Wahlkrimi in Schwyz

«Bin immens glücklich»: Schuler verteidigt SVP-Sitz in der Regierung

Sophie Müller, 25. September 2022, 17:56 Uhr
In einem veritablen Wahlkrimi in Schwyz hat Xaver Schuler am Sonntag den SVP-Sitz in der Kantonsregierung verteidigen können. Für den zweiten frei werdenden Sitz, welchen bislang die FDP innehat, gibt es einen zweiten Wahlgang.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

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Der 42-jährige Schuler, Gemeindepräsident von Schwyz, schaffte mit 17'083 Stimmen haarscharf und als einziger der sechs Kandidierenden das absolute Mehr von 17'080 Stimmen. «Ich bin ein immens glücklicher Mensch am heutigen Tag», sagt er im obigen Interview mit PilatusToday und Tele 1.

Schuler hat die Wahlen am Sonntag im Rathaus in Schwyz zusammen mit seiner Frau verfolgt. Er sei davon ausgegangen, dass es für alle Kandidierenden einen zweiten Wahlgang gibt. Entsprechend überrascht war er, dass es für ihn gereicht hat. Die SVP-Mitglieder hätten für ihn gekämpft «wie die Löwen».

Auf der anderen Seite habe er auch von den Liberalen sowie der Mitte grosse Unterstützung erhalten und seine Erfahrung habe bestimmt auch geholfen. «Ich habe sicherlich einen breiten Rucksack.» Zudem hätten die Leute wohl auch gerade in der heutigen «Krisen-Zeit» auf Bewährtes und Bekanntes gesetzt, so Schuler.

FDP muss in die Stichwahl

Auf dem zweiten Rang folgt klar der FDP-Kandidat Damian Meier mit 16'667 Stimmen. Der Kommandant der Schwyzer Kantonspolizei verpasste damit das absolute Mehr, die Partei kann ihren Sitz nicht auf Anhieb verteidigen.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

«Die Enttäuschung war recht gross aber auf der anderen Seite bin ich erleichtert, dass ich ein solch gutes Resultat gemacht habe», sagt Meier im obigen Interview. Deshalb sei er zuversichtlich, es im zweiten Wahlgang zu schaffen. «Ich gehe davon aus, dass ich als einziger bürgerlicher Kandidat im zweiten Wahlgang auf breite Unterstützung zählen darf.»

Dass die FDP in den zweiten Wahlgang muss, dürfte auch damit zu tun haben, dass, anders als bei früheren Wahlen, keine gemeinsame Liste mit der SVP zustande kam. Diese «Päckli-Politik» war zuletzt immer stärker auf Kritik gestossen, aktuell ist in Schwyz eine Initiative hängig, welche diese verhindern soll. Noch wäre eine gemeinsame Liste zwar zulässig gewesen, die beiden bürgerlichen Parteien erachteten dies aber nicht mehr als opportun.

Zieht sich Notter für Lindauer zurück? 

Das drittbeste Resultat erzielte GLP-Kandidatin Ursula Lindauer aus Ibach mit 12'570 Stimmen, gefolgt von Patrick Notter (SP) aus Einsiedeln mit 12'167 Stimmen. Die beiden Parteien werden am Montag über ihre Strategie für den zweiten Wahlgang entscheiden. Notter, der sich enttäuscht zeigte über den vierten Platz, sagte, er tendiere auf einen Rückzug zugunsten von Lindauer.

«Ich fühle mich super gut», sagt Lindauer im folgenden Interview. Für die Themen «Klimawandel», «Energiekrise» und «Versorgungssicherheit» habe die GLP Antworten. Zudem bringe sie als Leiterin des kantonalen Rechtsdienstes viel Erfahrung mit und kenne die Abläufe in der Verwaltung.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

Keine Chance hatte der parteilose Peter Abegg aus Rothenthurm. Der 60-jährige Landwirt und Wolfsgegner, der bereits vor zwei Jahren kandidiert hatte, kam auf 6914 Stimmen. Auf dem letzten Platz folgte mit 2916 Stimmen Jürg Rückmar aus Pfäffikon, der die Bewegung «Aufrecht Schwyz» vertrat, die sich kritisch zu den Corona-Schutzmassnahmen geäussert hatte. Er will im zweiten Wahlgang noch einmal antreten.

Erstmals wurden Wahlkampfbudgets offengelegt 

Die Ersatzwahl wurde nötig, weil Volkswirtschaftsdirektor Andreas Barraud (SVP) und Finanzdirektor Kaspar Michel (FDP) zurücktreten. Der zweite Wahlgang findet am 27. November statt. Die laufende Legislatur dauert bis 2024.

Seit zehn Jahren ist der Schwyzer Regierungsrat rein bürgerlich. Im siebenköpfigen Gremium hat die SVP weiterhin drei Sitze mit Baudirektor André Rüegsegger, Sicherheitsdirektor Herbert Huwiler und dem neu gewählten Xaver Schuler. Die FDP ist mit Petra Steimen-Rickenbacher, Vorsteherin des Innen-Departements vertreten, die Mitte mit Umweltdirektor Sandro Patierno und Bildungsdirektor Michael Stähli.

Erstmals kam bei den Ersatzwahlen das neue Schwyzer Transparenzgesetz zur Anwendung. Die Kandidierenden mussten ihre Wahlkampfbudgets offenlegen. Die FDP hatte mit 80'000 Fanken am meisten Geld zur Verfügung gefolgt von der SP mit 59'868.20 Franken, der SVP mit 51'500 Franken und der GLP mit 30'000 Franken. Nach der Wahl müssen die Parteien die Schlussabrechnung über ihre Kampagnen offenlegen.

Quelle: SDA / PilatusToday
veröffentlicht: 25. September 2022 16:28
aktualisiert: 25. September 2022 17:56