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Online-Casino

Paradies für Zocker – so schützt du dich vor einer Spielsucht

16. Mai 2021, 15:30 Uhr
Online-Casinos boomen, dies zeigt die Bilanz des vergangenen Jahres vom Grand Casino Luzern. Doch das Online-Spielvergnügen birgt auch Risiken und verleitet dazu, in eine Spielsucht zu geraten.
Rund 70 Prozent aller Einnahmen 2020 hat das Grand Casino Luzern mit Online-Spielen erzielt.
© KEYSTONE/OBS/GRAND CASINO LUZERN AG/(C) G

Wie das Grand Casino Luzern schreibt, wurden im letzten Jahr trotz Schliessung von 101 Tagen schwarze Zahlen geschrieben. Zu verdanken ist dies dem Online-Casino Mycasino. Rund 70 Prozent der Einnahmen wurden über das Online-Portal generiert. (PilatusToday berichtete)

Wie Wolfgang Bliem, CEO Kursaal-Casino AG Luzern sagt, ist das Spielvolumen im vergangenen Jahr zwar insgesamt gesunken. Der Zuwachs im Online-Casino erklärt er sich aber auch mit der Kundschaft, die vor der Einführung der Schweizer Online-Casinos im Jahr 2019 viel im Ausland gespielt hat. Doch ist das Risiko höher, online in eine Spielsucht zu geraten und welche Massnahmen werden getroffen, um dies zu verhindern?

Verlustlimit setzen und Spieldauer festlegen

Er betont, dass die Kontrollen der Spielenden in der Schweiz wesentlich besser sind als im Vergleich zu Schweizern, die in illegalen ausländischen Casinos spielen. Doch: «Das Suchtpotenzial ist bei Online-Casinos durch die ständige Verfügbarkeit höher als bei Spielbanken vor Ort», so Bliem.

Um dem entgegenzuwirken, arbeitet das Casino Luzern mit verschiedenen Monitoring-Methoden, die online sogar einfacher umzusetzen seien als im Casino vor Ort, so Bliem: «Wir überprüfen beispielsweise die Spieldauer, die Verluste und die Häufigkeit». Überschreitet zum Beispiel ein Spieler die Verlustsumme von 3'000 Franken, werden die Angestellten aktiv und überprüfen die finanziellen Mittel des Spielers mittels Vermögensausweis. Erhärtet sich die Vermutung eines problematischen Spielverhaltens, wird der Spieler vom Veranstalter gesperrt.

Verschiedene Mechanismen sollen bereits im Vorfeld eine Sucht verhindern. Spieler, die sich neu registrieren, müssen ein Verlustlimit angeben. Optional können auch Einzahlungslimiten oder Spielpausen festgelegt werden. «Unser System ist ausserdem sehr transparent, sodass auf einen Blick zu erkennen ist, wie viel man verloren hat und wie viel Gewinn erzielt wurde». So komme es auch oft vor, dass Spieler selber aktiv werden und sich durch das Casino sperren lassen, erklärt Bliem.

Bezug zum Geld geht verloren

Auch Monique Portner-Helfer, Mediensprecherin von Sucht Schweiz, nimmt den Zuwachs von Nutzern der Online-Casinos wahr, wie sie gegenüber PilatusToday sagt: «Eine direkte Auswirkung auf unsere Beratungsstellen konnten wir bisher aber nicht verzeichnen.» Es werde wohl noch eine gewisse Zeit dauern, bis sich die ersten Spielsüchtigen bei der Beratungsstelle melden, stellt sie fest. Bei Sucht Schweiz sei man sich aber einig, dass die Online-Casinos ein Suchtpotenzial für gefährdete Personen darstellt. «Es ist auf jeden Fall eine Gefahr», so Portner-Helfer.

Der Unterschied zum klassischen Casino sei vor allem die permanente Verfügbarkeit. «Man trägt sein Casino in der Hosentasche und kann jederzeit darauf zugreifen», erklärt sie. Als Gefahr sieht sie vor allem die fehlende soziale Kontrolle der Veranstalter. Auch dass der Bezug zum Geld verloren geht und Spielabfolge sehr schnell geschieht, sei verlockend. Es gebe sogar Spieler, die auf mehreren Bildschirmen gleichzeitig aktiv sind. «Und das ist gefährlich», so Portner-Helfer.

Mehr Sensibilisierung in der Gesellschaft

Casinos sind dazu verpflichtet, auch online mit Sozialkonzepten zu arbeiten. So kann interveniert werden, wenn man davon ausgehen kann, dass eine Person von einer Spielsucht betroffen ist. Es werden beispielsweise die Aktivitätszeiten oder die Geldverluste überprüft. Die Folge kann eine Sperrung des Spielers sein.

Portner-Helfer fordert vermehrtes Playertracking. «Das bedeutet, dass die Spieler auch Casinoübergreifend kontrolliert werden können und dass die Aktivitäten der Spieler beobachtet werden», so Portner-Helfer. So könne verbessert präventiv gearbeitet werden. Auch eine Kooperation mit grenznahen Betreibern sei sinnvoll. Ausserdem wünscht sie sich mehr Sensibilisierung in der Gesellschaft im Bezug auf Spielsüchtige.

Von einer Spielsucht wird gesprochen, sobald man merkt, dass das soziale Leben in den Hintergrund gerät und man seinen familiären und gesellschaftlichen Pflichten nicht mehr nachgeht. Auch die Verschuldung aufgrund von Online-Spielen ist ein Indiz, so Portner-Helfer: «Dann muss man sich eingestehen, dass ein Problem vorliegt». Betroffene können sich an verschieden Beratungsstellen (siehe Box) wenden.

(wna)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 16. Mai 2021 15:31
aktualisiert: 16. Mai 2021 15:30