeichnen weiterhin hohe Nachfrage

Wie lange potenzielle Käuferinnen und Käufer auf einen Neuwagen warten müssten, sei sehr unterschiedlich. «Generell liegt die Lieferzeit bei einem Halben bis zu dreiviertel Jahren. Zum Teil ist es nicht einmal definiert», sagt Michel. Die abgenommene Anzahl Neuwagen-Verkäufe hätte die Garage Wendelin mit einer Mehrzahl an Occasion-Autos-Verkäufen kompensieren können.

Auch Manuel Sommerhalder, Inhaber der Bahnhofgarage Ebikon, hatte bisher keinerlei Probleme, seine Fahrzeuge zu verkaufen. Trotz eines momentan eher flachen Sortiments. «Was da ist, ist schnell weg», meint er. Kundinnen und Kunden würden sich oftmals auch mit Alternativen zufriedengeben: «Ganz nach dem Motto: Besser ein anderes Auto als gar keines», erklärt der Garagist. Sommerhalder ist zudem der Meinung, dass einige Käuferinnen und Käufer aufgrund der erhöhten Preise ein profitables Geschäft wittern. «Sie kaufen einen Neuwagen mit dem Gewissen, dass sie ihn später für relativ viel Geld wieder als Occasion verkaufen könnten», führt er aus.

Elektroauto-Boom

Der Trend geht laut Comparis-Expertin Andrea Auer trotz des Preissprungs bei den Occasionen klar in Richtung Elektroautos. Mittlerweile hätten die meisten Hersteller mindestens ein E-Modell im Angebot. Der Occasionsmarkt werde als Folge markant wachsen.

Preise für E-Auto-Occasionen sind besonders stark gestiegen.

© Comparis

Die Preise bei Elektroautos sind stark, um 50 Prozent, angestiegen (1. Quartal 2020: 34'681 CHF, 3. Quartal 2022: 51'878 CHF). Gemäss der Comparis-Expertin ist diese Steigerung jedoch mit Vorsicht zu geniessen: «Der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos ist noch jung und somit sehr dynamisch.» Zurückzuführen sei die Preissteigerung vor allem auf die rasant wachsende Modellvielfalt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 19. Oktober 2022 05:56
aktualisiert: 19. Oktober 2022 06:44