Hochschul-Studie zeigt

Schweizer Unternehmen tun sich schwer mit Generationen-Konflikt

· Online seit 03.10.2023, 10:22 Uhr
Vier Generationen unter einem Dach waren lange Zeit kein Problem in der Schweizer Wirtschaft. Nun tun sich die Arbeitgebenden in der Schweiz jedoch schwer, altersgerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen und die generationenübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, wie eine Studie der Hochschule Luzern zeigt.
Anzeige

Schweizer Unternehmen stehen vor der grossen Herausforderung, geburtenstarke Generationen zu ersetzen. Das prophezeit die Hochschule Luzern (HSLU) in einer Medienmitteilung. Ausserdem würden viele Stellen wegen des anhaltenden Fachkräftemangels nicht besetzt werden können. Deshalb seien die hiesigen Firmen besonders angehalten, attraktive Verhältnisse für ihre potenziellen Angestellten zu schaffen. Man müsse auf die Bedürfnisse der verschiedenen Generationen eingehen. Man müsse den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit forcieren, heisst es weiter. Nun stellte die HSLU fest, dass es in der Schweiz noch grossen Handlungsbedarf in all diesen Punkten hat.

«Es wenige Massnahmen umgesetzt»

Demnach hätte man das grosse Potenzial zwar erkannt, schöpfe dieses jedoch nicht aus. In einer Umfrage gaben 92 Prozent der befragten Grossunternehmen und 75 Prozent der KMU an, die stetige Weiterentwicklung in Sachen Arbeitsattraktivität als «sehr wichtig», oder zumindest «wichtig» einzustufen. Gerade im Hinblick auf Arbeitgeberattraktivität und der damit einhergehenden Wettbewerbsfähigkeit.

KMU gaben dabei mehrheitlich an, den Wissensverlust durch den Austritt älterer Mitarbeitenden verhindern zu wollen. Dennoch fände der Wissenstransfer zwischen den Generationen kaum statt. HSLU-Studienleiterin Anina Hille stellt fest: «Es werden nach wie vor erst wenige Massnahmen umgesetzt. Diesbezüglich hat sich in den letzten vier Jahren wenig getan.»

Arbeit über das Rentenalter hinaus

Was jedoch auffällt: viele Unternehmen beschäftigen ihre Mitarbeitenden über das Rentenalter hinaus. Das passiere lauf Studie bei rund einem Viertel der befragten Grossunternehmen und bei der Hälfte der KMUs, die besonders vom Fachkräftemangel betroffen seien. Dennoch besteht laut Hille auch hier Nachholbedarf: «Damit das langfristig funktioniert, müssen sie in der Umsetzung aber noch stärker auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden eingehen.» Es gelte, Arbeitsbedingungen flexibel und altersgerecht zu gestalten.

Bedürfnisse ernst nehmen

Auch Arbeitnehmende wurden von der HSLU zu ihrer Sicht der Dinge befragt. Dabei gaben mehr ältere Personen an, mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein, als Junge. Zeitdruck und Stress sind jedoch weiterhin ein generationenübergreifendes Ärgernis. So gibt nur rund ein Drittel der Befragten an, mit ihrer Arbeitsmenge «sehr zufrieden» zu sein. Einer Mehrheit von 80 Prozent der Befragten gab zudem an, nicht rund um die Uhr erreichbar sein zu wollen. Studienleiterin Hille rät den Unternehmen daher: «Wer Handlungsfelder frühzeitig erkennt, kann seine Attraktivität als Arbeitgeber deutlich steigern und so einem Arbeitskräftemangel aktiv entgegentreten.» Die Unternehmen müssten die Bedürfnisse ihrer Angestellten ernst nehmen.

Scan den QR-Code

Du willst keine News mehr verpassen? Hol dir die Today-App.

veröffentlicht: 3. Oktober 2023 10:22
aktualisiert: 3. Oktober 2023 10:22
Quelle: PilatusToday

Anzeige
Anzeige
redaktion@pilatustoday.ch