Maskenpflicht-Debatte

Auch in Schwyz und Nidwalden häufen sich die Corona-Fälle

Irene Müller, 8. Oktober 2020, 20:18 Uhr
Als zehnter Kanton überhaupt hat der Kanton Zug eine Maskenpflicht in den Läden eingeführt.
© Ennio Leanza / Keystone
Ab Samstag gilt in den Zuger Läden eine Maskenpflicht. Mit dieser Verschärfung der Corona-Massnahmen steht der Kanton in der Zentralschweiz bisher allein da. Und das, obwohl auch in anderen Kantonen die Fälle zuletzt stark zunahmen.

Quasi den ganzen Sommer über galt die Zentralschweiz als relativ coronasicheres Gebiet. In den vergangenen Tagen aber stiegen die Fallzahlen vor allem in Schwyz, Zug und Nidwalden drastisch an. Alle drei Kantone verzeichneten in den vergangenen zwei Wochen weit über 60 Fälle pro 100'000 Einwohner. Seit heute Mittwoch würde auch Obwalden – wäre es ein Land – auf der Risikoländer-Liste des Bundes landen.

Als Vergleich dazu die Fallzahlen der übrigen Schweizer Kantone:

Die Zahlen stammen von den Kantonen und können von denjenigen des Bundes abweichen.

Der Kanton Zug hat nun die Notbremse gezogen und führt ab Samstag eine Maskenpflicht in den Geschäften ein. Dies mit der Begründung, dass das Contact Tracing versagt habe. «In fast der Hälfte der Fälle der letzten Tage ist nicht klar, wo sie sich angesteckt haben», so der Kommunikationsverantwortliche der Gesundheitsdirektion Aurel Köpfli. In den übrigen Zentralschweizer Kantonen hingegen scheint das Contact Tracing trotz teilweise hohen Fallzahlen noch immer einwandfrei zu funktionieren.

Dennoch: «Eine solche Zunahme von Corona-Fällen hatten wir noch nie», gibt die Gesundheits- und Sozialdirektorin vom Kanton Nidwalden Michèle Blöchliger zu. Grund dafür seien zwei kurz aufeinanderfolgende Ausbrüche bei privaten Anlässen. Einer davon war ein Buochser Jodlerausflug, nach dem fast 40 Teilnehmende in Quarantäne mussten.

«In Nidwalden wurde die Risikogebiet-Grenze zum ersten Mal überhaupt überschritten», so Blöchliger. In den Läden deswegen eine Maskenpflicht einzuführen, sei aber kein Thema. «Wir erachten das als Einzelfall-Ereignis und sehen gerade noch nicht, dass weitere Massnahmen nötig wären.» Die beiden Ausbrüche seien unter Kontrolle, also hoffe man jetzt einfach, dass sich die Lage wieder von allein beruhigt und die Bevölkerung die Hygieneschutzmassnahmen beachtet.

Masken? – kein Bedarf

Auch in den Kantonen Luzern, Obwalden und Schwyz kommt eine Maskenpflicht in Geschäften zurzeit nicht in Frage. In Luzern sind die Fallzahlen vergleichsweise tief. Weniger Fälle weisen zurzeit nur die Kantone Aargau und Basel-Landschaft auf. Schwyz hingegen reihte sich in den vergangenen zwei Wochen ganz vorne in der Rangliste ein. Nur in Waadt, Genf und Neuenburg wurden noch mehr Personen pro 100'000 Einwohner positiv auf das Virus getestet.

Dennoch sieht das Schwyzer Amt für Gesundheit und Soziales weiterhin von einer Maskenpflicht in den Läden ab. Es gebe im Moment keine Anzeichen dafür, dass beim Einkaufen eine erhöhte Ansteckungsgefahr bestehe, heisst in einer am Mittwochnachmittag veröffentlichten Mitteilung. Das Contact Tracing sei zurzeit stark ausgelastet, funktioniere aber.

Fokus auf Eigenverantwortung

Häufig finden Ansteckungen im privaten Umfeld statt. Auch deshalb sehen viele Kantone von einer Maskenpflicht ab und setzen lieber auf die Mithilfe der Bevölkerung. «Im privaten Bereich Massnahmen zu ergreifen, ist sehr schwierig», weiss Michèle Blöchliger. Man müsse eben den Abstand und die Hygienemassnahmen einhalten. «Bisher hat das sehr gut funktioniert im Kanton Nidwalden und ich hoffe, dass das weiterhin so ist.»

Ob auch der Kanton Uri weiterhin auf die Eigenverantwortung seiner Leute setzt, entscheidet der Sonderstab morgen früh.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. Oktober 2020 17:48
aktualisiert: 8. Oktober 2020 20:18